12000 Tiere pro Woche transportiert Unternehmen aus Melle handelt regional mit Vieh

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Schweinetransporte sind das Alltagsgeschäft für Viehhändler Hans-Bernd Mergelmeyer (rechts). Mitarbeiter Thomas Kleine-König treibt die Tiere mit Paddeln von der Stallrampe in den Anhänger. Foto: Stefanie PreuinSchweinetransporte sind das Alltagsgeschäft für Viehhändler Hans-Bernd Mergelmeyer (rechts). Mitarbeiter Thomas Kleine-König treibt die Tiere mit Paddeln von der Stallrampe in den Anhänger. Foto: Stefanie Preuin

Melle. Hier gilt das gegebene Wort. Hans-Bernd Mergelmeyer (48) schließt in der Regel mit seinen Kunden keine schriftlichen Verträge ab. Mergelmeyer ist Viehhändler in Melle und Borgloh und einer der Geschäftsführer der M+K-Viehhandlung.

12000 Tiere bewegt er mit seinen Mitarbeitern pro Woche – meist im Radius von 100 Kilometern. Davon sind 7000 Schlachtschweine. Aber seine Ziele sind nicht nur die Schlachthöfe. Ferkel müssen vom Erzeuger zum Mäster gefahren werden, Jungbullen und Rinder zu neuen Besitzern.

Das Unternehmen entstand 2002 aus dem Zusammenschluss der Viehhandelsunternehmen von Gerd Kienker und Johannes Mergelmeyer. M+K hat Niederlassungen Melle-Eicken, Melle-Meesdorf und Hilter-Borgloh und beschäftigt 25 Mitarbeiter.

Die sieben Viehtransporter sind täglich 24 Stunden unterwegs, gefahren wird in zwei Schichten. Da kommen schnell 120000 Kilometer pro Fahrzeug im Jahr zusammen. Da auch die Schlachthöfe rund um die Uhr arbeiten, sind Anlieferungen ständig möglich. Anders ist das, wenn M+K in Süd- und Ostdeutschland unterwegs ist. Dann wird die verkehrsarme Nacht für die Transporte genutzt. Schweine und Ferkel rollen nach Süddeutschland, wo anschließend Kälber für Betriebe in Nord und Ost geladen werden.

Schweine auf drei Etagen

In den M+K-Zügen können unterschiedlich große Tiere transportiert werden. Möglich macht das eine Hubhydraulik für die Lastböden. Geht es um Rinder, wird ein- oder zweigeschossig gefahren, Schlachtschweine fahren auf drei Etagen, während die kleinen Ferkel sich auf bis zu vier Geschossen verteilen. Fahrten zu den Schlachthöfen dauern in der Regel nicht länger als vier Stunden, in Ausnahmen jedoch auch bis zehn Stunden. Hans-Bernd Mergelmeyer: „Solche Touren sind nicht wünschenswert, aber machbar.“ Dabei werden Ventilatoren eingeschaltet, Tränken sind ohnehin vorgeschrieben. Mergelmeyer: „Im Gegensatz zu früher sind die Verladebedingungen besser und Schweine heute stressstabiler.“

Tiergerechte Transporte

„Hier fahren wir tierisch gut“ steht in großen Lettern an den Transportern. Und dies ist für Mergelmeyer nicht nur ein Spruch aus der Marketingkiste, sondern verdeutlicht den Anspruch, den das Unternehmen an sich selbst hat. Tiergerechte Transporte, ob es nun in den Schlachthof geht oder in die weitere Aufzucht oder Mästung. „Wir gehen mit Lebewesen um, und das ist unseren Fahrern sehr bewusst“. Der M+K-Geschäftsführer weiß, dass im Umgang mit vielen Tieren die Gefahr der Verrohung droht. Das aber kann sich beispielsweise bei Schlachtschweinen durchaus auch auf die Qualität des Fleisches auswirken.

Ruhe ist oberstes Gebot

Auch wenn die Verladung von Tieren für die Fahrer Schwerstarbeit bedeutet, ist Ruhe das oberste Gebot, Hektik und Stress das falsche Rezept. Die Tiertransporteure haben allesamt einen Sachkundenachweis erbracht, einmal jährlich kommen alle Fahrer mit ihren Chefs zum Erfahrungsaustausch zusammen. Mergelmeyer: „Wer tier- und sachgerecht transportieren will, muss Tierschutz zum Selbstzweck machen.“ Gerade bei Schlachtschweinen gilt das Gebot der Ruhe bei der Verladung. Sind die Tiere erregt und gestresst, leidet die Fleischqualität. Da M+K aber Geld mit dem Viehhandel verdient, würde sich das Unternehmen selbst ins Fleisch schneiden, wenn es mindere Qualität auf dem Schlachthof abliefert. Wo früher elektrische Treibapparate gang und gäbe waren, werden Schweine heute mit Treibpaddeln vom Stall auf den Lkw-Zug dirigiert. Das kann bis zu zwei Stunden dauern. Beim Weg vom Transporter zum Schlachthof folgen die Tiere beinahe schon dem Herdentrieb. In 15 bis 30 Minuten ist der Transporter leer.

Sattelzug desinfiziert

Viehtransporte unterliegen hohen hygienischen Ansprüchen. Noch am Schlachthof reinigt und desinfiziert der Fahrer seinen Sattelzug in der Waschhalle – innen wie außen. Und seine Schutzkleidung, mit der er niemals in die Fahrerkabine steigt. Penibel sauber ist es darin, und es müffelt auch nicht nach tierischen Ausdünstungen. An jeder Beladestelle wird der Overall draußen angezogen, vor der Weiterfahrt ausgezogen und so weiter. Auch das dient der Hygiene an Bord. Genauso wie frische Holzhäcksel als Einstreu vor der neuen tierischen Fracht.

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