Karl Muggly wieder entdeckt Herforder Kunstverein zeigt seine Kunstwerke

Von Marita Kammeier

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Herford. Lange Zeit unbeachtet: Karl Muggly hat beeindruckende Glasmalerei, Aquarelle von Katzen, selbstverliebte Kühe und Karikaturen über den Ersten Weltkrieg gezeichnet.

Jetzt zeigt der Herforder Kunstverein seine Werke im Daniel-Pöppelmann-Haus am Deichtorwall. Die am Wochenende eröffnete Sonderausstellung „Karl Muggly – Neuentdeckung eines Meisters der klassischen Moderne“ ist nach 30 Jahren die erste Präsentation. Neben 70 Werken des Künstlers werden auch Textilarbeiten seiner Frau Phia gezeigt.

Erst jetzt haben Museen und Kunsthistoriker den Maler wiederentdeckt. Warum der introvertierte Künstler so lange in der Versenkung verschwand, erklärt sein Enkel Hardo Bruhns: „Mein Großvater war bescheiden, arbeitete als Lehrer, malte im Atelier und blieb fern von Kunsthändlern und Galeristen.“ Er habe sich stets für den Zeitgeist interessiert und ihn konsequent in eigene Bild- und Formsprache umgesetzt.

Weitere Werke gesucht

Karl Muggly, 1884 in München geboren und in Dresden ausgebildet, unterrichtete von 1908 bis 1949 an der Bielefelder Handwerker- und Kunstgewerbeschule. Nebenbei gestaltete er Glasfenster, Rosetten und Putten in Kirchen und öffentlichen Gebäuden. Zahlreiche Werke sind in Bünder Privat- und in Osnabrücker Bankhäusern zu finden. Der Künstler führte dabei die Tradition der mittelalterlichen Glasmalerei mit leuchtende Farbe fort.

Weniger bekannt ist das umfangreiche Werk als Zeichner, Werbegrafiker, Öl- und Kachelmaler. Erste Karikaturen mit kritisch-distanzierten Beobachtungen zeichnete Muggly im Ersten Weltkrieg als Soldat. In den 1920er-Jahren entwickelte er einen expressionistischen Stil, der an seinen Freund Ernst Barlach erinnert. Es folgen Motive mit politischen Themen, wie im Bild „Trauer um Rathenau“.

Familienszenen wie im Werk „Rast auf der Flucht“ zeigen den Beobachter, der Menschen mit Melancholie, Ironie und Anteilnahme sah. Während der NS-Zeit erhielt er keine Aufträge, weil seine Bilder nicht der geforderten Norm entsprachen.

In den 1950er-Jahren änderte der Künstler seinen Stil hin zu ausdrucksvollen, geometrischen Formen, wie im Bild „Drei Musikanten“. Der Herforder Kunstverein hat für ein Gesamtverzeichnis von Karl Muggly großes Interesse an unbekannten Werken, die sich auch im Osnabrücker Raum in Privatbesitz befinden. Zu besichtigen ist die Ausstellung noch bis zum 29. März.

Öffnungszeiten: mittwochs bis samstags 14 bis 18 Uhr, sonntags 11 bis 18 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt 4,50 Euro (ermäßigt 2,50 Euro).


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