Liebe, Leid und Leidenschaft Jugendtheater Melle-St. Matthäus: „Williams Traum“

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Was inspirierte William Shakespeare einst zum „Sommernachtstraum“? Die Antwort gab das Jugendtheater St. Matthäus mit viel Humor und Spielwitz im Gemeindehaus. Foto: Petra RopersWas inspirierte William Shakespeare einst zum „Sommernachtstraum“? Die Antwort gab das Jugendtheater St. Matthäus mit viel Humor und Spielwitz im Gemeindehaus. Foto: Petra Ropers

Melle. Er isst nicht, er schläft nicht. Und auch die Dichtkunst lässt ihn im Stich. Nur düstere Tragödien fließen noch aus seiner Feder: Es steht schlecht um William Shakespeare. Der Schreibstube des berühmten Dramatikers stattete am Freitag das Jugendtheater St. Matthäus einen Besuch ab.

Mit der ersten von insgesamt fünf Aufführungen von „Williams Traum“ endete im Gemeindehaus eine über einjährige Spielpause. Im September 2013 musste das alte Ensemble des Jugendtheaters seinen Abschied von der Bühne nehmen, um sich auf Studium oder Berufsausbildung zu konzentrieren. Doch für schauspielerischen Nachwuchs in St. Matthäus ist gesorgt – und der stellte sich in der Regie von Pastor Michael Wehrmeyer gleich einer enormen Herausforderung.

Denn Marion Schüllers Komödie um den liebeskranken Dramatiker wirft in anspruchsvoller, nahezu Shakespeare’scher Sprache einen parodistischen Blick auf dessen „Sommernachtstraum“. Dabei wäre die turbulente Komödie um Liebe, Leid und Leidenschaft beinahe nie entstanden. Denn seine eigene unglückliche Liebe lässt den Dichter in tiefe Depressionen sinken.

Nicolai Speer verkörperte den Dramatiker, der das Porträt seiner Verflossenen mit Dartpfeilen spickt und die Feder gegen die Weinflasche eintauscht. Nicht nur Bess, Haushälterin mit herzlich-direkter Berliner Schnauze (Alicia Lütkemeyer), sorgt sich um sein Gemüt. Auch seine Freunde aus der Welt der Elfen – allen voran Hofnarr Puck (Pia Giese) – beobachten seinen Niedergang mit großer Besorgnis. Schließlich lebt das Königreich von Oberon (Aaron Brömmelhaup) und Titania (Julia Westendorf) von seiner Fantasie.

Eine Frau muss her! Und so schmieden, während Shakespeare mit düsterer Miene Romeo und Julia den Dramentod sterben lässt, Bess und Puck in aller Heimlichkeit Kupplerpläne. Doch weder bei dem schüchternen Mädchen Lydia (Aaron Brömmelhaup) noch bei der burschikosen Hebamme (Alina Martin) oder der wollüstigen Witwe (Katharina Schimweg) will es so recht funken.

Mit zeittypisch anmutenden Melodien des kanadischen Komponisten Michael Mikulin umrahmten Pasquale Sgro und Luca-Michele Strignano an Klavier und Gitarre die schnell wechselnden Szenen. Ein Dichter mit erotischen Wahnvorstellungen, zwei Elfen (Celina Speer/Natalie Harhuis) bei Kuss-Forschungen und Kobolde (Lukas Schulz/Johannes Martin/David Herde) im Zuschauerraum: Mit humorvollen Ideen spickte das Ensemble seine fantasiereiche Premiere.

Viele Hände trugen hinter den Kulissen zum Gelingen der Aufführung bei. Ihnen allen galt der ausdrückliche Dank des Regisseurs Michael Wehrmeyer. „Williams Traum“ geht mit Spielwitz und trockenem Humor erneut am heutigen Montag sowie am Dienstag, 16. und 17. Februar, jeweils um 19.30 Uhr über die Bühne im Gemeindehaus am Kohlbrink.


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