200 Besucher beim Sommerflimmern „Open Door Kino“ auf dem Hof Seidel bei Melle

Erfolgreich verlief das Sommerflimmern, das Ulrich Seidel, Petra Gieseke, Martin Junker, Holger Tepe und Birgit Müller (von links) organisierten. Foto: Stephanie UhlhornErfolgreich verlief das Sommerflimmern, das Ulrich Seidel, Petra Gieseke, Martin Junker, Holger Tepe und Birgit Müller (von links) organisierten. Foto: Stephanie Uhlhorn

Melle/Neuenkirchen. Keine Maus passte am Freitagabend mehr in die Scheune auf dem Hof Seidel in Suttorf. 200 Zuschauer drängten sich in den Raum, um den Film „Sommer in der Provence“ zu sehen.

Das Vorprogramm bot eine Nachlese der Kulturveranstaltung „Ein Dorf wird Kunst“, das vor einem Monat in dem Neuenkirchener Ortsteil stattfand.

„Die Scheune ist gestopft voll, wir müssen erst sehen, ob noch Stühle reinpassen, wenn alle sitzen“, musste die Vorsitzende der Film- und Bildungsinitiative Osnabrück, Birgit Müller, die Besucher vertrösten, die erst kurz vor Filmbeginn ankamen. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich schon 188 Personen in der Scheune. „Für nächstes Jahr müssen wir anbauen“, stellte Hausherr Ulrich Seidel erfreut fest. Oder auf besseres Wetter hoffen, um die Leinwand im Garten aufstellen zu können. Dies war auch für dieses Jahr geplant, das Wetter machte den Veranstaltern, neben der Film- und Bildungsinitiative auch der Landschaftsverband, einen Strich durch die Rechnung. „Für heute Nacht ist wieder Regen angesagt, da war es sicherer in die Scheune zu gehen. Wenn die Zuschauer nach der Hälfte des Films nass werden, haben sie auch keinen Spaß mehr an der Veranstaltung“, erklärte Holger Tepe von der Initiative. Worauf sein Kompagnon Martin Junker augenzwinkernd anfügte: „Die Türen stehen ja weit auf, wir haben also ein Open Door Kino.“

Die meisten Besucher kamen nicht erst direkt zum Film, denn beim Sommerflimmern wird ein Vorprogramm angeboten, und Seidel hatte sich etwas Besonderes einfallen lassen. Einen Monat nach „Ein Dorf wird Kunst“ stellten 16 der ursprünglich 75 Künstler auf dem Heu- und Strohboden nochmals einzelne Exponate aus. Teilweise waren sie auch anwesend, wie beispielsweise Bernd Obernüfemann, der mit vielen Besuchern über seine Holzskulpturen mit Lichtinstallationen ins Gespräch kam. Katja Dodt vertrat Dorothea Jöllenbeck und zeigte nochmals einige Masken. Sie berichtete über das Eigenleben, das die Masken haben, die einen eigenen Charakter entwickeln, „manchmal in eine Richtung, in die man selbst eigentlich nicht will“. Während „Ein Dorf wird Kunst“ sind einige Maskenbauer als „bewegte Kunst“ im Ort unterwegs gewesen. Dodt lernte in diesen Situationen ganz neue Seiten ihrer Maske kennen. Gleichzeitig beschrieb sie, wie schwer diese zu tragen sei. Die Bewegungen verlangsamten sich automatisch, nur auf Gesten reduziert, ergebe sich ein ganz neues Körper- und Kommunikationsgefühl. Einige Besucher hätten sie auch abgewiesen, da die unbewegliche Mimik durchaus Angst auslösen könne. Das war der Grund, weshalb Katja Dodt auf der Veranstaltung einmal von der Regel abwich, sich nicht mit der Maske in der Hand zu zeigen. Ein Mädchen hatte sich so sehr erschreckt, dass es nachts nicht schlafen konnte. Als es am nächsten Tag sah, dass ja ein Mensch dahinter steckt, setzte es die Maske sogar auf.

Zwischen Kunst und Film nahmen die Besucher einen kleinen Imbiss zu sich. Wie schon vor einer Woche beim Treffen der Suttorfer brutzelten Kathrin Möntmann und Renate Paland Reibekuchen. Gerlinde Tönsing und Daniela Bößmann unterstützten sie dabei. Schon vor Filmbeginn hatten die Gäste 12 Kilogramm Teig verspeist. Die Landfrauen, die nicht mit solch einem Andrang gerechnet hatten, bestellten für die Pause noch Teig nach, damit jeder in den köstlichen Genuss kam.