Hochbegabt – was nun? Meller Hochbegabte haben oft soziale Probleme

In Schwäbisch Gmünd (Baden-Württemberg) gibt ein Landesgymnasium für hochbegabte Schüler. Archivfoto: Franziska Kraufmann/dpaIn Schwäbisch Gmünd (Baden-Württemberg) gibt ein Landesgymnasium für hochbegabte Schüler. Archivfoto: Franziska Kraufmann/dpa

Melle. Hochbegabte, das sind so Extraschlaue, denen alles zufällt. So weit das Klischee. In der Realität sieht das aber oft anders aus. Viele Hochbegabte weisen motorische und soziale Unzulänglichkeiten auf, brauchen Betreuung und Hilfe. In Melle gibt es die.

Die Definition von Hochbegabung in Deutschland sieht so aus: Wer einen IQ-Mittelwert von 100 um bis zu 15 Punkte über- oder unterschreitet ist normal begabt. Wer die Standardabweichung von 15 um das Zweifache übertrifft, gilt als hochbegabt, sprich ab einem IQ von 130.

Das muss allerdings keineswegs bedeuten, dass hochbegabte Kinder in der Schule mit glänzenden Leistungen auffallen. Nicht selten ist das Gegenteil der Fall, die Kinder nehmen aus Unterforderung eine Verweigerungshaltung ein und können dann mitunter nicht einmal mehr das, was ihre Klassenkameraden längst beherrschen. (Lesen Sie auch: Meller Studentin Catharina kann nicht lügen)

Hochbegabte Kinder haben oftmals Probleme im Umgang mit Gleichaltrigen, viele sind lieber mit deutlich Älteren oder deutlich Jüngeren zusammen.

Sinn für Details

In Melle betreut Kerstin Conen hochbegabte Kinder und Jugendliche, deren Arbeit wir in einem weiteren Bericht (siehe unten) vorstellen. In den Ausgaben am Donnerstag, Freitag und Samstag folgen dann Fallbeispiele von einer Grundschülerin, einer Studentin und einem Arzt aus Melle, die alle hochbegabt sind und so viele Unterschiede wie Gemeinsamkeiten aufweisen.

Dazu gehört zum Beispiel ein Sinn für Details, der vielen Menschen abgeht. Dazu gehört, dass viele Hochbegabte motorische Störungen haben, als Kinder den Stift nicht richtig halten können oder nicht in der Lage sind, rückwärts zu laufen. Manch ein hochbegabtes Kind kann mit Spielen so gar nichts abgewinnen, lernt aber spielerisch Busfahrpläne auswendig.

Hochbegabte Kinder reden oft wie Erwachsene und wollen auch so behandelt werden, im Sinne einer Beteiligung an Entscheidungen, die sie betreffen. So schildert Catharina, die Studentin, dass sie schon als Erstklässlerin nicht mehr katholisch sein wollte. Nicht aus einer kindlichen Eingebung heraus, sondern, weil sie Für und Wider abgewogen hatte. Dreimal musste ihre Mutter zur Stadtverwaltung gehen, weil man ihr dort die dialektische Sechsjährige nicht abnehmen wollte.

Einen Kommentar zum Thema finden Sie hier >>

2,2 Prozent der Bevölkerung sind hochbegabt. Ihre Nöte werden von Außenstehenden oft als Luxus-Probleme betrachtet. Doch was tut man, wenn die Vierjährige sagt: „Ich will in die Schule und wenn ich das nicht darf, will ich lieber tot sein!“


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