Volkstümlich und gefühlvoll Madrigalchor Melle gibt Brahms-Konzert

Von pm

Zu einem Brahms-Konzert hatte der Mdrigalchor in die Alte Stadthalle eingeladen. Volkstümliche Lieder und großartige Vertonungen bildeten den Hauptteil. Foto: MadrigalchorZu einem Brahms-Konzert hatte der Mdrigalchor in die Alte Stadthalle eingeladen. Volkstümliche Lieder und großartige Vertonungen bildeten den Hauptteil. Foto: Madrigalchor

Melle. Der Meller Madrigalchor gab jetzt mit einem Brahms-Konzert in der Alten Stadthalle einen Einblick in das reichhaltige Schaffen dieses großen Komponisten.

Dazu stützte er sich gerade nicht auf dessen populäre Sammlungen der Ziegeunerlieder oder Liebeslieder. Volkstümliche Lieder und großartige Vertonungen bildeten den Hauptteil des Programms.

Den Beginn machten zwei schlichte, aber gefühlvolle Chorstücke, „Erlaube mir, feins Mädchen, in den Garten zu gehn“ und „Waldesnacht, du wundersüße“. Darin klang schon etwas an von dem, was den ganzen Abend prägen sollte, Brahms‘ Vorliebe für alles Verhaltene und Sanfte und seine besondere Neigung zu Abend und Nacht. Mit zwei ergreifenden Kompositionen ging es weiter, dem Abschiedslied „Ich fahr dahin“ und und dem klagenden „In stiller Nacht“. Hier konnte der Chor sich einfühlsam vom stillen Piano bis zum schmerzvollen Fortissimo steigern und seine Fähigkeit zur feinen Nuancierung unter Beweis stellen.

Sarah Weller sang „Meine Liebe ist grün wie der Fliederbusch“. Dem Text, der so fröhlich daherkommt, hat Brahms durch seine Vertonung eine Ahnung von Liebesschmerz und Liebesleid hinzugefügt, das wurde in Sarah Wellers Vortrag nur allzu deutlich. Sie wurde souverän begleitet von Nicolai Strauch, der im Anschluss daran den ersten Satz aus Brahms‘ Klaviersonate op. 1. zu Gehör brachte. Brahms veröffentlichte dieses Werk mit zwanzig Jahren, es stellt hohe Anforderungen an den Pianisten, und Nicolai Strauch hat diese mit Bravour gemeistert.

„Sieben deutsche Volkslieder für Vorsänger, Chor und Klavier“ beschlossen den ersten Teil des Abends. Sie erzählen jedes für sich eine ganze Geschichte mit Bericht und Beschreibung, mit Rede und Gegenrede. Zu Sarah Weller traten als weitere Solisten Miriam Breuer, Daniel Hagen und Hendrik Sbach. Sie verliehen den handelnden Personen ihre Stimme und damit eine musikalische Persönlichkeit, als Mädchen oder Königin, als Markgraf oder Zimmergesell, als Ritter oder Räuber, als falsche Magd oder Gottesmutter.

Das letzte dieser Lieder, „Verstohlen geht der Mond auf“, beherrscht als Thema den zweiten Satz der Klaviersonate op. 1, mit dem Nicolai Strauch nach der Pause den Abend fortsetzte. Brahms selbst hat auf diese Weise seinem Schaffen einen Rahmen gesetzt, ihm deutlich einen Anfang und ein Ende gegeben.

Mit „Senke, strahlender Gott“ tauchte der Chor ein in die griechische Mythologie. Dem antiken Versmaß der Schillerschen Vorlage entsprechend wählte Brahms hier einen feierlichen Ton, den Sonnengott Phöbus Apollo nach seinem Tagwerk bei seiner Geliebten, der Meeresgöttin Thetys, ausruhen zu lassen. Im Wechselgesang der Chorstimmen verklang der Tag und ergab sich der ruhigen Nacht.

Noch einmal ließ Sarah Weller Brahms‘ Sehnsucht und Verlorenheit spüren. Das Heimweh nach der Kinderzeit kam im Liede „Oh wüsst ich doch den Weg zurück“ zum Ausdruck. Auch „Wir wandelten, wir zwei zusammen“ handelt vom vergangenen Glück. Sarah Weller gelang es mit ihrer schmelzenden Stimme, Erinnerung, Traum und Entsagung zum Klingen zu bringen.

Mit drei Chorsätzen, die Brahms ursprünglich für Soloquartett komponiert hatte, kam das Konzert zu einem besinnlichen Abschluss. „Oh schöne Nacht“ preist die Nacht als Zeit stiller, sanfter Liebe; „Der graue Nebel tropft so still“ stellt uns den Herbst als Sinnbild der Vergänglichkeit vor Augen; mit „Friedlich bekämpfen Nacht sich und Tag“ hat Hebbel das unwirkliche Gefühl zwischen Schlafen und Wachen, zwischen Tag und Traum eingefangen und damit Brahms wohl aus der Seele gesprochen.

Der Meller Madrigalchor konnte Brahms‘ spätromantische Kompositionen ihren gebührenden Klang mitgeben. Sanfte Übergänge und abrupte Kontraste verlangten große Flexibilität. Chorleiter Urs Borer hat den Chor durch dieses schwierige Gelände geführt und ihm die erforderliche Sicherheit gegeben. Großen Anteil am Gelingen des Abends hatte Nicolai Strauch mit seiner einfühlsamen Klavierbegleitung.

Wenn es um Brahms geht, darf sein Wiegenlied „Guten Abend, gute Nacht, mit Rosen bedacht“ nicht fehlen. Der Chor ließ mit diesem Lied als Zugabe den Konzertabend ausklingen. Das Publikum dankte mit anhaltendem Beifall.


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