Oft keine Deutschkenntnisse Kinder aus sieben Nationen in Meller Kita

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Melle. „Damaskus, da, da!“, ruft Milad und springt aufgeregt vor der Europa-Karte hin und her. Daher kommt er, aus Damaskus. Und jetzt lebt er in Melle. Seit zwei Monaten besucht er die Kita Charly‘s Kinderparadies. Dort lernt er unter anderem ... deutsch.

Der Vierjährige ist nicht der Einzige, der sich mit der deutschen Sprache noch schwer tut. Auch Raul aus Rumänien hadert mit den schwierigen Wörtern und Sätzen im Deutschen. Doch auf dem Bauteppich oder im Sandkasten ist das egal, ob zuhause türkisch, rumänisch, portugiesisch oder griechisch gesprochen wird. Die Kinder verstehen sich auch ohne Worte.

In der Kita am Buddenkamp kommen die Kinder aus sieben verschiedenen Nationen: Deutschland, Mazedonien, Syrien, Rumänien, Portugal, Italien und Griechenland. 17 Kinder besuchen derzeit die Einrichtung. Im neuen Kindergartenjahr werden es 24 sein. Immer wieder kommen Kinder ohne Deutschkenntnisse in den Kindergarten. Manchmal sprechen auch die Eltern kein Deutsch. Dann muss das Team um Marion Schäfer das verstaubte Schulenglisch wieder hervorkramen. Leicht ist die Verständigung nicht.

Auch für die Kinder sind die ersten Wochen im Kindergarten oft schwierig. „Die sind total verunsichert und wissen gar nicht, was wir von ihnen wollen“, stellt Marion Schäfer immer wieder fest. Deshalb lautet die Devise erst einmal: wohlfühlen und Vertrauen fassen. Feste Abläufe und Rituale helfen den Kindern, sich im Alltag zurechtzufinden.

Kinder lernen durch das Beobachten

Wenn die Kinder nach dem Morgenkreis die Hände waschen, um danach zu frühstücken, machen Milad und Raul es den anderen Kindern nach. Sie lernen durch das Beobachten der anderen. Ebenso helfen Lieder und Reime beim Spracherwerb. Spezielle Sprachübungen machen die Erzieherinnen mit den Kindern nicht. „Wir setzen uns in den Freispielphasen zu den Kindern und reden mit ihnen über das, was sie tun“, erklärt Marion Schäfer. Immer wieder benennen sie die Spielzeuge und lassen die Kinder nachsprechen. Auch der Stuhlkreis ist im Grunde genommen eine Sprachfördereinheit nur in der Gruppe.

In der Mitte des Stuhlkreises hat ein Kind ein grünes Tuch auf den Boden gelegt. Darauf liegen verschiedene Tiere, eine Kuh, ein Schaf, ein Hahn, ein Schäferhund, ein Schwein, ein Hase. Marion Schäfer flüstert einem Kind ins Ohr, welches Tier es wegnehmen soll. Ein anderes Kind hält die Augen zu. Es muss herausfinden, welches Tier verschwunden ist. Immer wieder sagen die Kinder „Kuh“, „Schwein“ oder „Hase“. Durch das ständige Wiederholen prägen sich die Begriffe ein. Auch bei deutschen Kindern funktioniert so der Spracherwerb, nur mit dem Unterschied, dass die Kinder aus dem europäischen Ausland älter sind als die deutschen, wenn sie erstmals die deutsche Sprache lernen.

Wunsch nach mehr Fortbildungen in der Sprachvermittlung

Obwohl die Kinder rasant lernen, wünscht sich Marion Schäfer mehr Fortbildungen für Erzieherinnen, die Kinder betreuen, die mit geringen oder gar keinen Sprachkenntnissen in die Kita kommen. „Es gibt kaum Angebote, schon gar nicht vor Ort“, sagt sie. Tipps für die Arbeit mit Kindern mit geringen Sprachkenntnissen erhält das Team einmal pro Woche von einer Sprachexpertin. Und eine Sprachförderlehrerin der Wallgartenschule kümmert sich ein Mal pro Woche um einen Jungen, der im Sommer in die Schule geht.

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