Würmer mögen gerne Kaffeesatz Westerhausener stellt begehrten Humus her


Oldendorf. Das Salatblatt darf auf keinen Fall mehr leben. Es muss runzlig und unansehnlich sein. Dann ist das perfekte Menü für Dendrobena veneta oder Eisenia foetida angerichtet. Und wer sind die Damen? Ganz einfach, Regenwürmer, so jedenfalls laut Volksmund.

In Westerhausen kümmert sich der promovierte Naturwissenschaftler Kai Behncke um die Erdfresser und produziert gewissermaßen mit ihnen gemeinsam Humus, der jeden chemischen Dünger an Effektivität um Längen in den Schatten stellt. Für den Start seines „ehrenamtlichen und nicht-kommerziellen Umweltprojektes“, hat sich Kai Behncke das „Jahr des Bodens 2015“ ausgesucht, das die Vereinten Nationen ausgerufen haben. Auf der dazugehörigen Internetseite heißt es: „Boden gehört zu den wichtigsten nicht vermehrbaren Ressourcen der Land- und Forstwirtschaft. Leben fängt im Boden an.“

Und genau hier setzt Kai Behncke mit einer Idee an, die für jeden Garten- oder Balkonbesitzer umsetzbar ist. Der Naturliebhaber hat sich in seinem Garten eine zweimal sechs Quadratmeter große Anlage gebaut, eingefasst mit Holzplatten und unterirdisch unterlegt mit Vlies und Kükendraht, damit die Würmer nicht zum Nachbarn ziehen oder ihrerseits als Fleischportion für Fressfeinde dienen.

2000 Kokons

Anfang Mai setzte Kai Behncke in die insgesamt 60 Zentimeter tiefe vorbereitete Erde 2000 Wurmkokons plus 1000 ausgewachsene Rote Mistwürmer. Und jetzt kommt nicht nur das welke Salatblatt ins Spiel, sondern Pferdemist, der untergearbeitet wird und Biomüll, der sonst in der braunen Mülltonne landet. „Kaffeesatz mögen die Würmer sehr gerne“, erzählt Kai Behncke, denn aus dem produzieren sie Magnesium. Fisch und Fleisch sollte nicht in die Anlage, denn das würde nur die Ratten anlocken, und Zitrusfrüchte wirken auf die Würmer giftig. Aber Zeitungspapier oder feuchte Pappe lieben sie dafür umso mehr, und zum Nachtisch gibt’s gemahlene Eierschalen und Obstreste.

Und wie geht’s weiter? „Nach vier Wochen entstehen aus den Kokons die ersten Würmer, nach acht Wochen hat sich ihre Anzahl verdoppelt“, erzählt Behncke. Jetzt im August schätzt er die Zahl der Würmer in einer Kammer auf zirka 12000 Stück. Der Boden muss feucht gehalten und auch von oben gegen die Vögel mit Draht abgesichert sein.

Monatelang fressen sich die Würmer mehrmals durch die Erde, jeden Tag vertilgt ein einzelner Wurm ein Gramm, das ist so viel wie sein eigenes Körpergewicht.

Weiterlesen

Wie Regenwürmer in der Landwirtschaft einen Pflug ersetzen, lesen Sie hier .

Und jetzt im August startet die Arbeit des Gärtners. Kai Behncke schaufelt die von den Würmern durchgekaute Erde in einen mit einem runden Sieb versehenen alten Betonmischer und siebt sie durch. Feinkrümelige, nach Waldboden duftende Erde landet in der Schubkarre. Die schweren Erdklumpen kommen jetzt in die zweite Wurmpalastkammer zurück in den Garten und der Kreislauf beginnt von vorn.

„Durch Überdüngung oder Verdichtung durch schweres Gerät degenerieren unsere Böden“, sagt Kai Behncke und lobt ausdrücklich die natürliche chemische Struktur des Wurmhumus. „Von diesem Erdsubstrat ist nur wenig nötig, um den Gartenboden für Gemüse oder Blühpflanzen wieder fit zu machen“, erklärt er.

Kein Dünger nötig

Seine Biotonne hat der Hobbygärtner abgeschafft, die Kosten spart er, weil die Würmer den Abfall fressen. Chemischer Dünger, der das Grundwasser schädigen kann, ist nicht mehr nötig und Torf erst recht nicht. „Aus dem Garten in den Garten“, lautet die kostengünstige und gesunde Alternative und damit: Biomüllverwertung mit dem Ziel kommunaler Bodenverbesserung.

Die Angst davor, dass Dendrobena veneta oder Eisenia foetida dem Gärtner den Salat von den Wurzeln her abfressen, ist völlig unnötig. Denn die Würmer fressen – wie anfangs beschrieben – nur totes Gemüse.

Das Prinzip der Wurmhumusherstellung funktioniert nicht nur im Garten, sondern auch in einfachen Plastikkästen, dem Wurmpalast in Kleinformat.

Auf seiner Internetseite www.wurmpalast.de erklärt Kai Behncke die Herstellung von Wurmhumus und beantwortet Fragen dazu.

Lesen Sie auch, warum es auf Rügen Streit um 200000 Regenwürmer gab.


0 Kommentare