Christian Brandhorst setzt Idee um Entwicklung aus Melle: App Narando liest Texte vor

Von Nadine Grunewald

Der Meller Christian Brandhorst hatte die Idee zur App Narando. Mit ihr kann man sich Texte von verschiedenen Verlagen vorlesen lassen. Narando gibt es als App und als Browser-Version. Foto: Nadine GrunewaldDer Meller Christian Brandhorst hatte die Idee zur App Narando. Mit ihr kann man sich Texte von verschiedenen Verlagen vorlesen lassen. Narando gibt es als App und als Browser-Version. Foto: Nadine Grunewald

Melle. Interessante Texte anhören, anstatt sie selbst lesen zu müssen? Christian Brandhorst aus Melle hat mit zwei Kollegen die App Narando entwickelt, über die sich Nutzer Artikel vorlesen lassen können.

Im Internet gibt es unzählige Artikel, die man selbst gerne lesen möchte. Wenn man doch nur mehr Zeit hätte ... Das dachte sich auch der Meller Christian Brandhorst. Während der heute 29-Jährige an seiner Bachelorarbeit schrieb, musste er täglich von seinem Zuhause in Melle-Neuenkirchen zu seinem Arbeitsplatz nach Bielefeld fahren. „Die Fahrt war langweilig und Zuhause am PC warteten viele Tabs, die ich lesen wollte“, sagt Brandhorst, der Wirtschaftsingenieurwesen mit der Fachrichtung Maschinenbau an der RWTH Aachen studierte. „Ich habe mich gefragt, warum ich mir die Texte nicht während der Fahrt vorlesen lassen kann.“

Verlage und Blogs stehen zur Verfügung

Die Bachelorarbeit schrieb Brandhorst im Jahr 2010. Inzwischen hat er seine Idee mit seinen Kollegen Philip Kleimeyer und Priya Linke in einer App umgesetzt: Narando. Über diese Anwendung können sich Nutzer Texte von etwa 20 Verlagen und rund 26 Blogs vorlesen lassen. Zur Auswahl stehen unter anderem t3n, Gründerszene, It‘s all about the Music, Stefan Fritz, Der Postillon, Leitmedium und Gesund leben. Auch der Podcast vom Kicker ist verfügbar. Dieses Format soll aber die Ausnahme bleiben. „Wir wollen redaktionell verfassten Content in einem hochwertigen Audioformat zur Verfügung stellen.“

Zielgruppe: Pendler

Etwa 80 Sprecher arbeiten derzeit für Narando. Sie vertonen die Texte, die die Kunden – also die Verlage oder die Blogbetreiber – zur Verfügung stellen. Hier liegt der Unterschied zur gewöhnlichen Vorlesefunktion von Smartphones, die Texte meist abgehackt und unbetont wiedergeben: „Die Sprecher klingen authentisch, wie die Stimme von nebenan“, sagt Brandhorst. Dagegen habe beispielsweise Apples Software Siri keine Chance, findet der 29-Jährige. (Lesen Sie auch: App aus Melle misst Nutzungszeit des Smartphones)

Mit ihrer App wollen die Entwickler hauptsächlich Pendler ansprechen. Die Taktik scheint aufzugehen: Die meisten Zugriffe verzeichnen sie in der Zeit zwischen sechs und zehn Uhr morgens.

Die Handhabung ist simpel: Der Nutzer öffnet die App, wählt einen Artikel aus und lässt ihn sich vorlesen. Oder er speichert ihn sich in seiner Hörliste, um ihn zu einem anderen Zeitpunkt abzuspielen. Das geht auch ohne Internetverbindung. Wer Narando von Zuhause aus nutzen möchte, kann das über die Browserversion tun.

Mit dem Stipendium zum Ziel

Dass es von der Idee bis zur Umsetzung einige Jahre dauerte, hat laut Brandhorst mehrere Gründe. Zum einen seien Smartphones damals, als er die Idee hatte, noch nicht so weit verbreitet gewesen. Außerdem wollte der 29-Jährige erst seinen Master zu Ende machen. Währenddessen beantragte er mit zwei anderen Wirtschaftsingenieuren ein Exist-Gründer-Stipendium. „Im ersten Anlauf wurde unser Antrag abgelehnt, maßgeblich weil wir keinen Programmierer dabei hatten“, so Brandhorst. Seine beiden Kollegen stiegen daraufhin aus dem Projekt aus. Zusammen mit Philip Kleimeyer und Priya Linke stellte er einen neuen Antrag – und hatte Glück. „Die monatliche Förderung war essenziell, damit wir Vollzeit an dem Projekt arbeiten konnten“, sagt Brandhorst.

12000 App-Downloads

Derzeit arbeitet nur er selbst hauptberuflich an dem Projekt. Das Kernteam besteht aus fünf Mitarbeitern, ein sechster soll noch dazu kommen. Von Anfang an haben die Entwickler das Projekt selbst finanziert. „Wir können uns im Moment gerade aus den Umsätzen halten und suchen derzeit nach Investoren.“ (Lesen Sie auch: Diese Meller Apps sind kreativ bis in die Haarspitzen)

Inzwischen wurde die App bereits rund 12000 mal runtergeladen. „Wir sind ganz zufrieden“, sagt Brandhorst. Im vergangenen Jahr erhielt das Start-up den ostwestfälischen Innovationspreis. Als Nächstes wollen die Entwickler die App technisch weiterentwickeln und ihre Reichweite ausbauen.


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