Ungewöhnliches Hörvergnügen Konzert der Sommerlichen Orgelkonzerte in Melle

Von Conny Rutsch

Organist Christian van Blohn erstaunte die Zuhörer nicht nur mit einem ungewöhnlichen Programm, sondern mit seiner herausragenden Spieltechnik. Foto: Conny RutschOrganist Christian van Blohn erstaunte die Zuhörer nicht nur mit einem ungewöhnlichen Programm, sondern mit seiner herausragenden Spieltechnik. Foto: Conny Rutsch

Melle. Von ganz alt bis ganz neu könnte die Devise von Christian van Blohn heißen, der am Mittwochabend das dritte der insgesamt sechs sommerlichen Orgelkonzerte bestritt.

An der Klausing-Orgel in der St.Matthäuskirche konzertierte er mit einem Programm, das vom frühen 14. Jahrhundert bis in die Gegenwart reichte.

Mit einer Estampie, einer höfischen Gattung des Tanzliedes aus dem Robertsbrigdge Codex (um 1330), begann der Saarbrücker Organist den Konzertabend. Ungewohnte Intervallverbindungen und komplizierte Strukturen machten das Hören zunächst nicht leicht, weil diese Orgelmusik nicht oft erklingt. Umso schöner war es dann aber, sich auf das Neue Alte einzulassen und sich den Klängen einfach hinzugeben. Und schon mit dem ersten Stück zeigte Christian van Blohn seine hervorragende Spieltechnik verbunden mit blitzsauberer Virtuosität.

Auch das zweite Werk, die Fantasia Chromatica, von Jan Pieterszoon Sweelinck aus dem 16. Jahrhundet lebt von zwar bekannten, aber doch immer wieder spannenden chromatischen Wendungen. Der niederländische Organist und Komponist prägte die Übergangszeit zwischen Renaissance und Barock und war bekannt für sein improvisatorisches Spiel, das seine Orgelwerke geprägt hat.

Die längste Komposition dieses sommerlichen Orgelabends gehörten Dietrich Buxtehude. Seine Choralsätze und –fantasien gehören zu den einflussreichsten des 17. Jahrhunderts und zur norddeutschen Orgelschule. Mit der Choralfantasie „Te deum laudamus“ ließ Christian van Blohn die Klausing-Orgel in all ihrem klanglichen Facettenreichtum erklingen und erwischte genau das richtige Tempo dieses filigranen und auch mächtigen Orgelwerks, um die fantasievollen Strukturen um den Choral herum wunderbar mithören zu lassen.

Europaweit bekannt

Und dann wurde es spannend für die Ohren. Vom 1952 geborenen belgischen Organist, Musikwissenschaftler und Universitätsprofessor Joris Verdin hatte sich Christian van Blohn das „Organetto“ ausgesucht. „Örgelchen“ heißt dieses Werk - der Titel bezieht sich auf die kleinen tragbaren Orgeln der Renaissance -, das aus mehreren miniaturartigen Teilen besteht. Der Musikliebhaber sollte meinen, dass mit Tönen, auch mit denen einer Kirchenorgel, alles schon erdacht sei. Aber mitnichten. Dieses „Organetto“ setzt alle Hörgewohnheiten außer Gefecht, sei es mit basslosem Tongeflecht in höchsten Höhen oder sogar „jaulenden“ Klängen der Register.

Nach dem Konzert erklärte der Organist, dass sich mitunter gerade die alten Orgeln auch für moderne Kompositionen besonders eigneten. „Auch die Klausing-Orgel besitzt mechanisch funktionierende Register, sodass mit dem langsamen Hinein- oder Herausziehen der Registerzüge ein besonderer Effekt erzielt werden kann.“ Zwischen den Werken von Buxtehude und einer darauffolgenden Toccata D-Dur von Johann Sebastian Bach machten die Örgelchenminiaturen einen besonderen Reiz aus und wirkten in ihrer frischen und so neuen Klangvielfalt sogar erholsam.

Der Organist selbst hatte dann die Bachsche Toccata, eigentlich für Cembalo komponiert, für Orgel gesetzt. Frisch, selten gehört und doch eben ein Bach, „der in einem Orgelkonzert nicht fehlen darf“, wie der Organist betonte.

Wie Stephan Lutermann, der Hausorganist, in seiner Begrüßung sagte, ist Christian van Blohn ein Mitstudent aus den gemeinsamen Salzburger Studienzeiten. Der europaweit bekannte Organist übt seinen Dienst in Saarbrücken an gleich drei Kirchen aus. Und auch Christian van Blohn reiht sich mit seinem Konzert in eine Riege außergewöhnlicher und hochkarätiger Organisten ein, die diese sommerlichen Orgelabende so spektakulär machen.