„Sittenwidrige Zurschaustellung“ Jagd auf Kleinwüchsigen in Meller Disco Naava verboten

Von Kirsten Muck

Abgesagt: In dieser Meller Diskothek wird am Wochenende keine Jagd auf einen Kleinwüchsigen gemacht. Foto: Kirsten MuckAbgesagt: In dieser Meller Diskothek wird am Wochenende keine Jagd auf einen Kleinwüchsigen gemacht. Foto: Kirsten Muck

Melle. Eine Party in der Diskothek Naava hat die Stadtverwaltung alarmiert: Ursprünglich war geplant, am Wochenende einen Kleinwüchsigen als Animateur auftreten und ihn von Gästen durch die Disco jagen zu lassen. Die Stadt hat die „sittenwidrige Zurschaustellung von Personen“ untersagt.

Damit ist die Party zwar nicht abgesagt. Aber der angekündigte Kleinwüchsige wird nicht mehr auftreten. Das Ordnungsamt habe dem Betreiber des Naava eine Untersagung zugeschickt, bestätigte Isabel Koch, Sprecherin der Stadt. „Selbst wenn er es hätte durchführen wollen, wäre es nicht zulässig gewesen“, erklärte sie. (Weiterlesen: Erst 2013 verletzte sich ein Kleinwüchsiger bei Cuxhavener Disko-Spielen schwer.)

Christian Bukmaier, Betreiber der Disco, hat sich derweil von den Ideen der Veranstalter, einer Bielefelder Event-Agentur, distanziert. „Das geht natürlich gar nicht“, sagte er und beteuerte, er habe von dem Programmpunkt mit der Jagd nichts gewusst. Die Party werde von der Agentur ausgerichtet.

Aufgefallen war diese geschmacklose Effekthascherei durch die Jusos, die einen Hinweis auf der Facebook-Seite der Diskothek entdeckten. Dort hatte die Event-Agentur unter dem kryptischen Slogan „Crazy Liliputaner“ mit der Jagd auf den Kleinwüchsigen geworben. Wer den Mann fange und beim DJ einsperre, bekomme eine Lounge und den Eintritt für fünf Personen gratis. So lautete die Kurzbeschreibung des Veranstaltungspunkts.

Die Jusos waren entsetzt und reagierten prompt. Es handele sich dabei um eine „schwer diskriminierende Behandlung einer Minderheit“, stellten sie in einer Pressemitteilung klar, die sie auf ihrer Facebook-Seite posteten. (Weiterlesen: Rapper Kay One inszeniert Kleinwüchsigen als Kay Two.)

Menschenverachtend

Doch kaum hatten sie im Netz dieses makabre und menschenverachtende Event verurteilt und dazu einen entsprechenden Screenshot veröffentlicht, verschwand die Erklärung zum „Crazy Liliputaner“ auf der Facebook-Seite der Diskothek. „Die haben den Punkt aus der Beschreibung herausgenommen und behaupten jetzt, das hätte da so nie gestanden“, sagt Marcel John, Vorsitzender der Jusos Melle.

Warum er nicht früher reagiert habe, kann der Betreiber des Naava nicht erklären. „Ich hätte mir das vielleicht besser durchlesen sollen“, gibt Christian Bukmaier kleinlaut zu. Er wolle in seiner Diskothek niemanden diskriminieren. „Wir sind hier weltoffen“, sagte er.

Bevor der „Liliputaner“ als Live-Act gestrichen wurde, bombardierten jedoch die beiden Gründer der Eventagentur, Ivan Majstorovic und Maurice Goldmann, die Jusos auf Facebook mit Beleidigungen und Anschuldigungen. Dass sie mit ihrer Einschätzung, das sei ja alles nicht so ernst, gänzlich danebenliegen könnten, kam den Agenturgründern nicht in den Sinn. Die Agenturgründer waren für die Redaktion nicht erreichbar.

Mitunter bezeichneten sie in Facebook-Einträgen die Kritik der Jusos, eine derartige Veranstaltung verletze die Würde des Menschen, als „scheiße“. „Kleinwuchs ist kein Showobjekt!“, stellten die Jusos klar. „Die Idee, die dahintersteht, hat Einfluss auf den Alltag der Menschen und darauf, wie sie Minderheiten gegenübertreten. Was sollen andere Kleinwüchsige denken, wenn ihresgleichen in einem Meller Club gejagt und eingesperrt werden?“, fragen die Jusos.

Mit der Untersagung wird an diesem Wochenende kein Kleinwüchsiger in der Disco auftreten. (Weiterlesen: Die kleinwüchsige Osnabrückerin Birgit Köhne tritt in einer Schlingensief-Opfer auf.)


In den USA gibt es seit einigen Jahren einen beliebten Zeitvertreib in Bars und Kneipen: Dwarf-tossing, zu Deutsch: Zwergen-Weitwurf. Dabei dürfen Gäste der Bar einen Kleinwüchsigen auf eine weiche Matte oder Matratze werfen. Wer den Kleinwüchsigen am weitesten auf die Matte schleudern kann, hat gewonnen. Die Kleinwüchsigen sind meist verkleidet – manchmal als Superman oder Rakete – und tragen einen Helm sowie spezielle Polster am Oberkörper, Rücken und an den Gelenken.

Nicht jeder Bundesstaat erlaubt diesen makaberen Spaß. Vertreter der Kleinwüchsigen plädieren wiederholt dafür, das Dwarf-tossing zu verbieten, da das Werfen große gesundheitliche Risiken für die Kleinwüchsigen birgt. Rücken- und Nackenverletzungen seien nicht selten, argumentieren sie.