Grabstein von Rolf Wandhoff auf den historischen Friedhof in Melle umgesetzt Erinnerung an einen geschätzten Verwaltungsexperten


Melle. Der historische Friedhof im Umfeld der Friedhofskapelle in Melle-Mitte ist um eine Gedenkstätte erweitert worden. Vor wenigen Tagen wurde dort der Grabstein des früheren Meller Oberkreisdirektors Rolf Wandhoff aufgestellt.

„Wir sind dankbar dafür, dass der Grabstein unserer Eltern vom eigentlichen Grab auf den sogenannten Ehrenhain umgesetzt werden konnte,“ betont Rolf-Erich Wandhoff, Sohn des geachteten und geschätzten Verwaltungsfachmanns nach Abschluss der Aktion: „Es ist höchst erfreulich, dass die Familie Wandhoff in die Reihe der historischen Grabdenkmäler aufgenommen wurde,“ erklärte er, verbunden mit einem Dank an Uwe Plaß und Jürgen Krämer vom Vorstand des Heimatvereins Melle. Der Heimatverein hatte das Vorhaben bereits im vergangenen Jahr befürwortet und seither positiv begleitet.

Schon seit vielen Jahren bemüht sich der Heimatverein um den Erhalt von kulturhistorisch bedeutsamen Grabmalen. Um sie auch zukünftigen Generationen zu erhalten, wurde im Umfeld der Friedhofskapelle ein historischer Friedhof geschaffen. Hier haben inzwischen rund 20 dieser mehr oder mindergroßen Monumente einen Platz gefunden. Es sei ein wahrer Kraftakt gewesen, den 500 Kilogramm schweren Findling an seine neue Position zu bringen, äußerte sich Jürgen Krämer.

„Wir sind dem Heimatverein sehr dankbar, dass er es ermöglicht hat, die Reihe mit dem Grabstein unserer Eltern zu füllen. Es ist eine geradezu wunderbare Geschichte,“ führte Rolf-Erich Wandhoff bei einem Ortstermin aus. Dazu war auch Krimhild Rieck erschienen, die als Sekretärin des früheren Oberkreisdirektors tätig war: „Er war ein einmaliger Chef,“ würdigte seine ehemalige Mitarbeiterin. In der Zeit von 1958 bis 1968 führte Wandhoff das Amt des Oberkreisdirektors im damaligen Kreis Melle. Nach weiteren beruflichen Stationen als Oberkreisdirektor in Gifhorn und als Regierungspräsident von Lüneburg und Stade verbrachte er seinen Lebensabend mit seiner Ehefrau Lore in Melle.

Rolf Wandhoff wurde am 15. September 1917 in Osnabrück geboren. Er wuchs in Freiberg auf, wo sein Vater Erich als Professor an der Bergakademie tätig war. Direkt nach dem Abitur folgten zunächst Arbeits- und dann Wehrdienst. Am Zweiten Weltkrieg nahm er von Anfang bis zum Ende teil. Im Anschluss an die Kriegsgefangenschaft absolvierte er das Studium der Rechtswissenschaften in Göttingen und Bonn. Nach kurzer Tätigkeit als Richter wechselte er 1951 ins niedersächsische Innenministerium nach Hannover.

1953 übernahm er neue Aufgaben in der Kommunalaufsicht der Bezirksregierung Osnabrück und übernahm die zwischenzeitliche Leitung des verwaisten Rechtsamtes und Amts für Kommunalaufsicht des Landkreises Grafschaft Hoya. 1955 wurde er in die Staatskanzlei als Referent des damaligen Ministerpräsidenten Heinrich Hellwege für Verwaltungsreform, Kommunalrecht und Rundfunkfragen versetzt. Daneben war er Unterrichtsleiter für Kommunalrecht an den Verwaltungsakademien Bad Nenndorf und Osnabrück der Inspektoren-Anwärter.

1958 bewarb sich Wandhoff mit Erfolg als Oberkreisdirektor des Landkreises Melle. Damit erfüllte sich sein jugendlicher Wunsch, einmal „preußischer Landrat“ zu werden.

Als Mitglied der sogenannten „Weberkommission“, Sprecher seiner Kollegen in Niedersachsen und in anderen Funktionen, wirkte er weit über die Kreisgrenzen hinaus.

1968 wurde Rolf Wandhoff zum Oberkreisdirektor des Landkreises Gifhorn gewählt, nicht nur als Zonenrandgebiet mit besonderen Problemen beaufschlagt, sondern zugleich auch Deutschlands flächengrößter Kreis. In seine Amtszeit fiel die Waldbrandkatastrophe 1975, bei der er in seiner Funktion oberster Katastrophen-Verantwortlicher seines Kreises war.

In der hochemotionalen Diskussion um die zukünftige Gestaltung des bisherigen Kreises Melle wurde Rolf Wandhoff als Gifhorner Verwaltungschef im November 1971 nach Melle eingeladen, wo er sich in einem öffentlichen, leidenschaftlichen Plädoyer nachdrücklich für die Schaffung der heutigen „Einheitsgemeinde“ Stadt Melle einsetzte. Bis dahin hatte der kommunale Raum sich mehrheitlich für eine kleinteilige „Fünferlösung“ bei der kommunalen Neubildung des bisherigen Landkreises Melle eingesetzt gehabt. Nicht zuletzt dank seines eindringlichen Appells wurde die Gesetzesvorlage wenige Tage vor Einbringung in den Landtag geändert.

Unter Ministerpräsident Albrecht wurde Rolf Wandhoff 1976 zum Regierungspräsidenten von Lüneburg und Stade berufen. Durch die Zusammenlegung der bisherigen Regierungsbezirke Lüneburg mit Stade war Rolf Wandhoff Regierungspräsident von zunächst zwei niedersächsischen Bezirksregierungen.

In seine Amtszeit fielen die heftigen Auseinandersetzungen um das Atom-Endlager Gorleben, Naturkatastrophen wie verheerende Waldbrände, Hochwasser oder der Durchbruch des Elbe-Seitenkanals sowie große Strukturprobleme des „Zonen-Randgebietes“ und Umweltkonflikte am Rande der industriellen Ballungsräume um Hamburg, Bremen und Hannover.

Seine Lebensjahre nach der Pensionierung verbrachte er wieder in Melle. Für seine vielfältigen kommunalen Verdienste und Aktivitäten im Feuerwehrwesen und DRK erhielt Rolf Wandhoff jeweils höchste Auszeichnungen , darunter das Große Bundesverdienstkreuz sowie das Große Niedersächsische Verdienstkreuz. Seine Leidenschaft gehörte ferner der heimatkundlichen Erforschung des Grönegaus, dessen Resultate er in eindrucksvollen öffentlichen Vorträgen darbot.

Rolf Wandhoff starb am 4. November 1995 mit 78 Jahren und ist in Melle mit seiner Ehefrau Lore, mit der er 52 Jahre verheiratet war und drei Kinder hatte, begraben.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN