Steinzeitfunde auf einem Acker „Spinnerei“ eines Riemslohers erweist sich als Gespür



Riemsloh. Acht Jahre lang interessierte sich fast niemand für die alten Steine, die Meinhard Krüger seit 1990 immer wieder von seinen Spaziergängen mitbrachte. Seine Sammelleidenschaft wurde in seiner Umgebung eher als „Spinnerei“ abgetan. Bis ihm 1998 der Osnabrücker Stadt- und Kreisarchäologe begegnete. Bodo Zehm erkannte sofort, dass es sich tatsächlich um echte Artefakte aus gleich mehreren Epochen der Steinzeit handelte.

Sein erstes Fundstück hatte Meinhard Krüger 1990 in der Hand. Der äußerst scharfkantige Stein kam ihm „irgendwie besonders und bearbeitet“ vor. Bei weiteren Spaziergängen mit seinem Münsterländer und seiner damals fünfjährigen Tochter Susanne fand er ganz in der Nähe seines Hauses auf einem Acker am Krukumer Markenweg immer mehr derartige Steine und nahm sie mit nach Hause. Für Vater und Tochter wurde es zeitweise zum Sport, wer mehr von solchen Steinen findet.

„Einfach nur graue Steine“

„Ich hatte schon bei den ersten gefundenen Steinen das Gefühl, dass es sich um von Menschenhand geschärfte Klingen und Kratzer handelt“, blickt der Krukumer zurück. „Als ich dann in einer archäologischen Fachzeitschrift Abbildungen von Pfeil- und Speerspitzen der Ahrensburger Rentierjäger sah, fühlte ich mich bestätigt.“ Andere Menschen sahen in seinen Funden „einfach nur graue Steine“. „Die Skepsis hat aber niemals meine Motivation zum Sammeln gebremst“, erklärt Krüger. Besonders nach starken Regengüssen wurden auf dem sandigen Acker immer wieder neue Fundstücke sichtbar. So ist inzwischen eine stattliche Sammlung von 5000 Artefakten zusammengekommen. Davon sind 2000 Stücke an der Universität Münster von Archäologin Lisa Materna wissenschaftlich untersucht worden.

Geschossspitzen aus Feuerstein

Die meisten Funde wurden den Rentierjägern der „Ahrensburger Kultur“ in der ausgehenden Altsteinzeit zugeordnet (10000 bis 8000 v. Chr.). Geschoss-Spitzen aus Feuerstein für Pfeile und Harpunen stammen aus der frühen Mittelsteinzeit (8000 bis 6000 v. Chr.). Außerdem fand er vier geflügelte Pfeilspitzen aus der späten Jungsteinzeit (2800 bis 1800 v. Chr.). „Diese sandige und zugleich geschützte Anhöhe ist bis heute die einzige trockene Stelle weit und breit und hat deshalb wohl mehrere Jahrtausende lang immer wieder umherziehende Jäger angelockt“, so erklärt sich Meinhard Krüger die unglaublich große Menge an Funden aus verschiedenen Epochen.

Die Größe der Funde reicht von ein bis zwei Millimeter großen Stückchen bis zu zehn Zentimeter langen angespitzten baltischen Feuersteinen. „Wir müssen uns klarmachen, dass es sich bei allen Funden mehr oder weniger um Trümmerstücke handelt, die die Steinzeitjäger an diesem Lagerplatz weggeworfen haben“, erläutert Krüger. „Denn die besten Waffen und Werkzeuge haben die Nomaden beim Weiterziehen mitgenommen.“

Wirklich herausragend

„Die Menge der Funde und die Größe des steinzeitlichen Trümmerfeldes sind wirklich herausragend“, freut sich Bodo Zehm über den wertvollen archäologischen Beitrag. Inzwischen sind in mehreren Fachzeitschriften Artikel über die Riemsloher Steinzeitfunde erschienen.


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