Bei Freundin von Anne Frank Experten: Wikipedia irrt sich im Geburtsort Melle

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Die Geburtsurkunde von Auguste Röttgen hält Dietmar Preuß als Kopie in den Händen. Foto: Christoph FrankenDie Geburtsurkunde von Auguste Röttgen hält Dietmar Preuß als Kopie in den Händen. Foto: Christoph Franken

Melle. Da irren Wikipedia ,zahlreiche weitere Texte im Internet, Heimatforscher in Buer und im Gefolge auch das Meller Kreisblatt : Die Freundin von Anne Frank, Auguste van Pels, geborene Röttgen, stammt nicht aus Buer bei Melle, sondern aus Buer bei Gelsenkirchen. Das fand jetzt Dietmar Preuß aus Melle-Buer heraus und er kann die Gründlichkeit seiner Recherche sogar mit einer Geburtsurkunde des Standesamtes Gelsenkirchen-Buer unterstreichen.

Aktuell von Interesse ist der richtige Geburtsort, weil zurzeit bundesweit die von Hans Steinbichler inszenierte Literaturverfilmung „Das Tagebuch der Anne Frank“ läuft. Darin spielt auch die Jüdin Auguste van Pels eine Rolle. Sie konnte sich mit Mann und Sohn ebenso wie die Familie Frank 1942 zwei Jahre lang in einem Amsterdamer Hinterhaus vor den Nazi-Schergen verstecken. Bis auf den Vater Otto Frank kamen nach dem Verrat des Verstecks alle Untergetauchten in Konzentrationslagern um.

Otto Frank war es denn auch, der 1947 die Tagebücher seiner Tochter Anne über die Zeit im Amsterdamer Versteck veröffentlichen ließ. Die Aufzeichnungen wurden in wenigen Jahren zum meistverkauften Taschenbuch und meistaufgeführten Bühnenstück in Deutschland. Die Tagebücher wurden in 70 Sprachen übersetzt, avancierten zur Weltliteratur und gehören zum Weltdokumentenerbe der Unesco.

Ungereimtheiten

Während Frank Schlattmann in Melle-Buer das Schicksal von Auguste van Pels in ihrem vermeintlichen Geburtsort nicht in Vergessenheit geraten lassen wollte und akribisch zusammenstellte, war er insbesondere auch im Internet über sie fand, wundert sich Dietmar Preuß schon seit längerem über einige Ungereimtheiten. Der pensioniert Lehrer beschäftigt sich seit 20 Jahren mit jüdischen Familien, die früher in Buer gewohnt haben und von denen einige auf dem jüdischen Friedhof in dem Meller Stadtteil beerdigt sind.Auguste Röttgen, die 1925 Hermann van Pels aus Gehrde bei Bersenbrück heiratete, taucht in dem Buch von Peter Jung „Stationen auf dem Weg nach Auschwitz“ auf. „Da stand aber nur „geboren in Buer“ berichtet Preuß. Sein Interesse war geweckt, zumal eine Familie Röttgen in Buer nicht bekannt war. Der Osnabrücker Autor Peter Jung aber habe ihm gegenüber im Gespräch bestätigt, dass Auguste van Pels aus Buer bei Melle stamme. „Das sei klar“, habe Jung gesagt. Preuß aber fand dafür in seinem Heimatort Buer keine Bestätigung. Auch das Standesamt Melle konnte nicht direkt weiterhelfen. „Von der Standesbeamtin kam aber der Hinweis auf das Buer bei Gelsenkirchen, das früher selbstständige Kommune war“, berichtete Preuß. Seine Anfrage dort war ein Treffer: Unter dem richtigen Geburtsdatum am 29. September 1900 war eine Auguste Röttgen registriert und im Institut für Stadtgeschichte in Gelsenkirchen fand sich zudem die Geburtsurkunde. Das Kind war mit „mosaischer Religion“ als Tochter des Kaufmann Leo Röttgen und dessen Ehefrau Rosa, geborene Rosenau, eingetragen. Außerdem ist als Adresse die Hochstraße verzeichnet. „Die gibt es in Buer bei Melle nicht“, konstatierte Preuß, der seit wenigen Tagen im Besitz einer Kopie der Geburtsurkunde ist.

Historische Klarstellung

Die Nachfrage von Preuß bei dem Institut hat inzwischen auch die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ auf den Plan gerufen. Bislang habe das niedersächsische Melle für sich reklamiert, Gebortsort von Auguste van Pels zu sein, Nun aber sei sicher: Sie stamme aus Gelsenkirchen-Buer, so die Zeitung.

Das bestätigte auch Jürgen Krämer, Sprecher der Stadt Melle. Er nahm die Anfrage unserer Redaktion nach Unterlagen im Standesamt zum Anlass, beim niedersächsischen Staatsarchiv nachzufragen. Archivarin Anna Philine Schöpper teilte mit, dass eine Geburt von Auguste van Pels für das Jahr 1900 in Melle-Buer nicht belegt werden konnte. Aber das „sehr gut recherchierte“ Gedenkbuch des Bundesarchivs für die Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland weise aus, dass Auguste van Pels am 29. September 1900 in Buer bei Recklinghausen geboren worden sei. Eine andere Publikation zur Geschichte der Schlachterfamilie van Pels aus Gehrde ist nach Angaben der Archivarin „durchaus missverständlich“, da als Geburtsort lediglich Buer ohne nähere Erläuterungen angegeben werde. Frank Schlattmann jedenfalls freut sich über die von Preuß erzielte historische Klarstellung: „Jetzt muss nur noch auch Wikipedia die neuesten Erkenntnisse umsetzen.“


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