Seit 65 Jahren verheiratet Ehepaar Kugler: Eiserne Hochzeit in Eicken

Von Conny Rutsch

Meine Nachrichten

Um das Thema Melle Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Melle. Fünf Hochzeiten. Wer schafft denn sowas? Erna und Kurt Kugler aus Eicken-Bruche heirateten am 21. Juli 1950. Das war ihre Grüne Hochzeit. Und dann folgten die Silberne, die Goldene, die Diamantene und nun also die Eiserne Hochzeit. 65 Jahre gemeinsames Leben und Erinnerungen an Zeiten, über die heute kaum noch jemand erzählen kann.

Aus ihrer Heimat Schlesien wurden sie vertrieben, schon die Erlebnisse daran könnten Bücher füllen. Aber damals kannte sich das Paar noch gar nicht. Vor den UT-Lichtspielen in Melle trafen sie sich 1946. Große Liebe, sonst hätten sie es wohl so lange Zeit nicht miteinander ausgehalten.

An ihre Hochzeit vier Jahre später erinnert sich Erna Kugler: „Die Zeit war schlecht, wir hatten kein Geld. Also musste ich mir mein Hochzeitskleid leihen. Nur das Unterkleid habe ich mir selber genäht und die weißen Leinenschuhe konnte ich mir kaufen.“ Auch Kurt Kugler borgte sich einen Anzug für die Hochzeit. Getraut wurden die beiden vom damaligen Pastor Ernst Achilles in der Meller Petrikirche. „Der war ganz stolz, denn wir wurden zusammen mit unseren Freunden Manfred Weiß und Gerda Neugebauer getraut.“ Eine Doppelhochzeit also. Der Pastor setzte sich auch damals für die Kuglers ein, dass beide ein halbes Jahr nach ihrer Hochzeit ein gemeinsames Zimmer beziehen konnten. Andere Zeiten, das kann sich heute wohl niemand mehr vorstellen.

Und was war am schönsten in ihrem langen gemeinsamen Leben? Fast wie aus einem Munde sagen Kurt und Erna Kugler: „Die Hochzeitsreise nach Prien an den Chiemsee.“ Als Vertriebene bekamen sie dafür einen finanziellen Zuschuss von der Stadt.

Humorige Büttenreden

Harte Arbeit prägte ihr Leben. Kurt Kugler lernte Tischler und arbeitete bei der Firma Schinke in Bruchmühlen. Die gelernte Näherin Erna übte ihren Beruf nie aus. „Das war damals nicht üblich“, sagt sie. Aber für ihre beiden Kinder Klaus-Peter und Renate nähte sie die Kleidung, denn das Ehepaar wollte bauen und musste sparsam sein.

„Die Fenster waren schon fertig, dabei hatten wir noch gar keine Baugenehmigung“, erzählt die rüstige alte Dame augenzwinkernd. Sie schliff die Fensterrahmen mit Sandpapier und bekam vom Arbeitgeber ihres Mannes einen Hobel geliehen, damit sie sich nicht so abmühen musste. „Das harte afrikanische Holz, aus dem die Fenster gebaut sind, hält bis heute“, sagt sie. Ihr Mann tischlerte das Schlafzimmer, in dem die beiden immer noch schlafen und alles sonst, was im Hause an Holzarbeiten anfiel. Für Hobbies blieb nie Zeit. „Ich habe immer ehrenamtlich beim DRK gearbeitet, und mein Mann war immer für den Reichsbund unterwegs“, erinnert sich Erna Kugler. Bei Karnevalssitzungen im „Waldmeister“ war er für seine humorigen Büttenreden beliebt.

Die Grüne Hochzeit feierten sie im Wohnzimmer der Schwiegereltern. Auch die Diamantene fand im kleinen Rahmen statt. Aber die Eiserne Hochzeit möchten sie mit allen Verwandten Kurt Kuglers auf einem Saal begehen. „Ich habe außer den Kindern keine Angehörigen mehr“, erklärt die Jubilarin.

Harte Zeiten und doch auch schöne Erinnerungen werden bei den Kuglers während des Interviews wach. Und die Teilchen, die die Hausfrau spendiert, teilt sie, wie es schon immer so üblich war, in drei Teile, damit jeder von jedem Stück kosten kann.

Im kommenden Jahr werden beide 90 Jahre alt, zusammen also 180. Hoffentlich wird es für sie wieder ein Anlass zu feiern. Und zum Schluss zitiert Erna Kugler: „Und wen der Storch im Mai gebracht, den hat der Frühling angelacht, sein ganzes Leben soll so sein, ein Frühlingstag voll Sonnenschein.“ Positiv gestimmt geht das Paar in eine neue Runde ihres langen gemeinsamen Ehelebens.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN