„Wir waren schon oft am Rande“ Tierschutzverein Melle überlebt dank Spenden

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Kater Silas sucht ein neues Zuhause. Charlotte Bockrath-Regel, zweite Vorsitzende des Tier und- Naturschutzvereins Melle von 1950, und Anita Bockrath, Vorsitzende (von links), kümmern sich so lange um ihn. Foto: Konstantin StumpeKater Silas sucht ein neues Zuhause. Charlotte Bockrath-Regel, zweite Vorsitzende des Tier und- Naturschutzvereins Melle von 1950, und Anita Bockrath, Vorsitzende (von links), kümmern sich so lange um ihn. Foto: Konstantin Stumpe

Oldendorf. Immer häufiger ist es zu lesen: Tierheim muss schließen! Den Tier- und Naturschutzverein Melle gibt es noch. „Wir waren schon oft am Rande, wo wir dachten: oh oh“, beschreibt Charlotte Bockrath-Regel die finanzielle Lage des Vereins.

„Es ist immer ein Tanz auf Messers Schneide“, stimmt Pressewartin Panela Opitz zu. An ein Ende wollen die Tierschützer aber nicht glauben. „Wir glauben an unsere Spender“, ist die Vorsitzende Anita Bockrath optimistisch.

260 Katzen im Jahr

Denn ohne die Spender könnten die Frauen den Verein nicht am Leben erhalten. Die jährliche Haussammlung, die bisher vom Gymnasium unter der Leitung von Lehrerin Gisela Kurz durchgeführt wird, rette den Verein über das halbe Jahr. „Wir wollen Frau Kurz einen ganz herzlichen Dank aussprechen für das Engagement, das sie für uns gezeigt hat“, betont Opitz.

Auch Schüler der IGS hätten im vergangenen Jahr bei der Sammelaktion geholfen und übernähmen es in Zukunft ganz. Etwa ein Drittel seiner Kosten kann der Verein durch Gelder der Stadt abdecken.

Hunderte Tiere profitieren von der Hilfe, die der Verein leistet. „2014 haben wir uns allein um 260 Katzen gekümmert“, erzählt Bockrath. Dazu kämen noch jede Menge pflegebedürftige Echsen, Kaninchen, Meerschweinchen, Hunde und sogar Spinnen. Jeden Tag von 8 bis 20 Uhr sind die Tierschützer im Bereitschaftsdienst und erwarten Notrufe zu gefundenen oder schlecht behandelten Tieren. Oft sind die Ehrenamtlichen auch noch länger unterwegs. „Wenn um zehn vor acht das Nothandy klingelt und ein Hund im Wald gefunden wurde, fahren wir raus, um den Hund zu suchen – egal wie lange es dauert oder ob es in Strömen regnet.“

Die jährlichen Kosten des Vereins betragen etwa 80000 Euro. „Die Tierarztkosten steigen stetig. Im vergangenen Jahr waren es knapp 26000 Euro“, seufzt die Vorsitzende. Der zweitgrößte Kostenpunkt sind die Ausgaben für die Versorgung der Tiere. Dinge wie Desinfektionsmittel, Streu und Futter verursachten Kosten von knapp 11000 Euro. „Wir betreiben hier einen professionellen Tierschutz, dabei ist es unverzichtbar, dass wir neu ankommende Tiere desinfizieren“, erklärt Opitz. Generell seien diese Kosten schwer zu kalkulieren. „Das kommt immer auf die Anzahl der Fundtiere an und welche Krankheiten oder Verletzungen die Tiere haben.“

Auch die Abgaben für die Müllabfuhr sind nicht zu unterschätzen. „Noch vor ein paar Jahren hatten wir drei kleine Tonnen. Die waren aber immer so schwer mit Streu gefüllt, dass der Müllwagen sie nicht kippen konnte“, erzählt Bockrath-Regel. Deshalb habe man sich dazu entschieden, einen großen Container zu bestellen, der allerdings 2000 Euro im Jahr kostet.

Dazu kommen Kosten für Reinigungskräfte und Energiekosten, die wegen Infrarotlampen und Wärmeplatten nicht günstig ausfallen. „95 Prozent unserer Arbeit ist daher Ehrenamt“, schätzt Opitz. 15 Ehrenamtliche gebe es derzeit.

Ohne die sei die Arbeit nicht zu schaffen. Auch die dezentrale Unterbringung der Tiere helfe, Kosten zu sparen. Bei Bockrath-Regel sind die Katzen in der Katzenstation untergebracht, Kerstin Niehaus und Panela Opitz kümmern sich um kleine Nagetiere. Die Hundepension Haske kümmert sich ehrenamtlich um die Streuner.


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