Interkulturelle Woche Melle: Christen und Muslime diskutieren über Gewalt

Von Marita Kammeier

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Anregende Diskussionsrunde im St.-Petri-Gemeindehaus mit Pastor Michael Wehrmeyer, Michael Göcking, Hakki Arslan und Pastor Richard Schröder. Foto: Marita KammeierAnregende Diskussionsrunde im St.-Petri-Gemeindehaus mit Pastor Michael Wehrmeyer, Michael Göcking, Hakki Arslan und Pastor Richard Schröder. Foto: Marita Kammeier

Melle. Töten im Namen der Religion. Das brisante aktuelle Thema, vorgetragen im Rahmen der „Interkulturellen Woche“ von Hakki Arslan und Michael Göcking, fand große Resonanz und berührte christliche und muslimische Besucher gleichermaßen.

Der Initiativkreis hatte zu einem Gesprächsabend unter dem Motto „Du sollst nicht töten – Der Friedensauftrag der Religionen“ in das voll besetzte St.-Petri-Gemeindehaus eingeladen. „Die Veranstaltungen gibt es bereits seit sieben Jahren, doch noch nie sind so viele Interessierte gekommen“, erklärte Pastor Michael Wehrmeyer, der an diesem Abend vor allem als Moderator im Einsatz war.

Viele der Besucher nahmen zum ersten Mal teil. Vertreter der Moschee-Gemeinde diskutierten angeregt mit Mitgliedern der evangelischen und katholischen Kirche. Und dabei kam alles auf den Tisch: IS-Terror und Boko Haram ebenso wie Mohammed-Karrikaturen, israelische Kampfeinsätze sowie gegenseitig geschürte Aggressionen und Angstgefühle.

„Wir leben im 21. Jahrhundert. Ich bin in Melle geboren und spüre es deutlich, wenn Menschen vor mir zurückschrecken“, erzählte ein 24-jähriger Moslem. Sein Nachbar am Nebentisch betonte dagegen: „Mich verstört es sehr, wenn ich als Ungläubiger bezeichnet werde, denn ich bin Christ.“ „Das Problem ist fehlende Gerechtigkeit“, erklärte ein Besucher. Für ihn als Moslem seien jedoch Christen und Juden wie Verwandte.

Position der Kirche

Dekanatsreferent Michael Göcking beleuchtete in seinem Referat das Verhältnis der katholischen Kirche zu anderen Religionen und erinnerte an die Bergpredigt. Die christliche Botschaft sei eindeutig und Gewalt nicht erlaubt. Doch es gebe Ausnahmen. Beim Rückblick auf die Kirche habe es ein Versagen gegeben. Damit meinte der Referent den 30-jährigen Krieg ebenso wie den 1. und 2. Weltkrieg. Im Jahr 1942 hätten auch große Würdenträger der evangelischen und katholischen Kirchen in die Jubelschreie eingestimmt.

In den vergangenen 20 bis 30 Jahren habe sich die Position der Kirche jedoch geändert, berichtete Göcking. Heute werden Fragen nach Waffenexporten, Entwicklungs- und Flüchtlingshilfe ebenso laut wie die Überlegungen „Was können wir für den Frieden tun.“

Machtansprüche

„Gewalt ist eine Begleiterscheinung des Menschen. Es geht immer um Machtansprüche, die theologisch untermauert werden.“ Mit diesen Worten begann Hakki Arslan seinen Impulsvortrag. Sowohl im Alten Testatment als auch im Koran werde Gewalt erlaubt, um Aggressionen abzuwehren.

Seit etwa 100 Jahren gebe es eine feindliche Haltung gegenüber Andersgläubigen. Gewalt sei außerdem eine Reaktion auf wirtschaftliche Missstände.

Der promovierte wissenschaftliche Mitarbeiter im Institut für Islamische Theologie an der Universität Osnabrück bedauerte die chaotische Lage in der muslimischen Welt. „Es gibt keine einheitliche Stimme. IS und Boko Haram sind neue Phänomene, mit denen Muslime zum Teil überfordert sind.“ Sein dringender Rat lautete jedoch: „Abstand nehmen von Hasspredigern.“ Michael Göcking ergänzte: „Friede wächst aus Gerechtigkeit.“


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