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Am 21. Mai in Melle Sebastian Puffpaff über das Leben und die Müllabfuhr

Von Michael Hengehold

Irgendwas mit Witzen: Sebastian Puffpaff gastiert am 21. Mai in Melle. Foto: Manuel BerningerIrgendwas mit Witzen: Sebastian Puffpaff gastiert am 21. Mai in Melle. Foto: Manuel Berninger

Melle. Am Samstag, 21. Mai, 20 Uhr, gastiert Sebastian Puffpaff mit „Auf Anfang“ im Festsaal am Schürenkamp. Wir sprachen mit ihm über hanseatische Schwarzpulverhändler, die Kunst des Scheitelns, den Sinn des Lebens und die Müllabfuhr.

Herr Puffpaff, Können Sie mit einem Interview leben, in dem wir nicht über Ihren Namen reden?

Damit kann ich sehr gut leben und wenn Sie es tatsächlich durchziehen, dann gehören Sie unter die Top 3. Aber ich bin Ihnen auch nicht böse, wenn Sie fragen.

Dann tue ich es doch, weil ich bei Wikipedia gelesen habe, und das fand ich interessant, dass der auf hanseatische Schwarzpulverhändler zurückgehen soll…

Es gibt tatsächlich zwei Namensforscher, die sich mit dem Namen extrem auseinandergesetzt haben. Die eine Erklärung war Schwarzpulverhändler, da wurde lautmalerisch Puffen und Paffen daraus. Irgendwann entstand dann die Familie Puffpaff. Im letzten Jahr hat dann ein Radiosender noch mal einen Namensforscher drangesetzt. Der ging davon aus, dass es wohl mal einen Kanonier gab, der aufgrund einer extremen Kompetenz oder Inkompetenz von sich hat reden machen lassen und dann hat man ihm den Spitznamen gegeben: Ah, da steht der Puffpaff an der Kanone.

Lassen Sie uns mal über Ihren Mörderscheitel reden. Gottesgeschenk oder Ergebnis sorgfältiger Frisierkunst Ihrerseits?

Ein Gelgeschenk. Es ist tatsächlich so, dass dieser Scheitel mit einer Handvoll Gel und einem scharfen Kamm entsteht. Eigentlich ist er eine Reminiszenz an Dean Martin und Jerry Lewis, die Urgesteine der Comedy. Es ist keine politische Gesinnung, es ist eigentlich dem Stil der 50-er-/60-er-Jahre geschuldet.

Den Sie auch privat pflegen?

Privat sehe ich extrem verwuschelt aus. Das ist auch der Vorteil dieser Frisur. Ich werde auf der Straße nicht erkannt. Wenn der schwarze Anzug abgelegt ist und die Frisur eine normale, bin ich einfach ein weiterer Bürger auf der Straße.

Also privat ungescheitelt und der schwarze Anzug - reine Arbeitskleidung?

Der ist mein Kostüm. Steve Martin hat mal einen schönen Satz gesagt: Als Bühnenkünstler sollte man immer besser angezogen sein als sein Publikum. Der Anzug ist mein Respekt dem Publikum gegenüber und auf der anderen Seite neutrale Projektionsfläche, weil er noch nichts über die Person verrät. Ich kann alles sein vom Handyverkäufer bis hin zum Bestatter. Ich wollte nicht mit einem T-Shirt, wo meine Website draufsteht, auf die Bühne gehen. Das fand ich irgendwie doof.

Sagten Sie Steve Martin oder Dean Martin?

Steve Martin. Ich meine, Dean Martin hat natürlich auch den Anzug für sich entdeckt und das hat dann irgendwann alles dazu geführt, dass ich dieses Attribut „George Clooney des Kabaretts“ bekommen habe. Also der Seitenscheitel, die grauen Haare und der Anzug….

… und das blendende Aussehen natürlich.

Herzlichen Dank. Es gibt wirklich Schlimmere, mit denen man verglichen werden kann. Wahrscheinlich werde ich in zehn Jahren der Sky du Mont des Kabaretts sein und in 30 Jahren der Jopie Heesters.

Vielleicht springt ja auch noch eine Nespresso-Werbung dabei raus?

Wobei, das ist ja Teufelszeug, die Alukapseln. Also, wenn man da draußen mit einem grünen Fingerabdruck durch die Gegend wandeln möchte, sollte man keine
Nespresso-Maschine haben.

Achten Sie auf so etwas?

Wir hatten eine Nespresso-Maschine. Dann gab es diesen zwölfseitigen Zeitungsartikel über diese Aluminiumdinger. Ich war vorher ignorant genug, dass ich das nicht an mich rankommen lassen habe, aber nach dem Artikel habe ich die Maschine weggetan. Ja, ich achte darauf.

Respekt.

Ich mache mir auch Gedanken darüber, lohnt es sich, jetzt ein Elektroauto zu kaufen oder aber doch den Niedrigverbrenner Diesel. Wir achten darauf, saisonales Gemüse zu kaufen. Nicht sklavisch, nicht militant, aber doch gewissenhaft. Ich habe nicht die Wahrheit mit Löffeln gefressen und bin nicht der Vorzeigegutmensch, aber in meinem Rahmen versuche ich doch schon darauf zu achten oder wir auch als Familie.

Sie betonen angelegentlich, dass Sie gerne Polizist gewesen wären. Was reizte Sie an diesem Beruf?

Es war nicht nur Polizist, damals wollte ich auch unbedingt zur Müllabfuhr. Es waren die technischen Sachen, die mich so gereizt haben. Bei der Müllabfuhr fand ich es einfach toll, dass die hinten auf diesem Trittbrett stehen durften. Immer, wenn die Müllabfuhr kam, bin ich als Kind raus gerannt und dachte: nur einmal auf diesem Trittbrett stehen, einmal. Bei der Polizei waren es die Walkie-Talkies und diese Autos.

Wenn die Müllwagenfahrer Sie schon so begeistert haben, was haben dann so Kirmestypen bei Ihnen ausgelöst, die hinten auf den Autoscooter drauf gesprungen sind?

Fand ich auch irre. Ich muss sagen, ich bin den beweglichen Vehikeln durchaus zugetan. Ich bin immer noch ein Lego-Technik-Freak und habe ferngesteuerte Autos. Das ist das Kind, was ich wirklich auch intensiv pflege, das in mir weiter wohnt.

Worum geht es Ihnen in Ihren Programmen?

Ich bin ein Unterhalter, der Amerikaner würde sagen: Entertainer. Und wenn dann hintenrum noch eine kleine Sache verändert wird, wenn ich so einen Gedanken mit anstoßen darf, dann ist das für mich ein rundum perfekter Abend.

Also: Auf der einen Seite den Lacher generieren und auf der anderen Seite vielleicht auch das menschliche Zusammenleben ein bisschen fröhlicher und heller zu gestalten so als Gegenstück zu der Hysterie, die da draußen im Moment gepflegt wird.

Wir lassen uns im Moment von jeder Nachricht aufregen, alles ist das Schlimmste auf der ganzen Welt. Ich sag dann immer: runterkommen, überlegen. Wie kann ich die 80 Jahre, die uns auf dieser Erde vergönnt sind, mit dem füllen, auf das ich eigentlich Lust habe?

Damit haben Sie möglicherweise schon meine nächste Frage beantwortet. Worum geht es Ihnen im Leben?

Wirklich ein intensives Leben zu leben. Lebensqualität hat nichts mit Länge zu tun. Ob man 80 Jahre gelebt hat oder 40 – das heißt nicht, dass das eine Leben besser ist als das andere.

Wenn wir auf die Welt kommen, fangen wir auf einer kleinen Untertasse an zu leben und dann müssen wir da ganz schnell einen sehr großen Teller draus machen und immer noch versuchen, über den Tellerrand zu blicken.

Gerade jetzt in Zeiten von Erdogan oder Putin müssen wir immer wieder versuchen, uns in das jeweilige Land hineinzuversetzen. Wir sind nicht alle gleich, lasst uns die Unterschiedlichkeiten akzeptieren und sehen, was führt zu der einen oder anderen Aussage, was ist Sinn und Zweck dahinter? Zweifel ist in meinen Augen die Intelligenz des 21. Jahrhunderts und dass heißt: Fragen stellen. Wir sollten auf die Welt kommen und Fragen stellen. Das ist für mich der Sinn des Lebens.

War das nicht gerade aus Ihrem alten Programm?

Eigentlich nicht, das ist die Philosophie, die sich wahrscheinlich durch alle meine Programme zieht.

Sie haben eine Tochter und einen Jungen. Findet Ihre Familie Sie witzig oder läuft das nach dem Motto „Boah, Papa….“?

Meine Tochter ist vier, mein Sohn eins. Das Wort Papa kriegt er noch nicht mal raus. Vor einem Monat wurde im Kindergarten meiner Tochter gefragt, was die Väter beruflich machen. Meine Tochter hat gesagt: Mein Papa macht Quatsch. Der Papa eines anderen Mädchens ist Banker und da sagt die Tochter: Der Papa macht Mist.

„Boah Papa“ höre ich gar nicht. Ziel ist es eigentlich, zu versuchen, meine Frau einmal am Tag zum Lachen zu bringen.

Aber Ihnen ist schon klar, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit noch eine „Boah-Papa-Phase“ folgen wird?

Mit Sicherheit wird die Boah-Papa-Phase – du bist so peinlich und so was – kommen. Ich habe da aber eine gepflegte Ignoranz. Das lasse ich so lange von mir abprallen, bis ich irgendwann morgens aufwache und diesen Satz tatsächlich aus dem Mund entweder meiner Tochter oder meines Sohnes gehört habe.

Kann es sein, dass Begriffe wie „Schlauberger“ oder „neunmalklug“ Sie schon ein ganzes Leben lang begleiten?

Nein. Das tatsächlich nicht. Den Klassenclown begleiten solche Begriffe nicht. Im Gegenteil. Ich habe in der Neunten mal ein Zeugnis bekommen von meinem Biologielehrer, da stand ein Kommentar: „Mensch, Sebastian, du warst so ein guter Schüler bis zu dem Zeitpunkt, an dem du dachtest, es sei wichtiger Lacher zu generieren als gute Mitarbeit zu produzieren“.

Das hat er Ihnen schriftlich gegeben?

Das Zeugnis habe ich noch. Biologie hat mich total interessiert. Da stand ich 1. Aber irgendwann gibt es ja diese Phase, da verliert man den Respekt vor diesem System Schule. Ich war immer noch an Biologie interessiert, habe aber auch gerne einen Lacher produziert. Das ist meistens nicht zuträglich für die Mitarbeit. Außerdem bin ich dann auf „befriedigend“ runtergerutscht. Das ist gesundes Mittelmaß. Da eckt man nicht an.

Haben die Leute Ihnen denn früher gesagt „So wie du redest, musst du entweder zum Radio oder Pastor werden“?

Es war schon so „Mensch, der Pufpaff, der labert wieder“. Das habe ich gerne gehört. In meiner Abi-Zeitung steht tatsächlich, ich will mal irgendwas mit Witzen machen, das war mein Berufswunsch.


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