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Niveauvoll und märchenhaft Orientalisches Flair zum Jahresauftakt


Melle. Einen märchenhaften Start in das neue Jahr bescherte das Göttinger Symphonie-Orchester am Sonntag den Musikfreunden in Melle. Mit Klangbildern von überschäumendem Temperament und geheimnisvoller Exotik entführten die Musiker zum traditionellen Neujahrskonzert in die Welt von „1001 Nacht“. Als Solistin begeisterte die Sopranistin Antje Bitterlich im seit vielen Wochen ausverkauften Forum.

„Bitte wieder die Göttinger!“ Der vielfach geäußerte Wunsch der Musikfreunde war dem Kulturring auch in diesem Jahr Befehl. Schließlich hat das Symphonie-Orchester, das bei den Publikumsbefragungen alljährlich unerreichte Traumnoten erzielt, in Melle schon lange eine unverbrüchliche Fangemeinde. Für sie stellte Generalmusikdirektor Christoph-Mathias Mueller ein Konzertprogramm zusammen, das mit märchenhaften Bildern, exotischen Klangfarben und zauberhaften Melodien den Orient ins Forum brachte.

Für das Orchester bildete das Konzert in Melle den Abschluss einer langen Reihe von Neujahrskonzerten. Unter der ebenso humorvollen wie temperamentvollen Leitung ihres Dirigenten präsentierten sich die Göttinger dennoch mit ansteckender Lust am frischen, unverbrauchten Spiel. „Westliche Komponisten entwickelten früh ein großes Interesse am Orient“, verriet Mueller, der für die Musikfreunde auch zum Mikrofon griff.

Und so sprudelte zu den Triangel- und Beckenklängen der Janitscharen heitere Lebensfreude aus der Ouvertüre zu Wolfgang Amadeus Mozarts „Entführung aus dem Serail“. Die Faszination des Exotischen griff auch Peter Cornelius auf und entfaltete in seiner Ouvertüre zur Oper „Der Barbier von Bagdad“ mit weichen Streicherpassagen, aufrüttelnden Blechbläserfanalen und verträumt agierenden Holzbläsern kontrastreiche Klänge.

Zu einer fesselnden Begegnung nordischer Musiktradition und orientalischer Klangfarben avancierte die Schauspielmusik zum Fünfakter „Aladin“ des dänischen Komponisten Carl August Nielsen. In ätherischer Zartheit erhob sich im flirrenden Piano der Streicher „Aladins Traum“. Kraftvoll kostete der „Orientalische Festmarsch“ die Kontraste von nordisch-herben Harmonien und exotischer Farbgebung aus.

„Nicht alles, wo Orient draufsteht, ist auch Orient drin“, räumte Mueller humorvoll ein. Den schönen Melodien der Strauss-Brüder Johann und Joseph tat diese Erkenntnis allerdings keinen Abbruch. Für einen kostbar ausgestalteten Höhepunkt im über zweistündigen Konzertprogramm sorgte Solistin Antje Bitterlich, deren warmer, weicher Sopran das Herzklopfen der Nixe in Johann Strauss‘ „Tausendundeine Nacht“ anregend spürbar machte.

Eindrucksvoll bis in höchste Sopranlagen erhobene Koloraturen rissen die Besucher auf den Spuren der Oper „Lakmé“ zu spontanen Bravorufen hin. Ein besonderes Bonbon hielt Antje Bitterlich für die Musikfreunde nach dem offiziellen Ende des Konzertes bereit: Zwar hielt sich „Die Fledermaus“ einst fern vom Orient. Die geistreiche Abrechnung mit dem „Herrn Marquis“ begeisterte dennoch mit großer Stimme und sprühendem Esprit.

Das Neujahrskonzert bot einmal mehr einen ebenso niveauvollen wie launigen Jahresauftakt. Und die anhaltenden Ovationen ihres Publikums ließen die Musiker dabei hoffentlich auch über jene Gäste hinwegsehen, die sich vor den letzten Harmonien verabschiedeten.


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