Der Messias ganz spielerisch Händels „Messias“ in der Konzertscheune auf Schloss Bruche

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Melle. Zweieinhalb Stunden dauert Händels „Messias“ üblicherweise. Die Version des Quartetts „Odd Size“ aber ist nach gut 70 Minuten zu Ende – und es ist nicht nur deshalb eine ganz besondere.

Es ist eine Antwort, die den gesamten Abend umschreibt: „Wir haben gespielt“, sagt Elisabeth Holmerz in der Pause auf die Frage dieser Redaktion, wie die Sopranistin und ihre drei Kollegen an Violine, Cello und Barrockgitarre ihre Version des „Messias“ entwickelt haben. Und in der Tat: Spielwitz blitzt nicht nur hin und wieder auf, er trägt dieses Konzert der vier jungen Skandinavier, die sich in dieser Konstellation erst vor zwei Jahren gefunden haben.

Der berühmte Schlusschor „Hallelujah“ ohne die Wucht und Tragweite eines ganzen Chores plus Orchester? Es funktioniert bei Odd Size, es überzeugt und noch mehr als das. Die vier nehmen dem sonst so staatstragenden Stück die Dramatik, ohne es zu karikieren. Liebevoll lassen sie bislang schwere Töne geradezu hüpfen, pinselt Per T Buhre mit seiner Violine frühlingshafte Leichtigkeit in die Konzertscheune von Schluss Bruche, in die die Stadt Melle und die Familie von Baar zum Meller Sommer eingeladen haben.

Countertenor

Zudem greift Buhre auch als überzeugender Countertenor die Melodien des Stücks auf, um ihre Linien sogleich auf ganz eigene Art weiter zu führen. Zu Beginn noch hatte er mit einem Augenzwinkern darauf hingewiesen, dass er und seine drei Kollegen den Messias bereits so oft aufgeführt hatten, dass sie Lust auf eine eigene Version hatten – für eine große Besetzung habe ihnen jedoch das Geld gefehlt. Ihre Version sei aber „auch ein bisschen lustig“, warnt der Musiker grinsend.

Rockige, teils sogar punkige Töne entlockt Fredrik Bock seiner Barockgitarre, mit der er den überwiegenden Teil des Abends das harmonische Fundament bietet. Wenige Griffe später sind es die aus Georg Friedrich Händels Werk bekannten Klänge, mit denen er sich auch in Soli in den Mittelpunkt spielt.

Sprechend und scattend

Sprechend und scattend, wo sonst Melodie ist, aber auch ganz klassisch steuert Elisabeth Holmerz ihren Part zum Quartett bei, zu dem auch Ingrid Andersson mit ihrem Cello gehört, das sie teils streng, teils üppig, teils sphärisch, teils swingend erklingen lässt. Auch stimmlich überzeugen alle vier, wenn sie die Soloparts übernehmen.

Fast scheint es, als hätten die vier Musiker zu wenig Zeit gehabt, um sich das gesamte Stück über die christliche Heilsgeschichte spielerisch zu erschließen. Das Meiste, das an diesem besonderen Abend zu hören ist, stammt aus dem ersten Teil des im April 1742 uraufgeführten Werks. Am Ende aber wird nichts vermisst, es bleibt nichts offen – wenngleich der Abend gern noch länger hätte dauern dürfen.

So aber kündigt Per T Buhre als Zugabe ein Stück aus dem Weihnachtsoratorium an, das sich nach den ersten Klängen aber als ganz eigene Version von „I will always Love you“ entpuppt. Ein Stück, das einst von Whitney Houston gesungen wurde. Die Musiker von Odd Size vermögen es, ihm das Klebrige zu nehmen. Ganz so, wie es ihrem Namen entspricht: Sie geben dem Lied eine größere Dimension.


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