Einladung in die Schwitzhütte Riemsloher arbeitete in Indianerreservat in Kanada

Von Marita Kammeier

Erinnerungen an die Zeit im Indianerreservat in Kanada B.C. am Little Shuswap Lake weckt Holger Sonntag beim Gespräch in Hoyel. Foto: Marita KammeierErinnerungen an die Zeit im Indianerreservat in Kanada B.C. am Little Shuswap Lake weckt Holger Sonntag beim Gespräch in Hoyel. Foto: Marita Kammeier

Riemsloh. Im Indianerreservat der Little Shuswap Indian Band lernte der Heizungsbauer Holger Sonntag aus Hoyel neben interessanten Menschen auch Traditionen wie das Pow Wow und die Sweat Lodge (Schwitzhütte) kennen. Vor 24 Jahren zog Holger Sonntag der Liebe wegen an die kanadische Westküste nach Britisch Columbia. Das Ehebündnis hat zwar nicht gehalten, dafür ist die Liebe zum Land, der grandiosen Natur mit endlos scheinenden Wäldern, Bergen und tiefblauen Seen ebenso geblieben wie der Kontakt zu den herzlichen Bewohnern.

Eine ganz besondere Zeit mit unvergesslichen Eindrücken erlebte der Handwerker aus Niedersachsen in der Zeit von 1996 bis 2002, als er im Indianerreservat arbeitete. Die Reparatur der defekten Heizungsanlage war soeben beendet, als der Chief (Häuptling) Felix Arnouse den Deutschen fragte: „Willst du bei uns als verantwortlicher Manager für die Heizung- und Sanitäranlagen arbeiten und Jugendliche ausbilden?“

Mehr 700 Indianerstämme

„Warum nicht? Das ist eine ganz neue Erfahrung‘“, dachte Holger Sonntag. In Kanada gibt es mehr als 700 verschiedene Indianerstämme. Die meisten der „First Nations“ wie sie dort genannt werden, leben in Britisch Columbia, zum Beispiel die Blackfoot und Cherokee. Die Sioux dagegen sind in Alberta zuhause und die Dakota Plains in Manitoba.

Etwa 450 Little Shuswap-Indianer leben am gleichnamigen See, der 300 Kilometer von Vancouver entfernt liegt und 60 Kilometer vor dem bekannten Touristenort Whistler. „Die Uferlinie umfasst 1700 Kilometer, und die Temperaturen liegen jetzt bei 28 Grad“, berichtet der Hoyeler. „Wir leben, wo die Sonne die Berge und das Wasser berührt“, sagen die Indianer, die sich Squilax (Schwarzer Bär) nennen.

„Ich war schnell integriert, als sie merkten, dass ich keine Vorurteile habe und wurde zum Pow Wow (Fest) und Pott Lak (Essen) eingeladen“, erzählt Holger Sonntag. Dort traf er so beeindruckende Persönlichkeiten wie den 84-jährigen Ernie Philip mit seiner großen Tanzleidenschaft, die mütterlich strenge Joanne und Berry Pavier, den Blackfoot-Indianer.

Das Pow Wow sei weitaus mehr als ein Volksfest, informiert der Riemsloher. Bei diesen Netzwerk-Treffen der Indianerstämme werde die Kultur der Vorfahren mit Trachten, Ritualen, Adler-Zeremonien, Ehrungen und Trommelgruppen am Leben erhalten.

Ein ganz besonderer Vertrauensbeweis für den Deutschen war die viertägige Einladung in die Sweat Lodge. Das ist eine Schwitzhütte mit Wellness-Programm und spirituellen Erfahrungen im Dunkeln mit glühenden Steinen. Wichtig sind dabei auch die Danksagungen an Mutter Erde, die Eltern und das Beten für ganz alltägliche Probleme und Wünsche.

Sehr naturverbunden

Wenn Holger Sonntag an die Menschen am Little Shuswap-See denkt, gerät er ins Schwärmen: „Sie sind sehr naturverbunden, liebenswert, intelligent und sagen, was sie denken. Außerdem erzählen die Indianer gern Geschichten und haben einen großen Sinn für ironischen Humor.“

Sonntag verschweigt nicht die Drogen- und Alkoholprobleme im Reservat. Doch der Häuptling Oliver Arnous hat die Probleme im Griff und führt den Stamm in eine Zukunft mit gemäßigtem Tourismus und wirtschaftlicher Entwicklung, um den Anschluss an den Wohlstand nicht zu verpassen. Weitere Informationen über die Little Shuswap Indian Band im Internet unter www.lslib.com .


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