Zwei Frauen leisten Widerstand Szenische Lesung über Sophie Scholl in Melle

Von Christina Wiesmann

Bei einer szenischen Lesung stellen Frauke Geyken (links) und Johanna Kunze die Biografien von Sophie Scholl und Cato Bontjes van Beek nebeneinander. Foto: Christina WiesmannBei einer szenischen Lesung stellen Frauke Geyken (links) und Johanna Kunze die Biografien von Sophie Scholl und Cato Bontjes van Beek nebeneinander. Foto: Christina Wiesmann

Melle. In den Berufsbildenden Schulen (BBS) präsentierte jetzt die Theaterinitiative Bühnensturm eine szenische Lesung über die beiden Widerstandkämpferinnen Sophie Scholl und Cato Bontjes van Beek.

Die Lesung wurde im Rahmen des Projektes „Erinnerungskultur“ an den BBS veranstaltet und wurde durch das Engagement des Meller Heimatvereins und der Initiative Stolpersteine ermöglicht.

„Die Erinnerung ist wie das Wasser: Sie ist lebensnotwendig und sie sucht sich ihre eigenen Wege in neue Räume und zu anderen Menschen. Sie ist immer konkret: Sie hat Gesichter vor Augen, und Orte, Gerüche und Geräusche. Sie hat kein Verfallsdatum und sie ist nicht per Beschluss für bearbeitet oder für beendet zu erklären.“

Mit diesem Zitat von Noah Flug, einem Auschwitzüberlebenden, begrüßte Gertrud Remark, Koordinatorin für Wirtschaft, Verwaltung und Gesundheit an den BBS, die rund 140 Schüler zu einer besonderen Lesung der Theaterinitiative Bühnensturm mit den beiden Darstellerinnen Frauke Geyken und Johanna Kunze.

In ergreifender Weise erzählten die Autorin und Historikerin Frauke Geyken und die Theaterpädagogin und Dramaturgin Johanna Kunze die Geschichte um Sophie Scholl und Cato Bontjes van Beek: „Beide Frauen kannten sich nicht, sind sich nie begegnet“, berichtete Frauke Geyken. Und doch hatten Sophie Scholl, Mitglied der „Weißen Rose“ und Cato Bontjes van Beek, Mitglied der „Roten Kapelle“ vieles gemeinsam. Beide hatten einen ausgesprochenen Sinn für Gerechtigkeit und zweifelten das Naziregime unter Adolf Hitler an. Hitler, der, als er an die Regierung kam, dem Volk ein „freies und unabhängiges Vaterland“ versprach, duldete schlichtweg keinen Widerstand. Traurig ist, dass Sophie Scholl und Cato Bontjes van Beek waren gute Beispiele für Freiheit und Unabhängigkeit waren. Denn die jungen Frauen, die alles hinterfragten, ließen sich nicht verbiegen, sich nicht mit Gewalt in eine Form pressen. Sie hatten ihre eigene Meinung, einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und bezahlten dafür mit ihrem Leben.

Besonders ergreifend ist der Moment, als Frauke Geyken den letzten Brief von Cato Bontjes van Beek an ihre geliebte Mutter vorliest. Zu hören, wie die junge Frau nur wenige Stunden vor ihrer Hinrichtung Abschied von ihrer Familie nimmt, lässt niemanden los.

Für das Publikum fast unfassbar ist, wie es Catos Mutter 1958, erst rund 15 Jahre nach der Hinrichtung ihrer Tochter schafft, deren Ehre wiederherzustellen. Die Ehre eines Menschen, der erhobenen Hauptes für eine Ansicht starb, die damals heimlich sicher viele geteilt haben.

„Lerne mit dem Herzen denken!“ – der Titel der szenischen Lesung passt so gut zu den beiden jungen Frauen, deren Biografien einander so ähnlich waren. Und er ist von zeitloser Schönheit, so wie die Erinnerung.