Markant: Schluss am Jahresende Brörmann schließt: „Melle braucht mich nicht mehr“

Von Michael Hengehold

Räumt seine Schränke und Regale bald aus: Stefan Brörmann verabschiedet sich zum Jahresende aus Melle. Foto: Michael HengeholdRäumt seine Schränke und Regale bald aus: Stefan Brörmann verabschiedet sich zum Jahresende aus Melle. Foto: Michael Hengehold

Melle. Melle verliert einen Kultkaufmann: Stefan Brörmann wird seinen Markant-Markt in Melle-Mitte zum Jahresende schließen. Grund sind starke Umsatzrückgänge nach dem Brand 2013.

Acht Monate musste Brörmann seinen Markt nach dem Feuer für die Sanierung schließen – zu lange. „Da sind viele abgewandert“, sagt Brörmann. 30 Prozent Umsatzverlust musste der Kaufmann in der Folge hinnehmen, „vom ersten Tag an bis einschließlich heute“, so Brörmann am Freitag.

Mietsenkung war nicht drin

Im August habe er den Vermieter angesprochen, ob eine Mietsenkung drin sei – war sie nicht. So fällte Brörmann seine Entscheidung, auch vor dem Hintergrund, dass seine beiden Läden in Osnabrück in der Fußgängerzone und in Haste sowie der Markt in Schledehausen „super laufen“.

„Wir verdienen hier nichts“

Im Oktober war Brörmann 20 Jahre in Melle , leicht fällt dem Herzenskaufmann der Schritt nicht. „Sie sind ja auch gar nicht mehr da“, hätten Kunden zunehmend bemerkt. Dabei war Melle der wichtigste Laden für Stefan Brörmann, der einst an der Kampstraße 3 (heute Euronics Mestemacher) begonnen hatte. „Ich bin jeden Morgen zuerst nach Melle gefahren, um dort die Frischetheke einzuräumen, erst dann nach Haste. Ich war jeden Tag fünf Stunden in Melle.“ Nun gehe er erhobenen Hauptes: „Es gibt keine offenen Rechnungen, wir sind liquide.“ Das Problem: „Wir verdienen hier nichts, das ist eine Nullnummer. Melle braucht mich nicht mehr.“

54 Mitarbeiter gehen mit

Seine 54 Mitarbeiter nimmt Brörmann allesamt mit, bis auf einige wenige, die zum Jahresbeginn in Rente gehen. Darauf ist er stolz. Für alle hatte er eine Liste mit Stärken und Schwächen aufgesetzt und sich überlegt, wo er sie demnächst einzusetzen gedenkt. Dann hat er die Mitarbeiter nach ihren Wünschen gefragt. Und siehe da: „Bis auf einen wollten alle dahin, wo ich es mir ausgerechnet hatte.“ Das nimmt Brörmann als Bestätigung dafür, dass er sein Personal wirklich kennt, das teils seit 20 Jahren bei ihm ist und ihm am Herzen liegt. So hat er allen das Gehalt weiterbezahlt, als acht Monate geschlossen war, damit sich niemand arbeitslos melden musste: „Ich hatte damals, als ich angefangen habe, 5000 Mark. Alles, was ich heute habe, ist durch diese Hände und das tolle Personal entstanden.“

„Mein Laden ist mein Leben!“

Dafür arbeitet Brörmann hart. Aufstehen um 5.30 Uhr, wieder zu Hause in Hagen um 21.30 Uhr – sechs Tage die Woche. In den 20 Jahren hat er nicht einen Tag gefehlt: „Ich liebe das! Mein Laden ist mein Leben! Da bekommst du Sprüche zu hören, das ist wie Creme“, sagt Brörmann, der seinerseits so manchen Spruch auf Lager hat. Voran sein Schlachtruf „Alleman so weiter“, nach dem er sogar ein Buch mit Anekdoten, Lebensweisheiten und Rezepten benannt hat.

Abschiedsgeschenk für Melle: die Post

Ein Abschiedsgeschenk will Brörmann den Mellern allerdings hinterlassen. Die ungeliebte, weil ebenfalls nichts abwerfende, aber viel Arbeit machende Postagentur würde er weiter betreiben, wenn die Stadt ihm dafür eine Fläche zur Verfügung stellt.

Wann endgültig Schluss ist, kann Brörmann noch nicht genau sagen. Der Pachtvertrag laufe noch zwei Jahre. „Wenn ich einen Nachmieter finde, ist Heiligabend Schluss. Sonst Silvester.“

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