Summe steigt von Jahr zu Jahr Glücksspieler verzocken 2,85 Millionen Euro in Melle

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Glücksspielsüchtige stecken Unmengen an Geld in die Automaten. Viele verschulden sich für ihre Sucht. Foto: David EbenerGlücksspielsüchtige stecken Unmengen an Geld in die Automaten. Viele verschulden sich für ihre Sucht. Foto: David Ebener

Melle. Glücksspieler haben in Melle im Jahr 2014 2,85 Millionen Euro verspielt. Die Stadt hat dadurch ungefähr 400000 Euro an Vergnügungssteuer eingenommen. Seit Jahren wächst diese Summe. 2009 kamen noch 240000 Euro über die Vergnügungssteuer in den städtischen Haushalt.

Ab 2017 wird der Umsatz in der Branche voraussichtlich sinken. Durch die EU komme es zu Änderungen im Glücksspielstaatsvertrag, wonach pro Spielstätte nur noch zwölf Automaten zugelassen seien, erklärte Uwe Strakeljahn von der Stadt. Außerdem müsse es dann eine Art Bannmeile um Spielstätten geben. „Im Umkreis von 100 Metern darf dann keine weitere Spielstätte genehmigt werden“, so Strakeljahn. Wie viele Spielstätten es in Melle gibt, wollte Strakeljahn nicht sagen. Auch nicht, an wie vielen Spielautomaten die Meller ihr Geld verzocken.

Tausende spielsüchtig

Die Zahl derer, die glücksspielsüchtig sind, steigt seit Jahren. In Niedersachsen hat die Landesstelle für Suchtfragen (NLS) hochgerechnet, dass rund 35000 Menschen ein problematisches Glücksspielverhalten haben und weitere 42000 Menschen glücksspielsüchtig sind. Das sind 1,5 Prozent der Menschen in Niedersachsen. Für Melle würde dies bedeuten, dass über 700 Menschen glücksspielsüchtig sind. Allerdings erfassen diese Hochrechnungen nicht die Menschen, die im Internet zocken und dadurch in eine Sucht geraten.

Auf den ersten Blick erscheint die Zahl relativ gering. Doch in den meisten Fällen belastet die Sucht nicht nur den Süchtigen selbst, sondern auch die Angehörigen. Bis zu zehn weitere Personen – Ehepartner, Kinder oder Geschwister – seien davon belastet, errechnet die NLS. Seit 2008 betreibt die NLS landesweit 24 Beratungsstellen, davon eine in Osnabrück und eine in Georgsmarienhütte.

Sucht verschleiert

In den Beratungsstellen der Diakonie und Caritas melden sich auch Meller, die Wege aus ihrer Spielsucht suchen. Die Caritas in Osnabrück zählte im letzten Jahr 103 Männer und Frauen in ihrer Beratung, darunter auch zehn aus Melle. „Spielsüchtigen gelingt es sehr lange, ihre Sucht zu verschleiern. Deshalb kommen sie oft erst, wenn sie nicht mehr weiter wissen“, weiß Katharina Szoltysik von der Caritas. Sie ist Sozialpädagogin und Suchttherapeutin und kennt deshalb erste Anzeichen einer Spielsucht. „Plötzlich sind Ausgaben vorhanden, die vorher nicht da waren, zum Beispiel Autoreparaturen, die bar bezahlt werden“, erklärt sie. Wenn auf Kontoauszügen immer wieder kleinere Summen auftauchen, die in relativ kurzen Abständen abgehoben wurden, könne das auch ein Hinweis auf eine Spielsucht sein, so die Expertin.

Ausweg über eine Therapie

Der Weg aus der Sucht führt in den meisten Fällen über eine Therapie, die vor Ort oder auch stationär durchgeführt wird. Wer sich für ein ambulantes Angebot entscheidet, kommt zu Einzelgesprächen in die Beratungsstellen in Melle und zu Gruppentherapien in Osnabrück. „Am Anfang müssen wir viel Motivationsarbeit leisten“, erklärt Monika Schnellhammer von der Caritas in Osnabrück. Wichtig sei die Fähigkeit, sich selbst gut zu beobachten und Alarmzeichen für einen Rückfall zu erkennen, so Schnellhammer. Einige kämen dann sogar in die Beratungsstelle zurück, um einen Rückfall zu verhindern, erzählt sie.


In Niedersachsen ist die Anzahl der Spielhallengeräte innerhalb von nur sechs Jahren von 10600 auf 16870 gestiegen. Diese Zahlen stehen im Jahresbericht 2013 der Niedersächsischen Landesstelle für Suchtfragen. Auf ein Spielgerät kommen, statistisch gesehen, 336 Einwohner. Damit gehört Niedersachsen zu den bestversorgten Regionen mit Spielhallengeräten in Deutschland. Nur in Bayern, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz gibt es noch mehr Geräte. 2013 wurden in Niedersachsen mehr als 400 Millionen Euro an Geldspielautomaten verzockt. Das ist eine Million Euro am Tag. Doch auch im Internet werden bei Sportwetten und im Glücksspiel Millionen ausgegeben.

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