Jedem Anfang wohnt ein Ende inne Interview mit „Der Tod“ zum Wiederaufleben der Natur

Hat einen „schwarzen Daumen“: „Der Tod“. Foto: Der TodHat einen „schwarzen Daumen“: „Der Tod“. Foto: Der Tod

Melle. „Der Tod“ ist ein mehrfach prämierter Comedian, der nie sein Gesicht zeigt und findet, dass Sterben zu Unrecht einen schlechten Ruf hat. Deshalb erklärt er Tourtermine zur „Imagekampagne“, weil: „Radieschen sehen von unten ziemlich harmlos aus.“ Wir führten mit dem Tod ein recht lebendiges Gespräch über das Thema „Das Wiederaufleben der Natur im Frühling“.

Tach, Tod! Wie darf ich Sie ansprechen? Herr Tod? Lieber Tod?

Der Tod: Manche sagen Tod, manche Todi. Wir können uns aber duzen, weil wir uns ja auf jeden Fall noch mal wiedersehen.

Da freue ich mich so mittel. Lebst du, Tod?

Natürlich hat der Tod auch ein Leben. Auch der Tod hat einen ganz normalen Kreislauf. Das heißt, auch bei mir ist es irgendwann mal zu Ende und dann übernimmt ein anderer Tod.

Ach was. Isst du auch?

Ja, durchaus. Auch der Tod hat einen Geschmack.

Das heißt, der Tod hat auch ein Verdauungssystem und lässt demzufolge ab und zu mal einen fahren. Stirbt dann jedes Mal ein Mensch?

(Der Tod lacht) … du willst es aber genau wissen.

Möchtest du nicht so gerne darüber reden?

Wer redet schon gern darüber?

Bist du eigentlich nur der deutsche Tod oder hast du Kollegen in anderen Ländern?

Nee, ich bin schon universell zuständig. Ich komme zwar aus Deutschland, aber die meisten im Ausland erwarten auch, dass Der Tod Deutscher ist.

Ist Totensonntag dein Geburtstag oder dein Namenstag?

Damit habe ich eigentlich nicht so viel zu tun. Der wurde ja danach benannt, dass da etwas passiert ist, das im Zusammenhang mit dem Tod steht. Aber es ist schon ein Tag, an dem ich oft gebucht werde.

Deine Agentur hat mir geschrieben, es sei bei Todesstrafe verboten, deinen bürgerlichen Namen zunennen. Kann denn aus deiner Sicht der Tod überhaupt eine Strafe sein?

Nein, natürlich nicht. Das ist ja gerade der Grund, warum ich die Imagekampagne mache, damit das eben nicht so wahrgenommen wird. Aber natürlich hat das immer eine erschreckende Wirkung. Dann muss man die auch mal einsetzen.

In den Harry-Potter-Büchern gibt es die Todesser - eine schlimme Vorstellung für dich?

Todesser? Ich habe mich nicht so genau mit Harry Potter beschäftigt, aber ich ahne, welche Wesen das sind. Machen die denn was mit dem Tod?

Nicht so richtig, ist wohl auch eher eine Imagefrage bei denen.

Ach so. Aber sie bedrohen schon eher die Lebenden, oder?

Ja, schon.

Na, dann bin ich ja auf der sicheren Seite.

Wo machst du gerne Urlaub, auf dem Todesstern?

Den gibt es ja leider nur im Film. Nee, ich mache Urlaub wie alle anderen auch, da bin ich gar nicht so speziell. Einfach abschalten und die Seele baumeln lassen.

Bist du ein Strandtyp? Mit Kutte?

Mit Kutte kriegt man keinen Sonnenbrand, Lichtschutzfaktor 100!

Kommen wir mal zum Thema: Garten und Frühling. Wie ist das jetzt im Frühling für dich, wenn in der Natur alles wieder auflebt?

Natürlich ist das für den Tod erst einmal ein bisschen komisch. Man sagt ja immer, der Herbst ist der Frühling des Todes. Deshalb ist der Herbst mir natürlich näher, aber ich finde den Frühling auch okay. Das ist ja so ein Kreislauf. Und ich sag immer, wenn der Frühling kommt: nicht ärgern, jedem Anfang wohnt auch ein Ende inne.

Hast du eigentlich selber einen Garten?

Nee, hab ich nicht. Dazu fehlt mir auch ein bisschen die Zeit. Man muss ja als Tod viel reisen.

Würdest du denn sagen, du bist ein Gartenfreund?

Joaaah. Naturfreund ja – Gartenfreund? Da fehlen mir doch ein wenig der Bezug und die Zeit dazu.

Wir dürfen unsere Leser sich denn deinen Wunschgarten vorstellen? Nur Giftpflanzen und jede Menge Totholz?

Naja, das ist ja schon schön, wenn das blüht und groß wird. Zum Beispiel auf dem Friedhof. Da gibt es ja auch viele Gewächse, die absterben und unten drunter wachsen neue, die gar nicht entstehen könnten, wenn die toten nicht darüber lägen. Es muss schon eine Mischung aus beidem sein. Es muss Tod aber auch Leben drin sein, damit etwas erblühen kann.

Und da kommst du gut mit klar?

Ja, schon. Ich sag jetzt nicht, ich bin es alleine. Ein bisschen Leben muss schon auch dabei sein. Das ist Geben und Nehmen.

Das heißt, du hast kein Problem mit Komposthaufen, die ja quasi das Gegenteil sind, von dem, was du machst?

Ja, auch auf dem Komposthaufen entsteht ja erst dadurch etwas, das etwas anderes abstirbt.

Ja, aber dann gibt es neues Leben.

Genau, es muss immer beides sein!

Kann man sagen, dass du einen schwarzen Daumen hast?

Also, einen grünen auf jeden Fall nicht. Wenn ich die eigenen Pflanzen betrachte, die überleben nicht lange. Ob das an mir liegt oder am Wasser – ich weiß es nicht.

Da du ja auch „der Schnitter“ genannt wirst – wie stehst du zu Schnittblumen?

Schnittblumen sind natürlich schön, weil die ja praktisch schon tot sind. Die haben ihre letzten Tage und da sind sie dann sehr schön. Das ist doch ein hübsches Sinnbild.

Verrate unseren Lesern doch mal deinen besten Gartentipp.

Einen Gartentipp von jemandem, der keinen Garten hat – das sind ja Fragen! (überlegt) Am besten einfach gar nichts machen.

Ich bin todunglücklich, aber wir sind am Ende. Ich bitte um letzte Worte.

Ich sage immer, der Tod ist wie ein guter Wein. Seine Qualität bemerkt man erst im Abgang.


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