Peinlich ist Trumpf! Meller Waldbühne: Zwei Pippis – zwei Spielweisen

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Melle. Erstmals hat die Waldbühne eine kleine Spielpause im Sommer eingelegt. Ab Sonntag wird „Pippi in Taka-Tuka-Land“ wieder gespielt, „Boeing, Boeing“ schon ab Samstag. Wir haben uns mit den Pippi-Darstellerinnen Franziska Koepsel und Joanna Goudarzi über Textlernen, Unterschiede in der Rollengestaltung und ihre Zukunft an der Waldbühne unterhalten.

Für die Kostümbildnerin sind die beiden Mädchen ein seltener Glücksfall. Franziska Koepsel (17) ist 1,81 Meter groß, Joanna (englisch als Dschoäna ausgesprochen) weist mit ihren 15 Jahren 1,77 Körperlänge auf. Beiden passen also dieselben Kostüme, es muss nicht alles doppelt angefertigt werden.

Rosa macht sich zum Affen

Die Mädchen sind alte Hasen, was die Waldbühne betrifft. Franziska, deren gesamte Familie dort aktiv ist, feierte ihre Premiere vor acht Jahren im „Froschkönig“. Die Pippi hat sie zudem schon vor drei Jahren gegeben, seinerzeit mit ihrer großen Schwester Maria an der Seite. Die jüngere Schwester Rosa macht sich auch schon wieder zum Affen. Wie schon vor drei Jahren spielt die Zehnjährige im aktuellen Pippi-Stück erneut Herrn Nilsson.

„Ich bin auf dem Geflügel hängen geblieben.“

Joanna gehört seit vier Jahren zum Ensemble. „Ich habe ganz unten angefangen“, scherzt sie, „als Hahn in ,Max und Moritz‘“. Ihre zweite Rolle war ein Huhn. Joanna lacht: „Ich bin auf dem Geflügel hängen geblieben.“ Franziskas erste große Rolle war Lillebror in „Karlsson vom Dach“.

In der Gerüchteküche dampfen die Töpfe

Wer welche Rolle übernimmt, ist jedes Jahr aufs Neue die große Frage vor dem Neujahrsempfang der Waldbühne, auf dem die Besetzungen bekannt gegeben werden. Naturgemäß dampfen in der Gerüchteküche die Töpfe. Allerlei wird gemunkelt, manch guter Wunsch gen Himmel gesandt.

Für den Tipp Franziska als Pippi hätten englische Buchmacher allerdings wohl nicht viel bezahlt. Nachdem sie die Rolle schon einmal gespielt hatte, hatten viele die Zuteilung erwartet. Joanna hingegen war schon überrascht, dass die zweite Besetzung übernehmen sollte.

Danach galt es erst einmal, frühere Rollen aus dem Kopf zu bekommen. Franziska: „Ich habe die gute Fee Miranda in ,Cinderella’ erst wie Pippi gespielt, das steckt einfach so drin. Vom Dschungelbuch waren auch viele geprägt.“

„ „Nach der Premiere“

Mit einer Annäherung an die Rolle beginnt dann meist im Februar die Vorbereitung. „Wir reden ziemlich viel“, sagt Franzi, wie ihre Freunde sie nennen, über die Rolle der Pippi. „Das ist das Schlimmste“, fügt Joanna an, „weil man dann so viel Text lernen muss.“ Regisseur Andreas Pöhler-Regenbrecht lege viel Wert darauf, dass der Text zum Beginn der Proben sitzt. „Trotzdem ist man in den Proben meistens damit beschäftigt, den Text auf die Reihe zu kriegen“, erzählt Franziska, „der Rest entwickelt sich danach.“

Dreimal die Woche wird ein halbes Jahr lang geprobt. Und wann sitzt der Text wirklich? „Nach der Premiere“, lacht Franzi.

„Wie spielst du das?“

Während der Proben haben sie und Joanna sich manchmal in den sogenannten Mäusestall zurückgezogen, um gemeinsam am Text zu arbeiten und sich auszutauschen. „Wie spielst du das?“; „Wie betonst du an der Stelle?“ – solche Sachen. Vieles schauen die Mädchen sich auch beim Proben ab: „Zuzuschauen, wie die anderen das machen, hilft schon“, sagt Joanna. Außerdem spielt – zum Vergnügen der Mädchen – der Regisseur auch gerne Szenen so vor, wie er sie sich vorstellt. Aber letztlich gilt: „Jeder hat eine andere Spielweise, es muss nicht alles exakt gleich sein“, betont Franzi: „Joanna kann zum Beispiel Räder schlagen, ich hüpf‘ da eher so wie ein Frosch rum.“ Das mag ein bisschen peinlich sein, überlegt sie dann, aber: „Gerade bei der Rolle ist peinlich Trumpf.“ Je peinlicher es wird, desto mehr lachen die Kinder, desto mehr dreht Franzi auf. Manchmal baut sie sogar Fehler bewusst ein: „Bei manchen Pannen, die richtig gut ankommen, sagen immer alle: Mach‘ das das nächste Mal auch so!“

„Keine Kinderstücke mehr!“

Nun stehen noch vier Vorführungen an. „Ich freue mich schon darauf, wenn ich mal sonntags Zeit habe“, erzählt Franzi, „aber ich werde es auch vermissen, hier her zu kommen. Und die Leute. Sonst sieht man die dreimal die Woche und dann plötzlich gar nicht mehr.“ Joanna: „Man hat immer so viel zu tun und dann auf einmal so viel Zeit – das ist komisch. Also, ich wäre gern nächstes Jahr wieder dabei.“ Ob das auch für Franziska gilt, ist noch offen: „Also, zumindest keine Kinderstücke mehr! Kinder sind ein super Publikum, aber man will ja auch mal seine Grenzen austesten.“


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