Der Berg ruft, oder der Bär groovt? Wise Guys begeistern in der Martinikirche in Buer

Von Conny Rutsch



Buer. Das war ja klar, dass es proppenvoll werden würde. 650 Fans hatten die Karten für das Konzert der Wise Guys in der Martinikirche Buer ergattert und feierten die fünf am Sonntagabend frenetisch.

Vocal-Pop nennen die „weisen Jungs“ ihre Musik. Das kam in Buer auch so richtig zur Geltung, denn sie traten „unplugged“ auf, also ohne Lichtshow, ohne Monitorboxen, sondern einfach pur und nur für die Lautsprecher verstärkt. „Seit zwei Jahren treten wir auf diese Weise vor allem in Kirchen auf, dann am liebsten mit den ruhigeren Balladen“, erklärte Daniel „Dän“ Dickopf. Das heißt nun aber nicht, dass die fünf die Kirche nicht rockten, aber der Reihe nach.

Homophone Satztechnik

„Lächeln lernen“ aus dem aktuellen Album „Achterbahn“ startete das Konzert. Und gleich waren die Fans mittendrin in den wundschönen Harmonien und ausgefeilten Texten der Wise Guys. Wie vielseitig die Sänger sind, zeigten sie gleich als Nächstes mit „Buddy Biber“, einem Song wie geschaffen als Untermalung für einen Slapstick-Film. Förster Fritz jagt den Biber, der sich mit allen Tricks wehrt. Super ersonnen, super performt. Und noch ein Gegensatz: „Mad World“ von der britischen Band „Tears for Fears“ aus den 80er-Jahren sangen die fünf wie eine barocke Ballade in homophoner Satztechnik, große Klasse, diese Art Arrangement. Romantisch, nachdenklich stimmend und megalustig – wie in einem Spottlied über die Bergwanderer. „Bei solch einer Bergtour hab ich mir die Bänder am linken Bein gerissen“, wetterte Dän fröhlich gegen die Berge: „Der Berg ruft, doch ich hör nicht zu.“ Und für die, die diesen Songtitel phonetisch auch mal falsch verstehen, gab’s gleich „Der Bär groovt“ hinterher, toll die Idee und köstlich die Vorstellung von einem sattgefressenen Bären, der sich den Beat in der Hängematte gibt. Ebenso herrlich der „Werkchor“ des Sägewerks aus Bad Segeberg inklusive abgeschnittener Finger.

Nach der Pause dann eine Adaption von Rudi Carrell: „Wann wird’s mal wieder richtig Winter?“ irgendwie zum Mitsingen für alle.

Es wechselte von tiefsinnig bis zum ganz kurzen Beschreiben einer Gaunerkarriere: „Heute ist er bei der FIFA.“ Und selbstverständlich gab’s auch ältere Songs wie „Sie ist ’ne Powerfrau“ oder „Jetzt ist Sommer“ und Zugaben gab’s von „Thank You for Travelling with Deutsche Bahn“ bis zu „She“ von Charles Aznavour.

Die besondere Mischung der Wise Guys macht’s: Die Musik ist nie vordergründig, die Texte mitunter hintergründig, es passt einfach alles und vor allem natürlich die außergewöhnliche Musikalität von Dän Dickopf, Eddi Hüneke, Nils Olfert, Sari Sahr und Andrea Figallo.

Und diese fünf, die vor einigen Wochen noch vor 30000 Menschen in Stuttgart aufgetreten sind, begrüßten nach dem Konzert ihren regional wohl ältesten Fan: Die über 90-jährige Elfriede Mügge spielt Freunden und Nachbarn zu deren Geburtstagen am Telefon von CD das Geburtstagsständchen der Wise Guys vor. Klar, dass die Jungs zu einem ein Foto mit der alten Dame nicht überredet werden mussten.

Rundherum eine fantastische Konzertatmosphäre, großartige Gesangskunst, Lachen und Rührungstränen und Künstler zum Anfassen. Für dieses Ereignis hat Martinimusikorganisator Matthias Breitenkamp fünf Jahre gekämpft. Ein unbedingter Höhepunkt der Konzertsaison in der Konzertkirche zu Buer.


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