Pflege am Boden: Wir stehen auf Flashmob in Melle zwischen Marktbesuchern

Von Conny Rutsch

Nicht nur Pflegekräfte, sondern auch Marktbesucher nahmen am Flashmob „Pflege am Boden“ auf dem Markt am Samstag teil. Foto: Conny RutschNicht nur Pflegekräfte, sondern auch Marktbesucher nahmen am Flashmob „Pflege am Boden“ auf dem Markt am Samstag teil. Foto: Conny Rutsch

Melle. „Stell dir vor du brauchst Pflege und keiner kommt“ war auf einem der kleinen Plakate zu lesen, die die Teilnehmer des Flashmobs am Samstag in den Händen hielten.

Melle. „Stell dir vor du brauchst Pflege und keiner kommt“ war auf einem der kleinen Plakate zu lesen, die die Teilnehmer des Flashmobs am Samstag in den Händen hielten. Wie alle zwei Wochen machten Mitarbeiter des Christlichen Klinikums von fünf vor bis fünf nach 12 Uhr auf dem Markt auf die Missstände in der Pflege aufmerksam.

„Die Arbeitsbedingungen für die ausgebildeten Pfleger sind schlecht“, erklärte Rudolf Benter vom Christlichen Klinikum, der mit seiner Kollegin Marika Dessin seit zwei Jahren den Flashmob „Pflege am Boden“ organisiert. Aber auch für pflegende Angehörige sei die Entscheidung, ihre kranken Eltern oder Kinder zu Hause zu pflegen, mitunter ein Schritt in die Armut.

„Angemessen Bezahlung in der Pflege“, „Genügend Personal für eine menschliche Pflege“ sind nur einige Stichworte, die die Marktbesucher auf den Plakaten lesen konnten. „Uns fehlt vor allem auch der Nachwuchs in der Pflegeausbildung“, betonte Marika Dessin.

Die Reaktion bei den Vorübergehenden auf die liegenden Demonstranten war vorwiegend positiv, wobei aber einige auch verschämt einfach nicht hinsahen.

Regina und Klaus Gwiasda aus Melle hatten die Ankündigung des Flashmobs im Meller Kreisblatt gelesen und waren eigens dafür zur Aktion gekommen und legten sich dazu. „Solche Aktionen müssen wir einfach unterstützen“, sagten sie, „schließlich kann jeder von uns jederzeit in die Situation geraten, gepflegt werden zu müssen.“

„Bundesweit tauschen sich Organisatoren von `Pflege am Boden` in den sozialen Netzwerken aus“, betonte Marika Dessin, und einige Teilnehmer seien schon beim Bevollmächtigten für Pflege der Bundesregierung, Staatssekretär Karl-Josef Laumann, vorstellig geworden. Dass die Aktion als Begriff schon in der Bundesregierung angekommen sei, werten die beiden Meller Organisatoren als Erfolg und sind jetzt gespannt darauf, ob sich tariflich im Pflegebereich auf Dauer etwas tut.„Sowohl die Wahrung der Menschenwürde als auch die Folgekosten im Pflegebereich sind spannende Themen“, sagte Rudolf Benter und betrachtet es erst einmal als Erfolg, dass „es uns mit der Aktion `Pflege am Boden` nach zwei Jahren immer noch gibt“.