Werte gehen teilweise zurück Landwirte in Melle haben Stickstoff-Problematik erkannt

Immer größer und breiter werden die Gülle-Fahrzeuge, die über großenteils schmale ländliche Straßen und Wege rollen. Foto: Norbert WiegandImmer größer und breiter werden die Gülle-Fahrzeuge, die über großenteils schmale ländliche Straßen und Wege rollen. Foto: Norbert Wiegand

Melle. Die Landwirte aus Melle haben das Problem mit dem Nitrat im Grundwasser erkannt, sagt Gabriele Mörixmann vom Vorstand des Meller Keislandvolkverbandes. Messwerte im Grundwasser würde zeigen, dass man auf dem richtigen Weg sei.

„Wir haben natürlich erkannt, dass Nitrate im Grundwasser ein Problem sind“, erklärt Gabriele Mörixmann vom Vorstand des Meller Kreislandvolkverbandes.

Die Landwirtin weist darauf hin, dass die Bauern bereits mit vielen Maßnahmen der Nitrat-Zunahme entgegenwirken. Dazu gehören Güllekataster, die Ausstellung von Güllelieferscheinen, keine Ausbringung von Gülle von Ende Oktober bis Ende Januar, Ausbringung nur auf Vegetationen, die Gülle auch verwerten können, sowie der Bau moderner Mistplatten und Behälter mit sechs- bis elfmonatiger Lagerkapazität. Sie betont aber auch, dass eine Unterversorgung der Pflanzen zu Mangel und Krankheiten führen würde. Deshalb sei die Düngung nach dem Bedarf der Pflanzen ausgelegt. Da der Zeitraum der erlaubten Gülle-Ausbringung kürzer geworden ist, konzentriere sich diese Arbeit jetzt in bestimmten Zeiten.

Obergrenze in 96 Prozent der Landkreise eingehalten

„Die Messwerte im Grundwasser zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, weist Mörixmann darauf hin, dass der Nitratanteil von 2000 bis 2013 an 267 Grundwasser-Messstellen (von 411) gesunken ist. Auch der neueste niedersächsische Nährstoffbericht entkräfte den Vorwurf der Überdüngung: „Die Obergrenze von 170 Kilo Stickstoff pro Hektar und Jahr wurde in 96 Prozent der Landkreise eingehalten.“ Der niedersächsische Durchschnitt liegt bei 119 kg N/ha.

Gegen den verbreiteten Eindruck, dass eine steigende Zahl von Nutztieren in großen Ställen für eine Zunahme der Güllemengen in der Flächenstadt Melle sorgt, sprechen die Zahlen, die die Landvolk-Geschäftsstelle auf Nachfrage mitgeteilt hat. Im Jahr 2001 wurden laut Heinrich Kinnius 12167 Rinder gezählt, 2010 waren es 10402. Im gleichen Zeitraum gab es bei Schweinen einen moderaten Anstieg von 126607 auf 137723 (aktuellere Zahlen konnten nicht ermittelt werden, das gilt ebenso für Geflügelzahlen insgesamt).

Die Tierzahlen pro Hof sind zwar deutlich gewachsen, die Gesamtzahl bleibt aber durch das gleichzeitige Aufgeben vieler kleiner Höfe auf annähernd gleichem Niveau. 1991 gab es 1074 landwirtschaftliche Betriebe in Melle, 2010 waren es noch 408.

Lesen Sie auch:

Hohe Nitratwerte bis in 100 Meter Tiefe in Melle.


Wie gefährlich ist Nitrat?

„Nitrat selbst ist in den Größenordnungen der Grenzwerte vollkommen ungiftig“, heißt es bei Wikipedia. „Gefahr besteht für Säuglinge und für Menschen mit entarteter Darmflora durch mögliche Bildung von Nitrit. In der Hauptsache aber dienen die Grenzwerte als Indikatorwerte für eine allgemeine Belastung der Trinkwasserquellen mit stickstoffhaltigen organischen Verschmutzungen, die eingedämmt bleiben sollen. 2014 leitete die EU gegen Deutschland ein Vertragsverletzungsverfahren wegen überhöhter Nitratwerte im Grundwasser ein. Ein weiteres Verfahren wird vorbereitet.“

0 Kommentare