Fischsterben Thema im Bünder Rat Stadt Melle nach Gülle-Unfall weiter in der Kritik

Von Christoph Franken

Keine Chance hatten Fische, als die Gülle-Welle aus Redecke ihren Lebensraum erreicht. Foto: Tobias BöckermannKeine Chance hatten Fische, als die Gülle-Welle aus Redecke ihren Lebensraum erreicht. Foto: Tobias Böckermann

Bünde/Melle. Melle hat die Lage falsch eingeschätzt: Zu diesem Schluss kam Gewässer-Fachmann Christoph Wittler von der Stadt Bünde in seinem Sachstandsbericht zum Gülleunfall am Violenbach, der zu einem massiven Fischsterben in der Else geführt hatte. Den Bericht gab Wittler jetzt vor dem Bünder Stadtrat ab.

Nach Angaben der „Neuen Westfälischen“ stellte Wittler dabei klar, dass das Gülle-Gemisch nicht aus der Biogasanlage in der Meller Ortschaft Redecke direkt ausgeflossen ist, sondern aus einem sogenannten Vorlagebehälter, der etwa 50 Kubikmeter fasst. In diesem Behälter fehlten im oberen Bereich Schaugläser in einer Wand. Durch die Öffnungen ist die Gülle wegen eines fehlenden Schutzwalls unterhalb der Anlage direkt über den Violenbach in die Else geflossen.

„Insgesamt sind 16,9 Kilometer der Else in Mitleidenschaft gezogen worden“, erklärte Wittler den Mitgliedern des Stadtrates. Alle entstandenen Kosten für Personal und Schadensbeseitigung würden zurzeit vom Kreis Herford ermittelt. Damit werde der Verursacher konfrontiert, sobald die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Osnabrück abgeschlossen sind. „Die laufen noch“, erklärte gestern ein Sprecher dieser Behörde.

Im Gespräch mit unserer Redaktion präzisierte Wittler seine Kritik am Verhalten der Stadt Melle und des Landkreises Osnabrück. Die dortige Einschätzung am Unglückstag, es sei keine größere Güllewelle ausgetreten, hätte spätestens dann noch einmal überprüft werden „sollen/können/müssen“, als erste tote Fische auftraten. „Im Nachhinein sind natürlich alle schlauer“, räumte Wittler aber auch ein. Im Behördengespräch habe Kreisrat Winfried Wilkens zudem „glaubhaft dargestellt“, wie es zu der falschen Einschätzung gekommen sei.

Nicht einverstanden aber ist Wittler mit damaligen Informationspolitik: „Da sind null Infos aus Melle oder vom Landkreis gekommen.“ Er selbst habe am Tag danach einen Kollegen der Stadtverwaltung Melle angerufen. „Der wusste noch von gar nichts.“ Und: „Dass Informationen nur über die Schiene der Angelvereine liefen, kam hier gar nicht gut an.“ Die Stadtverwaltung äußerte sich auf Anfrage unter Hinweis auf die Ermittlungen nicht.