Oberholstener Brunnen über Grenzwert Hohe Nitratwerte bis in 100 Meter Tiefe in Melle

Von Norbert Wiegand


Oldendorf. Die Einwohner von Oberholsten versorgen sich durch eigene Hausbrunnen mit Wasser, denn eine öffentliche Versorgung gibt es in dem hoch gelegenen Ort nicht. Das dortige Trinkwasser überschreitet trotz teils 100 Meter tiefer Bohrlöcher die gesetzlichen Grenzwerte um 50 Prozent – dennoch wird es getrunken.

Auf diese Situation wiesen besorgte Anrufer die Redaktion des Meller Kreisblattes hin. Im Oberholstener Wasserschutzgebiet müsse die Ausbringung von Gülle und Gär-Substraten aus Biogasanlagen unverzüglich gestoppt werden. Die Informanten wollen aber anonym bleiben, weil sie sonst Repressalien von Eigentümern stark gedüngter Felder zu fürchten hätten: „Dann kann ich hier nicht mehr leben.“

Weniger dramatisch beurteilt Oldendorfs Ortsbürgermeisterin Karin Kattner-Tschorn (SPD) die Lage und ruft dazu auf, Wege zu einer gemeinsamen Lösungssuche nicht durch übertriebene Anschuldigungen zu verbauen. „Die gesetzlichen Höchstmengen an tierischen Düngern für die Felder werden sicher weitestgehend von den Landwirten eingehalten“, vermutet sie. Verringerte zulässige Güllemengen pro Hektar könnten nicht auf kommunaler Ebene, sondern nur auf Landes- oder Bundesebene beschlossen werden.

Grenzwert mithilfe spezieller Anlage einhalten

„Sicherlich gibt es in Oberholsten Brunnen mit mehr als 75 Milligramm Nitrat pro Liter statt der erlaubten 50 Milligramm“, bestätigt die stellvertretende Ortsbürgermeisterin Anna-Margaretha Stascheit (Grüne). Es gebe aber auch Brunnen mit Werten unterhalb des Grenzwertes. Stascheit wohnt selbst in dem betroffenen Gebiet, ihr Brunnenwasser enthielt bei der letzten Untersuchung 79 Milligramm Nitrat pro Liter Wasser. Diesen Wert kann sie mit einer Nitrat-Verminderungsanlage bis auf 15 Milligramm reduzieren.

Diese spezielle und mit erheblichem Wartungsaufwand verbundene Anlage kostet 5000 Euro. Trotz dieser hohen privaten Investition scheint sich ihr Ärger über die steigenden Nitratwerte erstaunlicherweise in Grenzen zu halten.

Stascheit weist darauf hin, dass es im Landkreis Osnabrück noch einige wesentlich stärker belastete Gegenden gebe. Bei bis zu 90 Milligramm Nitrat pro Liter erteile der Landkreis vorläufige Ausnahmegenehmigungen zum Weiterbetrieb der Brunnen.

Weniger belastetes Wasser wird zugemischt

Die für die gesamte Wasserversorgung in der Stadt Melle besonders wichtigen öffentlichen Oldendorfer Brunnen liegen unterhalb von Oberholsten. Auch dort ist der Nitratanteil stetig angestiegen, liegt mit 40 bis 45 Milligramm pro Liter aber immer noch unterhalb des gesetzlichen Schwellenwertes. Der durchschnittliche Nitratgehalt des Stadtwassers, das aus den Meller Wasserhähnen fließt, liegt bei 30 Milligramm pro Liter, da Wasser aus weniger belasteten Brunnen zugemischt wird. Er variiert aber von Ort zu Ort und Zeitpunkt zu Zeitpunkt.

„Jetzt kommt es darauf an, dass sich die Beteiligten auf städtischer Ebene und auf Landkreisebene bald zusammensetzen, um gemeinsame Lösungen zu erarbeiten“, lautet das Fazit von Anna-Margaretha Stascheit. Dabei sollte auch über die Einbeziehung der Biogas-Gärreste in die Höchstmenge von 170 Kilo Stickstoff pro Hektar diskutiert werden.

Vor dem Hintergrund steigender Nitratwerte in einigen städtischen Brunnen plädiert ebenso Klaus Leimbrock für einen verstärkten kooperativen Grundwasserschutz in Zusammenarbeit mit den Landwirten. Der Leiter des Wasserwerkes weist zugleich darauf hin, dass es in den vergangenen 20 Jahren durch Kooperation mit der Landwirtschaft bereits gelungen ist, bei der Mehrzahl der Förderbrunnen zu abnehmenden oder stagnierenden Nitratwerten zu kommen.

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Was tut der Landkreis?

Bei Überschreitungen des Trinkwassergrenzwertes von 50 Milligramm Nitrat pro Liter werden die Betreiber privater Brunnen vom Gesundheitsdienst des Landkreises Osnabrück angeschrieben und auf die Belastung hingewiesen. Sie werden aufgefordert, beispielsweise für die Nahrungszubereitung von Kleinkindern auf abgepacktes Wasser zurückzugreifen, da Säuglinge und Kleinkinder als potenziell gefährdete Risikogruppe anzusehen sind.

„Für die Allgemeinbevölkerung lässt die Trinkwasserverordnung im Einzelfall Ausnahmen bis zu 130 Milligramm pro Liter zu“, teilte Landkreissprecher Henning Müller-Detert auf Nachfrage des Meller Kreisblattes mit.

„Bei Anlagen zur Eigenversorgung können die Gesundheitsämter in Niedersachsen Ausnahmewerte bis zu 90 Milligramm Nitrat pro Liter Wasser tolerieren. Darüber hinausgehende Ausnahmen bedürfen der Zustimmung des niedersächsischen Landesgesundheitsamt. Hiervon musste der Gesundheitsdienst für Landkreis und Stadt Osnabrück jedoch noch keinen Gebrauch machen.

Bei Vermietungen kann nur eine befristete Ausnahme erteilt werden, die dann mit der Erstellung eines Sanierungsplanes gekoppelt wird. Hierbei kann es sich etwa um die Errichtung eines neuen Trinkwasser-Brunnens mit einer Wasserentnahme aus einem weniger belasteten Grundwasserleiter oder den Einbau einer Nitratreduzierungsanlage handeln, soweit nicht mit vertretbarem Aufwand die Möglichkeit eines Anschlusses an die öffentliche Trinkwasserversorgung besteht.“