Insolvenzverwalter sondiert Ab März erste Entlassungen bei Holtkamp in Melle

Keiner kann mehr die Holtkamp-Fahne an der Betonstraße hochhalten. Foto: Christoph FrankenKeiner kann mehr die Holtkamp-Fahne an der Betonstraße hochhalten. Foto: Christoph Franken

Oldendorf. Ab März ist beim insolventen Holtkamp Möbelwerk in Oldendorf mit ersten Entlassungen zu rechnen. Das erklärte der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Mönig (Münster) im Gespräch mit unserer Redaktion.

Wenige Tage zuvor hatte er wie schon berichtet die Stilllegung des Betriebes bekannt geben müssen, weil nach Bekanntwerden der Insolvenz zahlreiche Aufträge gecancelt worden waren.

„Ab 1. März werde ich der Insolvenzverwalter sein und angesichts der Situation Kündigungen aussprechen müssen“, sagte Mönig. Parallel dazu werde die Produktion peu à peu heruntergefahren. Mönig erklärte die Kündigungsfristen: Bei sehr lang Beschäftigten gelte nach Insolvenzrecht die längste Kündigungsfrist von drei Monaten. Wenn aber jemand im Vertrag 14 Tage stehen habe, würden die gelten. „Solange bekommen die Leute ihr Geld, sofern ich sie beschäftigen kann“, sagte Mönig. Das werde aber nicht für alle der 160 Mitarbeiter gelten: „Also muss ich Mitarbeiter freistellen, die dann sofort Arbeitslosengeld erhalten.“

Die Betroffenen behalten nach seinen Worten aber Anspruch auf die Differenz zu ihrem Gehalt und bekommen dieses Geld aus der Insolvenzmasse, wenn es denn vorhanden sei. In diesem Zusammenhang bestätigte Mönig auf Nachfrage, dass die Werks-Immobilie in Oldendorf nicht zur Konkursmasse gehöre. „Die Firma ist dort Mieter.“

Er verhandele zurzeit mit dem Betriebsrat und den Gewerkschaften über einen Sozialplan. Die Summe für Mitarbeiter sei dabei auf ein Drittel der freien Masse gedeckelt. Mönig lobte die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat als „sehr gut“.

Auch zu Seniorchef Gerhard Holtkamp habe er Kontakt. Der sei am Tag der Betriebsversammlung im Haus gewesen und habe ihm gegenüber den Tag als „den schlimmsten in meinem Leben“ bezeichnet.

Das Engagement der Arbeitsagentur hob der Insolvenzverwalter lobend hervor. Die stünden Gewehr bei Fuß. Annegret Lalottis, Geschäftsstellenleiterin der Agentur Georgsmarienhütte-Melle, verwies auf bereits stattgefundene Beratungen über Arbeitslosengeld vor Ort. „Wir wollen das Ganze so sozialverträglich wie möglich gestalten, daher nehmen wir präventiv rechtzeitig die Daten auf und bieten freie Stellen an“, sagte sie. Auch sie habe vom Betriebsratsvorsitzenden und dessen Stellvertreter einen guten Eindruck: „Die kümmern sich.“

Im Übrigen zahle sich jetzt aus, dass die Arbeitsagentur schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt mit ins Boot geholt worden sei. „Das war die Voraussetzung für ein schnelles Greifen unserer Maßnahmen“, betonte Annegret Lalottis.

„Geplante Beerdigung“

Kenner der Möbelbranche meldeten sich zwischenzeitlich zu Wort und kritisierten den noch im Februar 2014 eingestielten Verkauf von Holtkamp an die G2A Furniture Investment, mit dem angeblich der chinesische Markt für Holtkamp-Möbel geöffnet werden sollte. „Das Ganze war schon damals eine geplante Beerdigung der Firma und zudem gut getarnt“, heißt es in einem Schreiben an unsere Redaktion. Ein Indiz dafür sei, dass nach Kündigung der Vertriebsleitung im Sommer vergangenen Jahres erst gar keine neue Besetzung dieser Position versucht worden sei. „Dabei ist das ein in der Möbelbranche überlebenswichtiger Posten.“


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