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Im Lauf der Zeit Historischer Bildervergleich in Melle: heute die Mühlenstraße

Von Michael Woll

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Melle. Wenn Sie diese Serie in den vergangenen Wochen verfolgt haben, haben Sie schon einige Aufnahmen von der Meller Innenstadt vor etwa hundert Jahren gesehen. Auch heute reisen wir in diese Zeit. Die historische Ansichtskarte, die die Mühlenstraße zeigt, trägt den Poststempel vom 28. Januar 1914.

Aufgenommen wurde das Bild aber natürlich in einem der vorangegangenen Jahre im Sommer, wie an den dicht belaubten Bäumen und den Blumen auf der Veranda des Gebäudes links im Vordergrund unschwer zu erkennen ist. Es handelt sich dabei um das 1908 von Heinrich und Lisette Vahle erbaute „Kaiser-Café“ – der Schriftzug ist am oberen Bildrand gerade noch zu erahnen.

Während wir unten das Lokal mit dem Außenbereich sehen, über den wegen des strahlenden Sonnenscheins eine Markise gespannt ist, befand sich oben in dem Haus ein Hotelbetrieb, der den Namen „Kaiserhof“ trug. Passend zu dieser Benennung hing in der Gaststube ein großes Porträt des Kaisers Wilhelm II.

Als das alte Foto aufgenommen wurde, stand das Ende des Kaiserreichs allerdings unmittelbar bevor. Vier Jahre nach dem Ersten Weltkrieg änderte sich dann auch der Name des Gasthauses, 1922 wurde aus dem „Kaiser-Café“ der „Meller Hof“.

Im Zweiten Weltkrieg diente der Saal des Hauses eine Zeit lang als Lazarett. Der Hotelbetrieb wurde aber wieder aufgenommen.

Zwischen 1958 und 1987 waren die angrenzenden Kuranlagen namensgebend für das „Kurhotel Grönenberger Hof“.

Anschließend wurde es noch einige Jahre unter den Namen „Atlantis“ (Hotel) und „Kurtränke“ (Gaststätte) weitergeführt, ehe das Gebäude aus der Zeit der Jahrhundertwende im Jahr 1996 abgerissen wurde.

Bei dem Haus rechts daneben handelt es sich um das Wohnhaus Aldekamp, wie mir Liselotte Wecken erzählt hat, die in der Mühlenstraße wohnt und hier auch schon ihre Kindheit verbracht hat, wenige Jahre nach der Aufnahme des historischen Fotos.

Auch an das dritte Haus, das wir auf dem Foto sehen, erinnert sie sich: Es handelt sich um Eisenwarenladen und Holzhandlung von Heinrich Lause.

Weniger gut zu erkennen ist auf der rechten Seite ein Gebäude, über das hier auch schon einmal ausführlicher berichtet wurde. Wenn Sie sich sehr konzentrieren, finden Sie rechts zwischen den Ästen des Baumes den Giebel der Hardachschen Mühle, zu der auch der kleine Vorbau an der Straße gehört. Die Kutsche bringt aber gerade kein Getreide zum Mahlen, sondern wohl eher Reisende vom Bahnhof.


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