„Das kann Wochen dauern“ Melle diskutiert Integration von Flüchtlingen

Von Marita Kammeier

Überraschungspäckchen verteilten Ludwig Woll und Frank Finkmann an die Vortragenden Elke Graf, Edda Kröger und Susanne Steinger beim Treffen des Arbeitskreises Schule und Wirtschaft. Fotos: Marita KammeierÜberraschungspäckchen verteilten Ludwig Woll und Frank Finkmann an die Vortragenden Elke Graf, Edda Kröger und Susanne Steinger beim Treffen des Arbeitskreises Schule und Wirtschaft. Fotos: Marita Kammeier

Wann können Flüchtlinge eine Ausbildung beginnen? Es wird länger dauern, als erwartet, das haben die Mitglieder des Arbeitskreises Schule und Wirtschaft in Fachvorträgen und Diskussionen erkannt.

Melle. Zum Jahresthema „Investieren, Mitarbeiter gewinnen, Standort sichern – unter Berücksichtigung der Flüchtlingsfrage“ hatte der Vorsitzende Ludwig Woll in die Räume der Kreissparkasse eingeladen. Susanne Steininger von der Maßarbeit des Landkreises Osnabrück skizzierte den schwierigen Weg der Familien von der Ankunft in Bramsche bis zur Anerkennung als Flüchtling. „Das kann Wochen dauern“, meinte die Sozialpädagogin und ergänzte: „Das Schlimme ist, wenn die Menschen nichts zu tun haben.“

Es sei ein kompliziertes Gemengelage von Zuständigkeiten, Ämtern und Behörden. „Wir brauchen eine neutrale Stelle für alle“, forderte die Vortragende. In Melle sei die Situation jedoch noch entspannt, denn die Erfüllungsquote durch die Zuweisung vom Bundesamt betrage erst 28 Prozent.

„Einige sprinten voraus“

Anschließend berichtete Edda Kröger von ihrem Alltag in der BBS (Berufsbildende Schulen) mit drei Sprachklassen. Dort werden seit Januar 50 Flüchtlinge, darunter vier Mädchen, aus Afghanistan, Syrien, Irak, Somalia und weiteren Ländern unterrichtet. Neben Deutsch werden im Rahmen des Sprint-Programms auch Mathe, Einführung in die Kultur und Arbeitswelt vermittelt.

Das Niveau der Schüler im Alter von 16 bis 21 Jahren sei sehr unterschiedlich vom Abitur bis zu Analphabeten. „Ein Drittel spricht Englisch, die lernen auch schnell Deutsch“, informierte die Sozialpädagogin. „Einige sprinten voraus, während andere noch das Alphabet lernen müssen.“

Ein weiteres Problem sieht die Lehrerin in den schlechten Mathekenntnissen und fehlenden Kontakten, sowohl mit deutschen Jugendlichen als auch mit Unternehmen.

„Es ist wichtig, sich Zeit zu nehmen für jeden Einzelnen“, empfahl Edda Kröger.

„Viele lassen sich für das Handwerk begeistern, doch in diesem Sommer schafft es noch keiner in die Ausbildung“, meinte Berufsberaterin Elke Graf. Ab dem vierten Monat des Aufenthalts dürfen Flüchtlinge mit Zustimmung der Ausländerbehörde eine Ausbildung beginnen.

Firmenchef Werner Koring wäre bereit, einen Versuch zu starten: „Sprache ist wichtig, Mathe auch. Alles andere schaffen wir“ erklärte der Obermeister der Elektro-Innung.