Praktikum bei NTF Korfhage Spanische Praktikanten in Melle: Anfangs nur gestaunt

Von Marita Kammeier


Buer. Auslandserfahrungen sind wichtig für weitere berufliche Perspektiven. Das haben auch zwei spanische Handwerker aus Galizien erkannt, die zurzeit im Rahmen einer Fortbildung ein zweimonatiges Praktikum bei NTF Korfhage absolvieren.

Es war für beide Seiten ein Risiko mit neuen Erfahrungen: Der Unternehmer Frank Stallkamp wusste nicht, ob im Betrieb alles reibungslos laufen würde. Für die Spanier war es die erste Reise über die Grenzen ihrer Heimatdörfer Bueu (Pontevedra) und Marín hinaus, die in der Nähe der Stadt Vigo an der portugiesischen Grenze liegen.

David Gómez Cabanelas hat in Spanien drei Jahre Deutsch gelernt und berichtet nach einem Monat in Buer von seinen Erfahrungen: „An den deutschen Rhythmus haben wir uns gut gewöhnt.“ Mit den früheren Essenszeiten und der abendlichen Ruhe im Ort kommen sie ebenfalls gut klar, denn die Unterschiede seien nicht so groß wie zunächst erwartet. Zusammen mit seinem Kollegen Rubén Fernández Solla wohnt David im Haus der Schriftstellerin Ulrike Kroneck, die Spanisch spricht.

„Ich muss noch viele technische Vokabeln über die Werkzeuge lernen“, sagt der 34-jährige David. In Deutschland geschehe alles „muy rapido“, sehr schnell. Damit meint er die Sprache ebenso wie die Produktionsabläufe. Zum Glück helfen die netten Arbeitskollegen den Neuen sofort.

„Die ersten Tage haben wir nur gestaunt, denn alles war unglaublich: die Leistungen der Maschinen, Konstruktionen und die Effizienz der Arbeiten“, berichten die Spanier. Jetzt, einen Monat später, bauen sie nach eigenen Entwürfen bereits selbstständig ein Stahlregal für die Produktionshalle. Der Materialzuschnitt, das Schweißen, Fräsen und Bohren, geht ihnen zügig von der Hand, und die technischen Feinheiten lernen sie schnell dazu.

Der 26-jährige Rubén ist beeindruckt von dem hohen Niveau bei der Be- und Verarbeitung von Elektrohydraulik, Stellantrieben und Steuerungstechnik. NTF Korfhage rüstet mit derzeit 40 Mitarbeitern zum Beispiel 54 riesige Hebeschiffe für einen holländischen Reeder mit vollautomatischer Sicherheitstechnik aus und hat Satelliten für Parkhäuser in Mexiko-City gebaut.

„Für mich steht der Beruf hundertprozentig an erster Stelle. Wir haben nur die Chance, das Land zu wechseln“, definiert der David Gómez Cabanelas die Zukunft, denn in Spanien gebe es keine Arbeit für 30- bis 50-Jährige. Nachdem Ehefrau Ana eine Woche zu Besuch in Buer war, steht für David ein Wunsch fest: „In Deutschland arbeiten und eine Familie gründen“.

Und was sagt Firmenchef Frank Stallkamp? Der findet nur lobende Worte: „Wir haben große Schwierigkeiten, gute Leute zu finden. Mit den Spaniern war alles ganz unkompliziert.“ Also machte er sich zusammen mit David auf den Weg und suchte eine Wohnung. Am Ende des Praktikums wird es noch eine Überraschungsreise für David und Rubén geben, denn sie fahren zur Endmontage nach Nordrhein-Westfalen.


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