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19.06.2016, 14:10 Uhr KOMMENTAR ZUR BENOTUNG AN DER IGS MELLE

IGS Melle kommt auch ohne Notensystem gut klar

Kommentar von Kirsten Muck

In den Jahrgängen 5 bis 8 bekommen die Schüler der Meller IGS keine Notenzeugnisse. Symbolfoto: Marc Müller/dpaIn den Jahrgängen 5 bis 8 bekommen die Schüler der Meller IGS keine Notenzeugnisse. Symbolfoto: Marc Müller/dpa

Melle. Die IGS in Melle vergibt in den Jahrgängen 5 bis 8 keine Noten. Die Schüler erhalten Lernentwicklungsberichte. Diese Art der Beurteilung funktioniert gut. Warum auch andere Schulen davon lernen können.

Was ist das denn wieder für ein neumodischer Kram, werden jetzt einige Leser denken. Keine Noten mehr? Skandal! Wie kann eine Schule abseits der plattgetretenen Pfade mal was Neues ausprobieren. Und dann noch sowas. Die Erfahrung an der IGS zeigt jedoch, dass detaillierte Beurteilungen den Schülern viel mehr über ihre Stärken und Schwächen sagen als eine einzige Note. Wie soll ein Schüler aus einer Drei in Mathe auch schon erkennen, dass er die Grundlagen im Multiplizieren von Dezimalzahlen nicht verstanden hat? Wie soll er wissen, warum es in Englisch nur für eine Vier reicht, wenn ihm keiner die Schwächen aufzeigt? So etwas geht oft nur in Einzelgesprächen mit Lehrern und Eltern. Und ob die Motivation, eine Vier in eine Drei zu verwandeln so groß ist, wenn Muttern mit erhobenem Zeigefinger vom Sprechtag wiederkommt und sagt „Die Lehrerin hat gesagt...“, bleibt zweifelhaft.

Letztlich gibt auch das System an der IGS eine Einordnung her, nur eben nicht so knallhart wie mit den Noten. Und wie so oft bei Kindern und Jugendlichen, macht ja der Ton die Musik. Die Botschaft kommt oft nur an, wenn sie den richtigen Tonfall trifft. Das gelingt offenbar mit den Lernentwicklungsberichten ganz gut. Vielleicht wäre ein Mittelweg, eine Mischung aus beidem, auf Dauer hilfreich für alle Schüler.


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