In der Martinikirche dem Himmel so nah Sieben Meter hoch: Melle-Buer hat eine imposante Kanzel

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Buer. „Dem Himmel so nah“ und „himmlische Abschussrampe“: Vielfältig sind die Attribute, die mit der Kanzel in der Martinikirche Buer in Verbindung gebracht werden. Mit einer Höhe von gut sieben Metern ist sie die Höchste ihrer Art in der Hannoverschen Landeskirche.

Als eine der prominentesten Prediger, die die 25 Stufen erklommen haben, um das Wort an die Gläubiger zu richten, gilt Margot Käßmann. Für die 1,60 Meter große ehemalige Landesbischöfin wurde eigens ein Podest in die Kanzel eingebaut, als sie 2005 aus Anlass des 150. Jahrestages der am Reformationstag 1855 eingeweihten Kirche einen Gottesdienst zelebrierte.

„Aber auch Künstler, die in der Martinikirche auftreten, treten gern auf die Kanzel, um den Blick aus der Höhe zu genießen, so zum Beispiel Jürgen Becker,“ berichtet Pastor Ingo Krahn.

So imposant und außergewöhnlich die Höhe der Kanzel auch ist; eine praktische Nutzung findet sie gegenwärtig nur noch in den Gottesdiensten am Heiligen Abend. Ansonsten werden die Predigten von der kleinen Kanzel auf der linken Seite des Chorraumes gehalten. Sie wurde im Jahr 1721 im Barockstil von einem niederländischen Künstler errichtet und stammt aus der alten Kirche.

Wie einzigartig aber gerade die Gottesdienste am Heiligen Abend sind, verdeutlicht die Aussage einer regelmäßigen Besucherin. Sie schwärmt von dem anheimelnden Lichtermeer der unzähligen Kerzen und dem blauen Sternenhimmel: „Diese besondere Atmosphäre ist unvergleichlich.“

Diese besondere Atmosphäre weiß auch Ingo Krahn zu schätzen. Schon mehrfach hat er am Heiligen Abend von der hohen Kanzel gepredigt: „Ich gehe stets eine Strophe eher los, um den richtigen Einsatz meiner Predigt nicht zu verpassen.“

Warum die Höhe von gut sieben Metern? „Bezogen auf die immense Höhe der Empore ist dies der Grund, die Kanzel auf der gleichen Ebene zu errichten, so dass der Prediger sich auf Augenhöhe mit den Gläubigern befindet,“ stellt Ingo Krahn fest. Es ist also ein akustischer Grund, der eine Verbindung zwischen der Verkündigung des Wortes und der Gemeinde herstellt: „In der evangelischen Kirche zählt weniger das, was man sieht, sondern vielmehr das, was man hört,“ untermauert Krahn. So ist der Prediger einerseits auf Augenhöhe mit den Besuchern der Empore, andererseits fällt das Wort in besonders guter Akustik auf die im Kirchenraum sitzenden Zuhörer.

Die Kanzel in luftiger Höhe besticht durch Schlichtheit: Sie verzichtet auf Ornamente, und auch die Evangelisten sucht man vergebens. Sie sind statt dessen auf den von Gemeindegliedern gestifteten Fenstern im Altarraum abgebildet und zeigen von lins Matthäus, Markus, Lukas und Johannes.

Die nur spärlich verzierte Kanzel enthält hingegen einige Goldanteile, um ihren besonderen Wert darzustellen und zu betonen. Die Zinnen auf dem Dach stellen eine Assoziation zum Himmlischen Jerusalem dar. Ansonsten sind die Malereien eher spärlich; möglicherweise sollen optische Reize nicht von der Macht der Worte ablenken.

In die in den Jahren von 1852 bis 1855 erbaute Kirche wurde die sieben Meter hohe Kanzel gleich mit eingebaut: „Die Kirche ist sehr hoch gebaut, somit ergab sich auch die Höhe der Kanzel,“ erzählt Ingo Krahn. Im Gegensatz zu heute gab es seinerzeit keinen Mittelgang, sodass die Kirche über 1400 Plätze verfügte. Mit dem Bau des Mittelganges reduzierte sich die Platzzahl, sie wurde auf 1050 vermindert.

So wertvoll die Verkündigung und das gesprochene Wort für die evangelische Kirche auch sind: Wie so oft liegt auch bei einer Predigt die Würze in der Kürze, weiß Ingo Krahn aus dem Bereich der Kommunikationswissenschaften: „Eine Predigt sollte maximal 13 Minuten dauern.“ Und damit dieses Limit möglichst nicht überschritten wird, hängt über der Orgel gegenüber der Kanzel eine große Uhr: „Sie steht aber seit gut zwei Jahren,“ schmunzelt Krahn.

Nach der Winterkirche findet der erste Gottesdienst in der Martinikirche am Sonntag, 15. März, mit dem Vorstellungsgottesdienst der Konfirmanden statt. Um 17 Uhr laden am gleichen Tag der Posaunenchor Buer und der Kinder- und Jugendchor zum Konzert mit Musik von 1554 bis 1974 ein.


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