Wie Oma Duck unterwegs Hotzenblitze und Detroit Electric am Meller Automuseum

Oma Duck fuhr ganz ohne Abgase: Den Detroit Electric, den Heiner Rösler für das Treffen im Hof des Automuseums vorfuhr, machte Walt Disney unvergesslich. Foto: Petra RopersOma Duck fuhr ganz ohne Abgase: Den Detroit Electric, den Heiner Rösler für das Treffen im Hof des Automuseums vorfuhr, machte Walt Disney unvergesslich. Foto: Petra Ropers

Melle. Ganz so schnell, wie sein Name es vermuten lässt, ist er zwar nicht. Doch der Hotzenblitz bringt mit durchaus bemerkenswerter Beschleunigung immerhin rund 120 Stundenkilometer auf die Straße. Zahlreiche Fans des ersten in Deutschland gebauten Elektroautos trafen sich mit ihren geräuscharmen Gefährten am Samstag am Automuseum.

Nur etwa 140 Exemplare wurden 1995 und 1996 im thüringischen Suhl gebaut und für den damals durchaus stolzen Preis von rund 35000 Mark in der Grundausstattung verkauft. Einige von ihnen sind noch heute unterwegs wie die sieben Hotzenblitze, die zum 20-jährigen Jubiläum des Wagens im Hof des Automuseums vorfuhren. Die weiteste Anreise nahm dafür Jörg Hammerschmidt auf sich, der aus dem sächsischen Freiberg nach Melle kam.

Zum Dahinschweben

Echte Fans bringt der viersitzige Elektrowagen schon einmal ins Schwärmen: „Man fährt absolut geräuschlos, braucht nicht zu schalten und kann einfach dahinschweben.“ Wie weit sie förmlich schweben, variiert je nach Ausstattung: „Das hängt vom Geldbeutel ab“, räumte Organisator Franz Lödding ein, der aus dem Kreis Paderborn anreiste. Denn Kosten verursachen beim Hotzenblitz in erster Linie die Batterien. „Da können in einem Wagen schon mal 48 bis 56 Stück verbaut sein“, erklärte Lödding.

Die Fahrt selbst belastet den Geldbeutel dann allerdings kaum noch: Sein Hotzenblitz benötige gerade einmal 12 Kilowattstunden Strom auf hundert Kilometern, berichtete Matthias Kynast. Und jedes Abbremsen führt Energie wieder zu den Batterien zurück. Zum Aufladen reicht beim Hotzenblitz zur Not auch eine gewöhnliche Haushaltssteckdose aus. Und die speist Kynast umwelt- und finanzschonend aus seiner eigenen Fotovoltaik-Anlage.

Ob als fescher Strandbuggy oder als praktisches Stadtauto: Der rote Blitz machte am Automuseum in all seinen Ausstattungsvarianten eine gute Figur. Inzwischen ist ihm eine ganze Reihe von weiteren Elektroautos verschiedener Marken gefolgt. Doch auch wenn es so scheint: Neu ist dieser Trend keineswegs. Das beweist im Automuseum unter anderem ein Detroit Electric aus dem Jahre 1915.

„Das war damals vor allem ein Damen-Auto“, verriet Museumsleiter Heiner Rösler und ließ das Schmuckstück gleich zu einer Proberunde vorfahren. Schließlich ist das Automuseum Melle in weitem Umkreis dafür bekannt, ausschließlich fahrbereite Fahrzeuge zu präsentieren. Gegenüber Wagen mit Verbrennungsmotor hatte der Detroit Electric einst einen entscheidenden Vorteil: Er brauchte nicht mühsam von Hand angekurbelt zu werden.

Und das wussten vor allem die Herren zu schätzen, wie Rösler schmunzelnd berichtete: „Ihnen war es gar nicht recht, dass ihre Damen mit einem jungen, kräftigen Chauffeur unterwegs waren.“ Da kam der Elektrowagen mehr als gelegen. Verewigt wurde er unter anderem von Walt Disney: Der ließ Oma Duck in einem Detroit Electric durch Entenhausen kurven – in den alten Büchern sogar noch originalgetreu mit Lenkhebel anstelle eines Lenkrades.


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