Mehr Tierwohl - mehr Akzeptanz Melle: Staatssekretärin fordert Offenheit von Landwirten

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Gesmold. „Ich bin beeindruckt“, freute sich Maria Flachsbarth über mutige Schritte zu mehr Tierwohl und den Verzicht auf Antibiotika in der Hähnchenmast auf dem Hof Mörixmann. In der anschließenden Debatte mit Landwirten ließ sie keinen Zweifel aufkommen, dass die Zukunftsfähigkeit der deutschen Agrarwirtschaft eng mit einer tierfreundlichen Entwicklung der Haltungsbedingungen für Nutztiere verknüpft ist.

nw Gesmold. „Ich bin beeindruckt“, freute sich Maria Flachsbarth über mutige Schritte zu mehr Tierwohl und den Verzicht auf Antibiotika in der Hähnchenmast auf dem Hof Mörixmann. In der anschließenden Debatte mit Landwirten ließ sie keinen Zweifel aufkommen, dass die Zukunftsfähigkeit der deutschen Agrarwirtschaft eng mit einer tierfreundlichen Entwicklung der Haltungsbedingungen für Nutztiere verknüpft ist.

Die Staatssekretärin aus dem Berliner Landwirtschaftsministerium nahm sich fast vier Stunden Zeit für die Besichtigung des Dratumer Hofes und die anschließende Diskussion mit mehr als 30 Repräsentanten der Landwirtschaft des gesamten Osnabrücker Landes. In der Debatte musste sich die Besucherin durchaus kritische Beiträge zu den Initiativen des Landwirtschaftsministeriums zur Verbesserung des Tierschutzes anhören.

„Wir haben kaum noch Freunde und Verbündete in der Politik“, wies der Wittlager Landvolk-Vorsitzende Friedrich Steffen darauf hin, dass der Antibiotika-Einsatz doch bereits um 50 Prozent reduziert worden sei. Mit immer mehr Anforderungen sollten landwirtschaftliche Betriebe auf den angeblichen Pfad der Tugend gebracht werden. Albert Schulte to Brinke, Vizepräsident des niedersächsischen Landvolkes, wies auf einen „blutig gescheiterten Versuch“ hin, bei dem auf das Schnäbel kürzen bei Hennen verzichtet wurde. „Beim Verzicht auf das Kupieren von Schweineschwänzen wird ein Sekundenschmerz gegen einen lang anhaltenden Schmerz eingetauscht“, meinte der Meller Landvolk-Vorsitzende Hermann-Josef Bolte.

„Gegenseitiges Beißen ist meist kein normales, sondern pathologisches Verhalten, das auf nicht artgerechte Haltungsbedingungen hindeutet – ein Schwein kann nicht nur fressen, schlafen und wachsen“, forderte die Vertreterin des Bundeslandwirtschaftsministers die Bauern auf, Einschätzungen von Fachleuten aus dem Naturschutzbereich nicht einfach reflexartig abzulehnen, sondern ernst zu nehmen. „Wir können die Anfragen aus der Gesellschaft nicht ignorieren, wenn wir die Zukunftsfähigkeit der Landwirtschaft erhalten wollen“, erklärte Flachsbarth. Sie warb dafür, „Natur- und Tierschutz-Organisationen mit ins Boot zu nehmen“. Schulte to Brinke und Bolte betonten, dass die Landwirte bereit seien neue Wege mitzugehen - wenn sie umsetzbar und wirtschaftlich vertretbar seien. Flachsbarth versprach, „die Bauern nicht alleine zu lassen, damit die Tierhaltung nicht aus Deutschland abwandert“.

Beim vorherigen Hofrundgang zeigte sich die parlamentarische Staatssekretärin äußerst angetan von der Hähnchenmast. Stefan Mörixmann hält eine langsamer wachsende Züchtung, die offenbar robuster und weniger krankheitsanfällig ist. In ihrem 48 statt 38 Tage dauernden Leben haben die Tiere außerdem mehr Platz, Strohballen und Sitzstangen. Der Dratumer Bauer kann die Tiere aber wegen zu geringer Nachfrage vorläufig nicht zu einem akzeptablen Preis in Deutschland vermarkten. Deshalb ist er Partner des Tierschutz-Labels „Kip van morgen“. Die Niederländer erzielen für die besonders gehaltenen Hähnchen immerhin einen 20 bis 25 Prozent höheren Preis.

Als „zukunftsweisend“ bezeichnete Flachsbarth die flexible Biogasanlage, die derzeit um einen Gasspeicher und ein drittes Blockheizkraftwerk erweitert wird. Damit kann die in Dratum erzeugte Elektrizität direkt von der Leipziger Strombörse ganz nach dem jeweiligen Bedarf hoch- oder runtergefahren werden. „Wir wollen dem Ministerium Einblicke in die praktische Landwirtschaft vor Ort geben“, dankte Bolte der „Besucherin aus dem Raumschiff Berlin“ für die „offenen Worte“, bevor er sich von den Gästen verabschiedete, darunter auch MdB André Berghegger, Kreisrat Winfried Wilkens, der Landvolk-Vorsitzende Johannes Schürbrock aus Bersenbrück und MdL Gerda Hövel.


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