Für ökologische Gülle-Verteilung Präsident der Landwirtschaftskammer zu Gast in Melle

Von Norbert Wiegand

Gut gelaunt waren Arend Holzgräfe, Gerhard Schwetje, Katrin Möntmann, Hermann Grupe und Hermann-Josef Bolte (von links) angesichts eines interessierten Publikums. Foto: Norbert WiegandGut gelaunt waren Arend Holzgräfe, Gerhard Schwetje, Katrin Möntmann, Hermann Grupe und Hermann-Josef Bolte (von links) angesichts eines interessierten Publikums. Foto: Norbert Wiegand

Melle. 100 Landwirte und Verbraucher nutzten im Forum die Gelegenheit, den neuen Präsidenten der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Gerhard Schwetje, kennen zu lernen.

Der zweite Referent Hermann Grupe (FDP), Vorsitzender des Landtags-Ausschusses für Landwirtschaft und Verbraucherschutz, wunderte sich darüber, dass die Meller FDP, das Landvolk und die Landfrauen eine solche Veranstaltung gemeinsam organisieren.

Veranstalter-Kooperation

„Diese Veranstalter-Kooperation muss es öfter geben“, freute sich der FDP-Politiker. Lob für die Initiative von Arend Holzgräfe und Heiner Thöle (beide FDP Melle) gab es auch von Bürgermeister Reinhard Scholz, der die Besucher aus Hannover schon am Nachmittag bei der Besichtigung der Osnabrücker Herdbuch eG in Föckinghausen begleitet hatte. „Ihre OHG ist eine Perle der Region“, erklärte Schwetje. Der LWK-Präsident und der agrarpolitische Sprecher der FDP-Fraktion wurden dort von OHG-Chef Hans-Willi Warder über die Entwicklung der Milchviehzucht in den vergangenen Jahrzehnten informiert.

Unter der Überschrift „Wer macht uns morgen satt – sind wir auf dem richtigen Weg?“ ging es in Vorträgen und Diskussionen am Abend im Forum aber vor allem um die Verteidigung der konventionellen landwirtschaftlichen Praxis. Diese werde zunehmend durch immer neue Einschränkungen und Verbote bedroht und von großen Teilen der Medien verunglimpft.

„Populistische Äußerungen eines ideologisch agierenden Landwirtschaftsministers Christian Meyer“ monierte Arend Holzgräfe. 500 Schweinen in einem alten Stall gehe es nämlich schlechter als 5000 modern gehaltenen Schweinen in einer angeblichen Massentierhaltung. „Verbraucher werden von den Medien kirre gemacht, das zeigen die neuen Veröffentlichungen zu krebserregenden Würsten“, schlug auch Bürgermeister Scholz in der von Hermann-Josef Bolte moderierten Veranstaltung in die gleiche Kerbe und erfüllte damit die Erwartungen der Veranstalter und des größten Teils des Publikums.

„Angstmache ist einfach – Aufklärung ist schwierig“, kritisierte Hermann Grupe die Medien am Beispiel angeblich krebserregender Würste. Aufgeblähte Teilergebnisse wissenschaftlicher Studien würden dann gleich von manchen Politikern aufgegriffen und überinterpretiert.

Insbesondere ärgert sich der agrarpolitische Sprecher der FDP-Fraktion darüber, dass die fachliche Kompetenz aus der landwirtschaftlichen Praxis von der rot-grünen Landesregierung viel zu wenig in politische Gestaltungsprozesse eingebunden werde. Stattdessen würden teure staatliche Kontroll-Instanzen gestärkt und gleichzeitig die Förderung und Beratung durch die LWK runter gefahren. „Dabei sind wir doch die Fachleute“, meinte Grupe, der auch Landwirt im Kreis Holzminden ist.

Kreislaufwirtschaft

Etwas zurückhaltender mit Kritik an der Landesregierung war Gerhard Schwetje. Einen großen Teil seiner Ausführungen widmete der Landwirt aus Wolfenbüttel der „Nährstoffsituation“ in Westniedersachsen: In diesen Gebieten (Emsland, Vechta) entstehen durch viel Tierhaltung mehr „Nährstoffe“ (das Wort „Gülle“ wurde vermieden), als die dort vorhandenen Äcker aufnehmen können. Wegen begrenzter Flächen könnten die Agrar-Betriebe in Westniedersachsen aber nur durch höhere Tierzahlen wachsen, um ihre Existenz zu sichern.

Der LWK-Präsident wies darauf hin, dass es in den Gebieten um Braunschweig und Hildesheim viel Ackerland und wenig Tierhaltung gibt - und damit Kapazitäten für „Nährstoffe“ aus westlichen Landesteilen. „Auch der bislang dort eingesetzte Mineraldünger hat eine problematische Klimabilanz“, erklärte er. Möglicherweise sei der bis zu 150 Kilometer weite Transport von tierischem Dünger sogar ökologisch sinnvoller, sprach der Kammerpräsident von einer „Kreislaufwirtschaft innerhalb von Niedersachsen“.