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Nur jeder Zweite ging wählen, aber die Wahlhelfer hatten mit vier Bögen alle Hände voll zu tun Ein entspannter Tag – bis 18 Uhr

Von Michael Woll

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Ein langer Abend beginnt: Marianne Metz, Christine Klokkers, Michael Hölscher, Ralf Winkelmann und Mareike Henke mit der Wahlurne.Foto: Michael WollEin langer Abend beginnt: Marianne Metz, Christine Klokkers, Michael Hölscher, Ralf Winkelmann und Mareike Henke mit der Wahlurne.Foto: Michael Woll

Melle. Auch wenn die Wahlbeteiligung landesweit besser war als 2006 – die Zeiten, in denen bei Kommunalwahlen die große Mehrheit ihre Stimme abgab, sind vorbei. In den fünf Meller Wahllokalen, die wir im Lauf des Tages besucht haben, wählte grob gesagt jeder Zweite. Die Wahlhelfer hatten daher einen eher ruhigen Tag – bei vier Stimmzetteln dafür aber einen langen Abend.

In der Schankwirtschaft Wörmann heißt es selbst um die Mittagszeit noch Schlange stehen. Das liegt aber nur zum Teil am großen Ansturm auf die Wahlurnen: Nebenan läuft der Gasthausbetrieb, und im kleinen Wahlraum ist nur Platz für drei Kabinen. Bis die Wähler dort ihre bis zu zehn Kreuze gemacht haben, kann es eine Weile dauern – Zeit, um in der Warteschlange noch ein wenig zu plaudern und noch einmal die Wahllisten zu studieren.

Etwa zur gleichen Zeit ergibt sich im Gymnasium ein ganz anderes Bild: In der Schulaula ist nichts los, die Wahlhelfer sprechen bis dahin von einem entspannten Tag. Ihre Kollegen in der Sparkasse sind mit dem Vormittag etwas zufriedener, aber jetzt ist es auch hier ruhig. Dann fängt es an zu regnen, und im Radio wird für ganz Niedersachsen schon über eine schwache Wahlbeteiligung geunkt.

Das stellt sich als verfrüht heraus: Im Lauf des Nachmittags zeichnet sich eine leicht höhere Wahlbeteiligung gegenüber 2006 ab. Dennoch verleben die meisten Wahlhelfer einen ruhigen Nachmittag. In der Heinrich-Böll-Schule sagt eine Wählerin, dass sie mit der Stimmabgabe nun ihre Pflicht erfüllt habe – das sehen die meisten nicht so, inklusive Briefwahlstimmen geht auch hier nicht einmal jeder Zweite zur Wahl.

Im Kindergarten Altenmelle erklären sich die Wahlhelfer die zwischenzeitliche Flaute mit dem Wetter und bleiben optimistisch: Zur gleichen Zeit ist im Ort Erntedankfest, und von dort, so die Hoffnung, kommen bestimmt nach fünf Uhr noch einige Wähler ins Urnenlokal. Entsprechend gut ist die Laune bei den ehrenamtlichen Wahlhelfern.

Kurz vor der Schließung des Lokals hat sich auch in der Gaststätte Wörmann die Schlange aufgelöst. Ein paar Leute kommen noch, auch ein Erstwähler ist dabei. Dann ist es vorbei: Mit einem Akkuschrauber werden schnell die Kabinen zerlegt, um Platz für die Auszählung zu machen.

Damit beginnt ein langer Abend. Vom Landrat über den Kreistag, den Stadtrat und den Ortsrat sind vier Stimmzettel auszuwerten; auf dreien von ihnen konnten die Wähler „kumulieren und panaschieren“, also je drei Kreuze frei verteilen. Dazu sehen sich die hellgrünen und die hell-blauen Zettel auch noch so verdammt ähnlich, weshalb wohl der ein oder andere Bogen in der falschen Urne gelandet ist. Aus all diesen Gründen rechneten die Wahlhelfer mit einer Zähldauer von vier Stunden.


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