Arbeit als Feinwerkmechanikerin Wellingholzhausen: Exotin in Männerdomäne

Von Marita Kammeier

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Wellingholzhausen. Als Auszubildende in typischen Männerberufen des Handwerks arbeiten, das ist immer noch die Ausnahme. Dabei haben Schulabgängerinnen heute so gute Chancen wie nie zuvor.

Auf der Suche nach Beispielen hat das Meller Kreisblatt bei der Lossprechung von 25 neuen Metall-Gesellen eine Frau entdeckt und sie sogleich mit einer Vielzahl von Fragen interviewt: „Wie kam es zu dieser Berufswahl? Gab es Probleme oder blöde Sprüche im Betrieb und in der Berufsschule?“

„Ich war schon immer der handwerkliche Typ“, sagt die frischgebackene Feinwerkmechanikerin Lena Bulters an ihrem Arbeitsplatz bei Strautmann Hydraulik. Nach mehreren Praktika im Handwerk reifte bei der Realschülerin der Entschluss, dort mit einer Ausbildung zu starten. Ihr Vater, Kfz-Meister von Beruf, warnte die Tochter jedoch mit den Worten: „Das wird nicht einfach, denn das Handwerk ist eine klassische Männerdomäne.“

Doch Lena verschickte trotzdem mutig Bewerbungsunterlagen an einheimische Unternehmen. Ziemlich schnell erhielt sie drei Einladungen zum Gespräch und kurz danach auch schon die Zusagen. „Das ziehe ich jetzt durch“, dachte die motivierte Schülerin damals und unterschrieb den Ausbildungsvertrag beim Hersteller von Hydraulikzylindern in Wellingholzhausen.

Michaela Strautmann, Assistentin des Inhabers Heinz-Hermann Strautmann, erinnert sich noch an die Einstellung: „Natürlich behalte ich die Mädels im Blick. Azubis haben es selbst in der Hand, was sie aus ihrem Leben machen.“

Während der dreieinhalbjährigen Ausbildung war Lena eine von 17 gewerblichen Azubis bei Strautmann-Hydraulik, die in zehn Abteilungen, darunter Lackiererei, Werkzeugbau und Montage, die Arbeitsabläufe kennengelernt haben. Auf einer

12000 Quadratmeter großen Produktionsfläche lernte die 20-Jährige wichtige Fakten über die Fertigung von Hydraulik-Zylindern für Landmaschinen, Verladetechnik, Fahrzeug-, Maschinen- und Pressenbau.

Blöde Sprüche oder Zweifel an ihrer beruflichen Fähigkeit hat Lena übrigens nie erfahren, im Gegenteil: „In jeder Abteilung wurde ich von männlichen Gesellen und Azubi-Kollegen mit Respekt und Rücksicht behandelt.“ Und Berufsschullehrer Dirk Greger von der BBS erklärte auf Nachfrage: „Lena hat wesentlich zum positiven Umgangston und Betriebsklima beigetragen.“

Routiniert agiert die Feinwerkmechanikerin im automatischen Lager für Kleinteile mit 6000 unterschiedlichen Artikeln und rund 500 Bewegungen pro Tag. Die weiteren Schritte für Lenas Leben lauten nach eigener Aussage: „Nach einigen Jahren beruflicher Praxis möchte ich eine Weiterbildung als Technikerin machen.“


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