Logbuch mit Bildern und Skizzen Meller Künstler geht an Bord eines Rettungsschiffes

Erste Skizzen fertigte Peter Eickmeyer schon im Februar an Bord der „Aquarius“ an, als das Schiff auf dem Weg ins Mittelmeer in Bremerhaven einen Zwischenstopp einlegte. Foto: Lioba MeyerErste Skizzen fertigte Peter Eickmeyer schon im Februar an Bord der „Aquarius“ an, als das Schiff auf dem Weg ins Mittelmeer in Bremerhaven einen Zwischenstopp einlegte. Foto: Lioba Meyer

Melle. Der Meller Künstler Peter Eickmeyer und seine Frau Gaby von Borstel gehen am Wochenende in Sizilien für drei Wochen an Bord des Flüchtlings-Hilfsschiffes „Aquarius“. Dort erstellt Eickmeyer weltweit erstmals ein gezeichnetes Logbuch von der Hilfsaktion. Gaby von Borstel unterstützt konzeptionell und sorgt für tägliche Blog-Einträge.

Die „Aquarius“ ist ein hochseeerprobtes ehemaliges DDR-Fischereischutzboot, das die Organisation „SOS-Mediterranee“ Anfang des Jahres in Rostock gekauft hatte. Dahinter steht die Idee von Gründer Klaus Vogel, eine ehrenamtlich tätige zivile europäische Organisation zur Rettung Schiffbrüchiger im Mittelmeer zu schaffen. Vogel selbst ist Kapitän auf großer Fahrt auf einem deutschen Handelsschiff. „Für Vogel und uns alle steht trotz der hochpolitischen Aspekte aller Hilfsmissionen allein der humanistische Gedanke im Vordergrund“, betonte Eickmeyer.

Von Anfang an dabei

Er und seine Frau hatten sich von Anfang an für die neue Organisation engagiert. So hatten sie unter anderem bereits im November 2015 Vogel während eines Vortrags in Osnabrück kennengelernt. Im Februar diesen Jahres waren sie dann in Bremerhaven für einen Tag an Bord der „Aquarius“, als das 77 Meter lange Schiff von Rostock in das Mittelmeer überführt wurde. Nicht zuletzt deswegen gehören die beiden auch zu den wenigen Gästen an Bord, die eine Fahrt des Schiffs mitmachen dürfen. Die Crew besteht aus elf Mann. Dazu kommen Ärzte und Mitglieder eines Rescue-Teams, sodass rund 25 Helfer an Bord sind. Das Schiff kann bis zu 500 Flüchtlinge aufnehmen.

Im Hafen von Trapani

Aktuell liegt die „Aquarius“ im sizilianischen Hafen Trapani, weil ein Teil der ehrenamtlichen Crew dort ausgewechselt wird. In Trapani gehen auch die beiden Meller am Sonntag an Bord. Danach wird das Schiff auf der Suche nach schiffbrüchigen Flüchtlingen vor der libyschen Küste kreuzen. Flüchtlingen werden gerettet und zunächst an Bord versorgt. Dann werden sie entweder an ein anderes Schiff übergeben oder die „Aquarius“ läuft einen Übergabehafen an. „Das alles geschieht auf Anweisung des Maritime Rescue Coordination Center mit Sitz in Rom“, berichtete Gaby von Borstel. Das MRCC koordiniere nämlich im Auftrag des italienischen Staates die unterschiedlichen Hilfsaktionen im Mittelmeer.

„Keine Kreuzfahrt“

„Klar ist das keine Kreuzfahrt“, erklärte Eickmeyer. Gaby von Borstel hat wegen der möglichen phsychischen Belastung daher auch länger überlegt, ob sie mitfahren soll. „Schließlich kann man sich mental schlecht darauf vorbereiten“, sagte sie. Aber die Chance, praktische Hilfe zu leisten und mit Hilfe des Blogs über die Geschehnisse an Bord, deren Hintergründe und über SOS-Mediterranee berichten zu können, gaben schließlich den Ausschlag.

Wie ein roter Faden sollen sich die Abläufe an Bord durch das künstlerische Logbuch Eickmeyers ziehen. „Das kann die Normalität auf dem Schiff ebenso widerspiegeln wie die Vorgänge vor, während und nach einer Rettung“, erzählte er. Und noch etwas ist ihm und seiner Frau wichtig: „Unser Anspruch ist es, die Ereignisse aus der tagesaktuellen Ebene auf eine kulturpolitische Ebene zu heben, denn Humanismus hat wie kaum eine andere philosophische Strömung eine politische Dimension.“

Graphic Novel geplant

Wenn die beiden in drei Wochen wieder zurück in Neuenkirchen sind, entsteht eine neue Graphic Novel von Eickmeyer als Buch, das im Splitter-Verlag (Bielefeld) erscheinen wird. Der Erlös wird ebenso wie der Verkauf von Original-Skizzen und Aquarellen der Organisation SOS-Mediterranee zu Gute kommen. Außerdem liegen bereits erste Anfragen für Ausstellungen vor.


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