Damenhut und Punker-Seepferdchen Meller VHS-Gruppe „Filzwerkstatt“ ist stets ausgebucht

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Melle. Wenn Hände in warmem Seifenschaum versinken, gefärbte Rohwolle ausgiebig gewalkt wird und aus den so vorbereiteten Wollbrettern feine Dekorationen und Gebrauchstextilien entstehen, dann ist die Filzwerkstatt der Volkshochschule wieder im Waldorfkindergarten gestalterisch tätig.

Acht Frauen treffen sich dort regelmäßig in dem künstlerisch-freundlichen Ambiente eines Gruppenraumes, um unter Anleitung der Kursleiterin das Filzen zu lernen oder bereits vorhandene Kenntnisse zu vertiefen. Jeder der vier Kurse pro Jahr umfasst vier Abende – meist innerhalb von vier Wochen. In den vergangenen zehn Jahren hat Birgit Höhne-Milan 40 Kurse gegeben, alle waren stets ausgebucht. In den Gruppen mischen sich meist Stammgäste und Neulinge. „Frühzeitige Anmeldungen sind immer erforderlich“, bestätigt Sylke Witte von der Meller VHS-Außenstelle (Tel. 05422/952759).

Zu den erfahrenen Filzerinnen gehört Kerstin Zacharias. „Ich kann jetzt gar nicht mehr so viel dazulernen, aber in der Gruppe arbeite ich doch mit mehr Akribie als Zuhause“, begründet sie ihre fünfte Teilnahme. „Außerdem gibt es die eine oder andere fachliche Anregung und nette Gespräche bei einer dampfenden Tasse Tee“.

„Wir haben Zuhause bereits erfolgreich mit trockenem Filzen experimentiert, jetzt wollen wir uns auch in das nasse Filzen einarbeiten“, erklären die Freundinnen Jutta Johanningmeyer und Marlies Czichowski ihren Antrieb, erstmals in der Filzwerkstatt mitzumachen. Und dass dabei tolle selbst gemachte Geschenke zu Ostern, Weihnachten, Geburtstagen und anderen Gelegenheiten entstehen, ist ebenso für alle anderen Teilnehmerinnen ein wesentlicher Grund.

„Das Filzen ist eine uralte Technik“, erklärt Birgit Höhne-Mihlan. Um die Erfindung des Filzens, vielleicht schon vor dem Weben, ranken sich Legenden. Eine dieser Geschichten besagt, dass in Schuhe gesteckte Rohwolle sich nach einiger Zeit verfilzt habe. So konnte die Eigenschaft von Wolle entdeckt werden, bei ständigem Pressdruck und ständiger Bewegung im Zusammenspiel mit warmer Feuchtigkeit (Fußschweiß) einen festen Verbund zu bilden. In der Tat haben die Haare von Schafen (Wolle) eine schuppenartige Oberfläche, deren kleine Plättchen sich beim Walken ineinander verhaken.

Das gestalterische Filzen mit heißem Wasser, Seifenschaum und knetenden Händen baut genau auf dieser Eigenschaft von Wolle auf. Das Rohmaterial wird in mitgebrachten Backofen-Fettpfannen von den Teilnehmerinnen intensiv bearbeitet. Dabei sei das Eintauchen der Hände in die Olivenöl-Seifenlauge die reine Handpflege, meint Birgit Borrmann. „Für die feinen Strukturen – wie Gesichter, Schriftzüge, kleine Punkte oder Verzierungen – muss allerdings trocken gefilzt werden“, erläutert die Kursleiterin. Das trockene Filzen erfolgt mit einer spitzen Nadel mit Widerhaken. „Bei dieser Arbeit ist allergrößte Vorsicht geboten“, merkt Birgit Borrmann an. Beim Filzen ist vor allem Geduld gefragt, so kann das Herstellen einer offenen Blüte bis zu acht Stunden dauern.

Neben der Handarbeit spiele aber auch das angenehme Miteinander mit netten Gesprächen unter Gleichgesinnten und stets guter Laune eine entscheidende Rolle, sind sich die Teilnehmerinnen einig. So sorgt das Seepferdchen von Nadja Bruneel für allgemeine Heiterkeit, das mit seiner noch nicht fertig gefilzten lila Mähne aussieht wie ein Punker-Seepferdchen.


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