Höfische Klänge mit Augenzwinkern Melle: Schmunzeln beim Barockkonzert auf Gut Bruche

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Melle. „Musik für Könige“, in historischem Ambiente stilvoll in Szene gesetzt, eröffnete am Mittwoch den „Meller Sommer“. Auf Gut Bruche zeichnete das Ensemble Musica Alta Ripa gemeinsam mit dem Hofnarren Bulipp ein überraschend heiteres Bild der Barockzeit.

Puderperücken, ein steifes Zeremoniell und staatsmännischer Ernst prägen zumeist das Bild der adeligen Höfe. Dabei hatte die Barockzeit durchaus auch eine fröhliche, gesellige Seite. Und die zeigte sich in der Scheune der Vorburg der – gleichfalls barocken – Gutsanlage bereits in den ersten Minuten. Denn der Hofnarr, alias Philip Johnson, ließ bitten. Wortlos, dafür aber mit pantomimisch-großer Gestik führte er ein Ensemble ein, das bereits mehrfach auf Gut Bruche begeisterte.

Historische Instrumente

Für die „Musik der Könige“ erweiterte Alta Ripa seine Kernbesetzung aus Blockflöte, Violinen, Cello und Cembalo um zwei Trompeten, Viola und Schlagzeug. Den Musikfreunden boten die neun Musiker zum Auftakt der „Kunst und Kultur auf dem Lande“ eine niveauvolle und dabei rundum stimmige Inszenierung dar: Historische Instrumente holten das Klangbild des Barock in die liebevoll dekorierte Scheune. Eher poetisch-dezent als mit vordergründigem Klamauk trieb der Hofnarr dazu seine Späße mit Musikern und Publikum.

Mit einem Augenzwinkern ließ sich das Ensemble auf seine humorvoll-verzweifelten Versuche ein, sich zum Dirigenten aufzuschwingen. Spielerisch, heiter und mit spürbarem Spaß an der Musik setzten sie auch die ausgewählten Werke in Szene, die so schon am englischen Königshof erklungen sein mochten. Allerdings schrieb Georg Friedrich Händel seine „Wassermusik“, aus deren zweiter Suite zwei Tänze am Beginn des Programms standen, eigentlich für eine Aufführung mit großem Orchester unter freiem Himmel.

Ausgelassen und farbenfroh wie das Maskenspiel selbst präsentierten sich von einem markanten Trompetenfanal eingeleitet die kleinen Sätze aus Henry Purcells „The Fairy Queen“. Zu einem virtuosen und bisweilen energiegeladenen Dialog der beiden Soloviolinen über dem Basso Continuo von Cembalo und Cello avancierte dagegen William Boyces viersätzige Sonata c-Moll.

Prunkvolle Trompetenklänge

Als Soloinstrument von bemerkenswerter Leichtigkeit empfahl sich die Blockflöte in William Babells Concerto C-Dur. Mit heiterer Virtuosität und sichtlichem Vergnügen trat Flötistin Danya Segal dabei in den instrumentalen Wettstreit mit den Violinen ein. Einen besonderen klanglichen Akzent setzte auch Bernward Lohr, der mit einer Komposition Babells für Cembalo das Instrument aus seiner begleitenden Rolle in den Mittelpunkt rückte.

Prunkvolle Trompetenklänge zum Geburtstag von Queen Ann und lebhafte, prägnant vorwärtsdrängende Tänze von Benjamin Britten: Das Ensemble Musica Alta Ripa zeichnete auf Einladung der Gastgeber Stephanie und Ludwig von Bar und des Kulturamtes der Stadt auf höchstem musikalischem Niveau ein bemerkenswert vielgestaltiges Bild der „Musik für Könige“.

Das Finale kam nach gut zwei Stunden höfisch-festlich mit dem strahlenden Klang von Händels Feuerwerksmusik. Und die machte dank Hofnarr Bulipp und seinem Riesen-Tischfeuerwerk ihrem Namen auch optisch alle Ehre.


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