Rasantes Leben an der Imbissbude Am Freitag noch zwei Aufführungen der BBS Melle


Melle. Die Wechselspiele des Lebens sieht Penny seit 30 Jahren an ihrer Imbissbude an der Autobahn. Skurrile Menschen finden sich auf dem Weg in den Süden bei ihr ein, auf deren Rückwegen sich viel verändert hat.

Die 16 angehenden Erzieherinnen der Theater-AG der Berufsbildenden Schulen Melle (BBS) bringen eine rasante Komödie auf die Bühne des Festsaals, die zum Lachen, aber auch zum Nachdenken anregt.

Seit 30 Jahren betreibt Penny (gespielt von Nina Drosselmeier) ihre Imbissbude namens „Extrawurst“ an der Autobahn. Seit Jahren spricht sie davon, die Bude schließen zu wollen, doch sie kann sich nicht lösen. Jeden Tag pünktlich um acht Uhr erscheint der Obdachlose Herbert (Katja Kluge) bei ihr, um mit ihr einen Kaffee zu trinken. Und im Laufe des Tages kommen viele Menschen kurz vorbei, die alle mit großer Gelassenheit von Penny bedient werden. So stürmt ein Ehepaar heran, laut streitend, bis die Frau eine Pistole zieht und ihren Mann erschießt. Penny flüchtet in Panik hinter ihren Tresen, dabei handelt es sich nur um ein Schauspieler-Paar, das seine Rollen übt. Dass die Frau ihren Mann dann für drei Wochen an der Autobahn stehen lässt und allein mit den Kindern in Urlaub fährt, ist eine eigene Geschichte. Eine sächsische Familie möchte in Italien campen, findet den Weg mit dem Straßenatlas aber nicht, eine türkische Familie ist auf dem Weg in die Türkei.

Blitzschnell wechseln die Szenen, wie in einer Collage. Während eine Gruppe die Bühne verlässt, ist die nächste schon da. Die Zuschauer bekommen keine Zeit zum Verschnaufen, ohne damit überlastet zu sein. Lachend und gebannt verfolgten die meist jugendlichen Besucher und Schüler die Premieren-Aufführung. Niemand wurde unruhig, was ein untrügliches Zeichen für das gute Drehbuch und die sehr guten schauspielerischen Leistungen aller 16 Akteure war.

Am Freitag, 10 und 19 Uhr

Nina Drosselmeier stand die kompletten 90 Minuten Spielzeit, ohne Pause, auf der Bühne und spielte die Penny, als habe sie nie etwas anderes gemacht als „Currywurst mit Pommes“ verkauft. Mit kurzen ironischen Bemerkungen mischt sie sich in die Unterhaltungen ihrer Gäste ein, ihre Mimik spricht Bände über die Beurteilungen ihrer Gäste. Begeisterungsstürme erntete Florian Windus als schwuler Mann Helmut. Aber alle Schauspielerinnen gaben ihren Rollen eine eigene Persönlichkeit. Und es sind 50 unterschiedliche Charaktere, die in dem Stück von Frank Pinkus und Nick Walsh auftreten.

Unter der Regie der Lehrer Klaus Völler, Silke Löw und Christa Debbeler haben die Darsteller das Stück ein Jahr lang vorbereitet und vier Stunden pro Woche geprobt. Das Ergebnis bietet kurzweilige Unterhaltung, in der auch Kritik aufblitzt. Als die türkische Familie aus dem Urlaub zurückkehrt, ist eine der Töchter plötzlich verschleiert: Die Eltern haben herausgefunden, dass ihre Tochter einen deutschen Freund hat und sie kurzerhand in der Türkei verlobt.

Seit 20 Jahren besteht die Theater-AG der BBS. Mit ihrer Jubiläumsaufführung ist ihr ein großer Wurf gelungen. Wer wissen will, welche Veränderungen sich in den drei Wochen Aufenthalt im Süden ergeben haben und ob Penny sich doch noch von ihrer Bude lösen kann, kann dies am heutigen Freitag noch erfahren. Um 10 und um 19 Uhr spielt die AG bei freiem Eintritt nochmals im Festsaal.


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