Meisterkonzert zum Jahresende Kleine Musikperlen des jungen Bach in Melle

Mit Werken des jungen Johann Sebastian Bach begeisterte Orgelvirtuose Simon Reichert zum Jahresabschluss an der Christian-Vater-Orgel. Foto: Petra RopersMit Werken des jungen Johann Sebastian Bach begeisterte Orgelvirtuose Simon Reichert zum Jahresabschluss an der Christian-Vater-Orgel. Foto: Petra Ropers

Melle. Meisterliche Orgelkunst stimmte am Sonntag in der St.-Petri-Kirche auf den Jahreswechsel ein. An der Christian-Vater-Orgel gab „Grand Prix d’Echo“-Preisträger Simon Reichert den Musikfreunden einen klangvollen Einblick in die Kompositions- und Tastenkunst des jungen Johann Sebastian Bach.

Wunderkind? Dieser Terminus, der für Wolfgang Amadeus Mozart ganz selbstverständlich über die Lippen geht, wird mit Bach eher selten in Verbindung gebracht. Zu Unrecht, findet Simon Reichert, der intensiv mit dem großen Komponisten beschäftigte. Denn schon als Jugendlicher schuf der jüngste Sohn des Eisenacher Stadtmusikers Johann Ambrosius Bach bemerkens- und hörenswerte Werke.

Mit kleinen Perlen der Musikliteratur machte Reichert das Leben eines Jungen lebendig, der in seiner Musikbegeisterung heimlich im Mondschein die Notensammlung seines Bruders abschrieb. Von Johann Christoph erhielt der junge Johann Sebastian seine erste musikalische Ausbildung. Die Einflüsse des älteren Bach-Sohnes sind deshalb in den frühen Werken hörbar, die Simon Reichert ins Zentrum seines Konzertes stellte – so etwa bei der Fantasie C-Dur, deren rhythmisches Motiv das kleine Werk prägt.

Bach war vermutlich etwa 14 oder 15 Jahre alt, als er den von Martin Luther geschaffenen Choral „Vom Himmel hoch“ bearbeitete. Freudig bewegten sich die Stimmen in den Manualen dabei über den ruhigen, lang gezogenen Melodiebögen im Pedal. Etwa zur gleichen Zeit entstand auch Bachs Fuge C-Dur, dessen konzertantes Spiel mit einem Thema des italienischen Barock-Komponisten Tomaso Albinoni Reichert bis zum wuchtigen Schlussakkord in strahlende Klangfarben hüllte.

Zum anregenden Spiel mit den Registern der Christian-Vater-Orgel avancierte „Wie schön leuchtet der Morgenstern“, dessen Funkeln Bach mit dem hellen Klang des Zimbelsterns hörbar machte. Ein kurzer, zart registrierter Mittelteil ließ in Präludium und Fuge a-Moll aufmerken, mit deren Komposition der damals 14-Jährige seinem großen Vorbild Dietrich Buxtehude nacheiferte. Bachs Abschriften von Werken Buxtehudes und Jan Adam Reinckens beweisen die Virtuosität des noch jungen Orgelschülers.

Zwei ihrer herausragendsten Kompositionen umrahmten deshalb das Meisterkonzert, das traditionell den klangvollen Abschluss des Orgeljahres in St. Petri bildet. Zu den umfangreichsten und anspruchsvollsten Orgelwerken der Barockzeit zählt dabei Reinckens Fantasie über den Choral „An den Wasserflüssen Babylons“. Deutlich voneinander abgesetzt intonierte Simon Reichert die bildhaft ausgearbeiteten Verse, die charaktervoll und doch ohne Schwere den an Psalm 137 orientierten Text ausdeuten.

Triumphales Finale

In herabperlenden Kaskaden fielen dabei die Tränen der Weinenden auf den fremden Erdboden. In zarten, flötigen Tönen zog mit leisem Echo der Wind durch die sich biegenden Äste der Weiden. Die Choralfantasie über „Nun freut euch, lieben Christen g’mein“ ist die umfangreichste Choralfantasie im Gesamtwerk von Dietrich Buxtehude, mit der Reichert einmal mehr die ganze Klangvielfalt der Christian-Vater-Orgel ausspielte.

Von den verhaltenen Zungenstimmen der weihnachtlichen Hirtenmusik bis zum Festklang des triumphalen Finales spannte sich der kontrastreiche Klangbogen. Die Konzertbesucher stimmten zuvor gerne in den eigentlichen Choral mit ein. Bei einem Glas Punsch und angeregten Gesprächen ließen sie anschließend das Meisterkonzert nachklingen, das einmal mehr das historische Instrument abwechslungsreich und virtuos in Szene setzte.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN