Investor Huning steigt aus Keine Kita mehr im Kurmittelhaus in Melle

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Melle. Aus, Schluss, vorbei. Die Kita im Kurmittelhaus ist gestorben. Investor Walter Huning zieht sich aus dem Projekt zurück. Ob es irgendwann einmal wiederbelebt werden kann, steht in den Sternen.

„Ich bin vorerst raus“, sagt Huning knapp. Der Unternehmer hätte das Kurmittelhaus zu einer Kita umgebaut und diese an einen Träger vermietet. Grund für den Rückzug aus dem Projekt ist die Entscheidung des Verwaltungsausschusses, ihm das Wegerecht auf einer Fläche von drei mal 18 Metern vor dem Kurmittelhaus zu verweigern. Diese Fläche hätte er gebraucht, um auf dem hinteren Grundstück eine Zuwegung zum geplanten Wohnhaus anzulegen.

Wohnungen für Erzieherinnen

Das Wohnhaus, in dem er günstige Wohnungen für Erzieherinnen der Kita anbieten wollte, gehöre zum Gesamtkonzept, erklärte Huning. Am Wohnhaus sollten vier Parkplätze entstehen, die über die entsprechende Zuwegung erreichbar gewesen wären. Der bereits angelegte Weg in den Grönenbergpark würde lediglich um einige Meter verlegt und verbreitert werden. Der große Baum bliebe stehen. Und Huning müsste vom geplanten Spielplatz für die Kita nicht allzu viele Meter abzwacken, um den Weg zum Wohnhaus anzulegen.

Überrascht von Abstimmung

Dass der Verwaltungsausschuss, der über die Vergabe des Wegerechts entscheidet, dieses in seiner Sitzung am 6. Oktober in einer Abstimmung verweigert hat, überraschte nicht nur Huning. Auch Architekt Carsten Wilmes kann sich keinen Reim auf die Entscheidung machen. Er hatte den Mitgliedern des Ortsrates, des Bauausschusses und des Verwaltungsausschusses in Begehungen vor Ort die Baupläne erläutert und auf die Bedeutung des Wegerechts für die Realisierung des Projekts hingewiesen.

Sorge wegen der Autos vor der Kita

„Viele Politiker hatten Bedenken wegen des Verkehrs vor dem Kindergarten“, berichtete Wilmes. Damit es im Eingangsbereich während der Bring- und Abholzeiten nicht zu regem Verkehr kommen würde, habe er versenkbare Poller vor dem Vorplatz ins Spiel gebracht, so Wilmes. „Dann hätten nur die Bewohner mit ihren Autos vor dem Kindergarten herfahren dürfen, um zum Haus zu gelangen.“ Letztlich gebe es bereits jetzt ein öffentliches Wegerecht direkt vor dem Forum, und trotzdem herrsche dort kein Verkehr, stellte der Architekt fest.

Enttäuschung bei Johannitern

Doch die Entscheidung ist gefallen, nicht nur die der Politiker, sondern auch die des Unternehmers. „Wir sind enttäuscht“, sagte Thorsten Müller von den Johannitern, als er gestern von Hunings Entscheidung hörte. Die Johanniter hätten als Träger die Kita betrieben. Im nächsten August wären sie an den Start gegangen. „Wir hätten gerne unsere Konzepte in Melle umgesetzt“, so Müller. Er bekräftigte jedoch, dass die Johanniter auch zu einem späteren Zeitpunkt für das Projekt in Melle noch zur Verfügung stünden.

CDU für das Projekt

Ortsbürgermeisterin Gerda Hövel äußerte sich ebenso enttäuscht. „Ich bedauere sehr, dass das Projekt nicht umgesetzt wird“, sagte sie. Die CDU-Fraktion habe sich von Anfang an für das Projekt ausgesprochen. Das Krippenangebot im Kurmittelhaus wäre eine Bereicherung für Familien gewesen.

Wilhelm Hunting (SPD) zeigte sich überrascht von der Entwicklung. Seiner Ansicht nach sei das offizielle Verfahren noch gar nicht abgeschlossen und sollte deshalb abgewartet werden. „Einen Engpass bei Kita-Plätzen darf und wird es nicht geben“, stellte er jedoch im Hinblick auf den Bedarf in Melle klar. Die Johanniter hätten im nächsten August nämlich zusätzliche Kita-Plätze geschaffen. Notfalls würden diese Plätze bei anderen Trägern geschaffen, meinte Hunting.

Pragmatische Lösung finden

Arend Holzgräfe (FDP) appellierte an alle Beteiligten, sich an einen Tisch zu setzen und eine pragmatische Lösung zu finden. „Uns ist es ernst mit der Kita“, sagte er und meinte damit nicht nur die FDP, sondern Politiker aller Parteien. Schließlich hätte man sich sonst nicht zwei Jahre damit beschäftigt. Jetzt „Nein“ zu sagen, findet er zu einfach.

Alfred Reehuis (Grüne) war für eine Stellungnahme gestern bis zum Redaktionsschluss nicht erreichbar.

Fassungslos und traurig

Dass ihm auf den letzten Metern noch so ein Stein in den Weg gelegt wird, macht den Unternehmer „fassungslos und traurig“, wie er sagt. Sein Ärger ist gewichen, übrig geblieben ist Resignation. Er hatte sich vom Bürgermeister, den er in einem persönlichen Schreiben noch gebeten hatte, ihm und seinen Architekten das Recht einzuräumen, mehr Unterstützung gewünscht. Die Entscheidung über das Wegerecht fälle jedoch nicht der Bürgermeister, sondern der Verwaltungsausschuss, stellte Andreas Dreier, Erster Stadtrat, klar: „Das war eine politische Entscheidung“.

Begeistert von Ideen des Unternehmers

Auch die Architekten Carsten Wilmes und Carsten Eleks verstehen die Entscheidung der Ausschussmitglieder nicht. Zumal sowohl die Mitglieder des Ortsrates als auch des Bauausschusses und des Verwaltungsausschusses während einer Begehung vor Ort das Projekt als äußerst positiv für die Stadt bewerteten und viele sich begeistert von den Ideen des Unternehmers zeigten.

Viele Hürden genommen

„Wir haben in diesem Projekt relativ viele Hürden nehmen müssen. Und als wir glaubten, nun alle Hürden genommen zu haben, taucht plötzlich eine auf, mit der wir nie gerechnet hätten“, sagte Carsten Eleks. Die Enttäuschung, dass das Kita-Projekt an 50 Quadratmetern Zuwegung scheitert, kann er nicht verhehlen. Seit über zwei Jahren planen er, Carsten Wilmes und Walter Huning den Bau der Kita. Zuletzt waren drei Gruppen in der Betriebskita geplant, die von den Johannitern als Träger übernommen worden wären. Huning wollte eine der Gruppen aus eigener Tasche finanzieren.

Gebäude wurde entkernt

Ums Geld gehe es ihm nicht, betont Huning immer wieder. Er hat nach eigenen Angaben schon 250000 Euro in das Kurmittelhaus gesteckt. „Das Gebäude wurde entkernt, der Asbest ist raus“, sagt er. Während er durch die riesigen Hallen läuft, erklärt er, wo die Gruppenräume, der Spielraum, die Küche, die sanitären Anlagen geplant waren. Vor der verglasten Front im ehemaligen Saunabereich breitet er die Arme aus. „Hier hätte man vom Spielzimmer aus direkt auf eine große Terrasse und in den Garten mit Spielgeräten gehen können. Auf der anderen Seite hätten wir ebenfalls einen Spielplatz direkt vor den Gruppenräumen angelegt“, sagt er.

Pläne für den Vorplatz

Auch für den Vorplatz hatte Huning schon Pläne für einen kleinen Kreisverkehr mit Parkbuchten, wo die Mütter ihre Kinder hätten absetzen können. Die Eltern wären über den Pflasterweg direkt neben dem Schuhhaus zur Kita durchgefahren und über den Parkplatz vor dem Forum wieder auf die Mühlenstraße. Eine Wasserspiellandschaft umrahmt von Bänken hätte er sich ebenfalls vorstellen können. „Städteplanerisch ist das hier nämlich eine Katastrophe“, stellte er mit Blick auf den trostlosen Platz vor dem Forum fest.

Kurmittelhaus als Flüchtlingsunterkunft

Doch daraus wird nun nichts. Nun denkt Walter Huning darüber nach, der Stadt das Kurmittelhaus als Flüchtlingsunterkunft zur Verfügung zu stellen. Gespräche darüber soll es in Kürze geben. Doch so ganz hat er das Projekt mit der Kita anscheinend noch nicht abgehakt. Denn ein Hintertürchen hält er sich noch offen: „Wir sind durchaus bereit, das Projekt wieder aufleben zu lassen“, sagte er. Aber nur, wenn die Politik zu einer neuen Entscheidung komme.


Planung mit drei Kita-Gruppen

Vor sechs Jahren hat Walter Huning das alte Kurmittelhaus von der Stadt gekauft. Der Betrieb des Bäderhauses war unwirtschaftlich geworden und von der Stadt aufgegeben worden. Als die Immobilie zum Verkauf stand, hatten sich auch Investoren aus der rechten Szene dafür interessiert.

Vor drei Jahren kam die Idee mit der Kita auf. Vor zwei Jahren ging der Unternehmer in die konkrete Planung des Projekts. Als Träger der Kita konnte er die Johanniter gewinnen. Geplant waren in der Kita drei Gruppen, wovon Huning eine Gruppe als eine Betriebskitagruppe einrichten wollte. Für die Kosten dieser Gruppe wollte er selbst aufkommen.

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