Weltreise durch Meller Wohnzimmer Für zehn Euro in fremde Länder

Die Polin Monika Nacci öffnete ihr Wohnzimmer für eine zweistündige Reise durch ihr Heimatland. Foto: Conny RutschDie Polin Monika Nacci öffnete ihr Wohnzimmer für eine zweistündige Reise durch ihr Heimatland. Foto: Conny Rutsch

Melle. Zum Neujahrsfest nach China oder in die Wüste von Usbekistan, und für nur zehn Euro? Das geht, ein Reisepass inklusive. Das Diakonische Werk in Stadt und Landkreis Osnabrück machts möglich.

pm Melle. Zum Neujahrsfest nach China oder in die Wüste von Usbekistan, und für nur zehn Euro? Das geht, ein Reisepass inklusive. Das Diakonische Werk in Stadt und Landkreis Osnabrück machts möglich.

Vor einem Jahr installierte Geschäftsführer Heiko Grube in Melle ein „Reisebüro“ gewissermaßen an seinem Schreibtisch und organisiert „Weltreisen durch Meller Wohnzimmer“. Die Idee ist einfach: Menschen, die nicht in Deutschland geboren sind, öffnen für zwei Stunden ihr Wohnzimmer und berichten über ihr Heimatland. „Das Ziel soll sein, die Integration der Menschen mit Migrationshintergrund voranzutreiben und die eigenen Vorurteile ihnen gegenüber abzubauen“, erläutert Heiko Grube.

Je nach Größe des Wohnzimmers können sich mehr oder weniger als zehn Personen für eine Reise anmelden. „Einige Interessierte haben jede Fahrt mitgemacht, aber die Reisegruppe steht allen offen“, sagt der Initiator dieses Projekts und betont, dass das Diakonische Werk in Stadt und Landkreis Osnabrück der einzige christliche Träger dieser Aktion in Deutschland sei und die Reisen mit einem Geldpreis unterstütze. Eine Auswahl der Reiseziele, die bislang besucht wurden, sind Usbekistan, China, Lettland, der Libanon, Kurdistan oder Polen. Die Gastgeber sind nicht verpflichtet, einen Imbiss anzubieten, tun es aber meistens. Landestypisch selbstverständlich. Sie zeigen Bilder und Karten ihrer Heimat und erzählen über Traditionen, Gebräuche und dem Leben dort, über Schule und Ausbildung sowie die Familienstrukturen. Alle Reisen sind schnell ausgebucht, sodass einige Reiseziele auch mehrmals anvisiert werden.

„Eigentlich sollte das Reiseprojekt nur ein Jahr laufen, aber es leben Menschen aus etwa 40 Nationen in Melle, sodass das Projekt mindestens drei Jahre laufen wird“, erzählt Reiseleiter Heiko Grube. Seine Zwischenbilanz fällt äußerst positiv aus, die Reisen werden also weitergehen. In einem extra für die Wohnzimmerreisen ausgestellten Reisepass werden die einzelnen Fahrten abgestempelt, und auch eine Postkarte kann – ebenfalls mit Stempel versehen – an Freunde verschickt werden. Sogar eine Reiserücktrittsversicherung ist im Reisepreis von zehn Euro enthalten.

Und aus den Reisen durch Meller Wohnzimmer entsteht noch mehr außer den persönlichen Kontakten. „Bei jeder Reise fotografieren wir das landestypische Essen“, erzählt Heiko Grube. Aus dieser Bildersammlung und den Rezepten soll auf Dauer ein Kochbuch entstehen, in dem auch die Geschichte der Länder angerissen werden wird. Und vielleicht startet für die Teilnehmer auch ein Wochenendtripp in ein reales Ausland.

Die ausgebildete Integrationslotsin Monika Nacci, gebürtige Polin und mit einem Italiener verheiratet, ist begeistert von der Idee und war selbst schon Gastgeberin: „Es ist so interessant, mit den Gästen ins Gespräch zu kommen und Grenzen abzubauen“, sagt sie. Für die Reise in ihr Wohnzimmer bereitete sie eine riesige Landkarte vor und kann sogar mit einer polnischen Tracht aufwarten, über deren Tradition sie erzählt hat.

Die Weltreisen fürs kleine Geld werden weitergehen, ein Stück gelebte Integration. Unter der Telefonnummer 05422/940075 können Interessierte eine Reise buchen.