Eine alte Schweinerasse Schweine im Glück: Bentheimer Landschweine in Melle

Von Conny Rutsch

Die beiden Bentheimer Landschweine genießen bei Dennis Grobe in Meesdorf ein außerordentlich glückliches Schweineleben.Foto: Conny RutschDie beiden Bentheimer Landschweine genießen bei Dennis Grobe in Meesdorf ein außerordentlich glückliches Schweineleben.Foto: Conny Rutsch

Buer. Zum Jahreswechsel dürfen sie nicht fehlen, die Schweine als Glücksbringer. Und „Rudi“ und „Rüssel“ in Meesdorf genießen ihr Schweineleben in vollen Zügen und geben ihr Glück gerne weiter. Mit fröhlichem Grunzen und Quieken begrüßen sie ihr „Herrchen“ Dennis Grobe in ihrem Stall. Sie wissen, dass sie gleich in ihr Reich entlassen werden. Es sind Bentheimer Landschweine, die beinahe vom Aussterben bedroht waren. Gerhard Schulte-Bernd aus der Grafschaft Bentheim kümmerte sich in den 90er-Jahren als einziger Züchter in Deutschland um ihren Fortbestand. Und zwei dieser fröhlichen Burschen sind seit fünf Monaten im Besitz von Dennis Grobe.

„In den Fünfzigerjahren waren sie als Fleischlieferant ein beliebtes Nahrungsmittel für die ausgehungerte Bevölkerung“, erzählt er. Aber im Laufe der Zeit wurden dann Schweine gezüchtet, die fettarme Koteletts auf die Teller brachten. Die Bentheimer Schweine gerieten in Vergessenheit. Heute sind sie als Delikatesse wieder begehrt. „Fett ist ein Geschmacksträger“, sagt Dennis Grobe. Und gerade diese alte Haustierrasse schmeckt nach seinen Worten noch ein wenig nach Wildschwein, die die Bentheimer in ihrer Ahnentafel vorweisen können.

Die beiden Jungtiere haben es gut auf ihrem Hof. Der Hobbylandwirt mit Hauptberuf Zahnarzt in Gesmold hält sie artgerecht. Morgens entlässt er sie in ihre kleine Freiheit. Und dann dürfen sie nach Herzenslust mit der Nase im Boden ihrer Weide wühlen, sich suhlen und ein glückliches Schweineleben führen. „Sie bekommen Getreidemischungen, Gemüse und Salat zu fressen“, erkärt er. Auch Reste aus der Küche genießen sie, wie Kürbissuppe vom Vortag oder leckere Kartoffeln. Artgenossen, also Fleisch steht nicht auf ihrem Speiseplan. „Aber selbstverständlich wühlen sie auch nach Mäusen, die sie mit Appetit verspeisen.“

Reinlich sind die beiden, das ist in ihrer großzügigen Box zu sehen. In einem Teil ihres Stalles gehen sie zur Toilette. Und in ihrem Strohlager verschlafen sie einen Teil ihres Lebens. „Die Schweinehaltung war früher die Aufgabe der Frauen auf den Höfen“, sagt er, und die lustigen schwarzen Punkte auf der rosigen Haut gaben sicherlich ihren Teil dazu bei, die Bentheimer Schweine lieb zu gewinnen.

Die Freilandhaltung ist aber nicht wirklich so leicht. „Wir müssen doppelte Zäune einrichten, die eine Stromversorgung vorweisen können“, sagt Dennis Grobe. Damit soll vor allem vermieden werden, dass Wildschweine sich in das Leben der Bentheimer einmischen und möglicherweise die Schweinepest übertragen. Und trotzdem hat er sich dieser Rasse angenommen, die so liebenswert und zutraulich daherkommt.

Ob die lustigen jungen Burschen jemals auf dem Teller oder in der Salami landen, wissen weder sie noch ihr Besitzer. Sie erfreuen sich jedenfalls ihres Schweinelebens in der Natur und bringen auf jeden Fall Glück fürs neue Jahr.


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